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«Ein kulturelles Lebenswerk von monumentaler Breite und Tiefe»: Innerrhoder Kulturpreis an Joe Manser verliehen

Am Samstagabend erhielt Joe Manser in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell den Innerrhoder Kulturpreis. Die Auszeichnung gilt vor allem seinem Schaffen rund um den Innerrhoder Dialekt und die Appenzeller Volksmusik.
Claudio Weder
Kulturpreisträger Joe Manser ist Dialekt- und Musikforscher. (Bild: Claudio Weder)

Kulturpreisträger Joe Manser ist Dialekt- und Musikforscher. (Bild: Claudio Weder)

«Ein wunderbarer Tag – und ein grossartiger Abend», sagte Joe Manser, sichtlich erfreut über die Urkunde, die ihm Stefan Sutter im Namen der Stiftung Pro Innerrhoden am Samstagabend in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell überreichte. Bereits zum 17. Mal wurde der mit 10'000 Franken dotierte Inner­rhoder Kulturpreis verliehen.

Mit Joe Manser fiel die Wahl auf einen Kulturschaffenden, der mit seinen Arbeiten zum Innerrhoder Dialekt sowie zur Appenzeller Volksmusik «ein kulturelles Lebenswerk von geradezu monumentaler Breite und Tiefe» geschaffen hat, so Laudator Carlo Schmid. Der ehemalige Landammann kam in seiner Rede denn auch nicht darum herum, der Stiftung Pro Innerrhoden zu gratulieren, die mit Joe Manser eine «ausgezeichnete Wahl» getroffen habe.

Ein Sprachbuch als Zeitzeugnis

Für Joe Manser war Innerrhoden schon immer mehr als nur ein politisches Gebilde:

«Es bedeutet für mich Daheim-Sein, Wohlfühlen, Heimat.»

Diese Dankbarkeit, die er seiner Heimat ein Leben lang entgegen brachte, spiegelt sich letztlich auch in seinem Werk – und zwar in Form einer «Begeisterung für die kulturelle Einzigartigkeit, die er in diesem kleinen Raum vorgefunden hat», so Carlo Schmid.

Mit seinem Nachschlage- und Standardwerk zum Innerrhoder Dialekt hat Joe Manser das orthografische Referenzwerk der Innerrhoder Sprache geschaffen. Das Buch, das 2001 erstmals erschienen ist, seither mehrfach erweitert wurde und heute bereits in der 6. Auflage vorliegt, zählt mit seinen 4000 Mundartwörtern und rund 3500 Anwendungsbeispielen zu den zweifellos beliebtesten und meistverkauften Bänden der Innerrhoden Schriften.

Dass das Innere Land mit seinen 15000 Einwohnerinnen und Einwohnern ein eigenes Sprachbuch hat, ist der akribischen Arbeit von Joe Manser zu verdanken, der das Material während mehr als 25 Jahren sammelte. Schmid sagte:

«Das ist keine Selbstverständlichkeit.»

Mansers Nachschlagewerk ist ein Zeitzeugnis. Eines, das einen Beitrag zur Geschichte des Innerrhoder Volkes leistet, und darüber hinaus Ausdruck der Identität eben dieses Volkes ist. «In der heutigen Zeit sind kleinräumige Idiome immer mehr im Rückgang», so Schmid. Der Trend zeige hin zu städtisch geprägten Einheitsdialekten. Diesem allgemeinen Zug zur urbanen Identitätslosigkeit stelle Manser mit Selbstbewusstsein und Freude die typisch inner­rhodische rurale Eigenständigkeit entgegen:

«Man soll und darf die Innerrhoderinnen und Innerrhoder an ihrer Sprache erkennen.»

Gralshüter der Volksmusik

Zu den Ausdrucksformen der Appenzeller, für die sich Manser schon sein ganzes Leben lang begeistert, gehört letztlich aber nicht nur der Dialekt, sondern auch die Musik, die sich wie ein roter Faden durch seine Biografie zieht. Neben der Herausgabe des ursprünglich aus dem Jahr 1730 stammenden Liederbüchleins der Maria Josepha Barbara Brogerin machte sich Joe Manser – der «Gralshüter der Appenzeller Volksmusik», wie ihn Carlo Schmid nannte – vor allem auch durch die Begründung des Zentrums für Appenzellische Volksmusik im Roothuus Gonten einen Namen. In diesem begann er, die umfangreiche Sammlung an Notenmaterial, Bildern, Tonträgern und Instrumenten, die ihm sein Vater, ebenfalls Kulturpreisträger, hinterlassen hatte, zu sichten, zu ordnen und zu erschliessen.

Und dies alles tat Joe Manser, der 25 Jahre als Seklehrer in Appenzell unterrichtete, nebenbei. Der 73-Jährige sagt:

«Es war nie ein Müssen, sondern stets ein Dürfen.»

Er verweist auf die Schlussstrophe des Liedes, mit dem das Mentig-Chörli unter der Leitung von Hanspeter Masina die Preisverleihung einleitete: «Doch der frohen Musikstunden hat es mich noch nie gereut», heisst es in ebenjener Strophe. Ein Satz, der genauso auf Mansers Beschäftigung mit dem Innerrhoder Dialekt zutrifft.

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