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Ein Kopf voller Geschichten

Morgen ist Anita Glunk aus Gais in der Sendung Schnabelweid auf Radio SRF 1 zu Gast. Medienpräsenz verschafft ihr das Buch «Zimmer ääs mit Bergsicht». Für die Zukunft hat die talentierte Erzählerin primär einen Wunsch.
Roger Fuchs
Autorin und Tierliebhaberin Anita Glunk auf dem Dorfplatz in Gais. Die Mischlinge Ronja und Felix nennt sie lachend «ihre Kinder». (Bild: rf)

Autorin und Tierliebhaberin Anita Glunk auf dem Dorfplatz in Gais. Die Mischlinge Ronja und Felix nennt sie lachend «ihre Kinder». (Bild: rf)

GAIS. Anita Glunk weiss derzeit kaum, wie ihr geschieht. Seit der Veröffentlichung ihres Buches «Zimmer ääs mit Bergsicht – Geschichten im Gaiser Dialekt» ist aus der stillen Schreiberin eine Autorin geworden, über die gesprochen wird. «Isch bald näbe oohäämelig» kommentiert sie die Anfrage der Appenzeller Zeitung auf ihrer Website und auf Facebook. Sie müsse sich erst an den ganzen Rummel gewöhnen, sagt sie später beim Treffen. Letztlich aber gefalle es ihr, im Rampenlicht zu stehen.

Anita Glunk scheint eine Frau mit vielen Einfällen zu sein. «Weisst du, ich hatte mal eine Geschichte im Kopf», antwortet die 57-Jährige mehrmals. Geschichten entstehen bei ihr aus Alltagsbegebenheiten, aus Erlebnissen, Situationen oder aufgrund von Regeln, an denen sie sich stört. «Zimmer ääs mit Bergsicht», das im April beim Appenzeller Verlag in einer Auflage von 500 Exemplaren auf den Markt kam, ist ihr erstes Buch. Zuvor erschienen jedoch bereits mehrfach Geschichten von ihr im «Gääser Blättli», und auch für Familienanlässe liess sie ab und an ihren Gedanken freien Lauf.

«Relativ heile Welt» in Gais

Aufgewachsen in Gais, hat es sie bis heute noch nie weggezogen. «Wenn es hier nicht schön ist, weiss ich auch nicht mehr weiter», begründet Anita Glunk. Und sie setzt an zu einem regelrechten Werbespot für ihr Dorf. Auf kleinem Raum sei hier alles vorhanden. Überdies ermögliche es die Lage, dass man in einer halben Stunde in Österreich, in den Bergen, am See oder in St. Gallen sei. Sie spricht von einer «noch relativ heilen Welt» und schätzt, dass man sich gegenseitig kennt. «Zudem ist noch nicht alles verbaut, obschon ich Angst habe, dass dies ändern könnte», sagt sie.

Schreibende Tierliebhaberin

Beruflich arbeitet Anita Glunk seit 23 Jahren bei einem Unternehmen, das optische Teile für medizinische Instrumente herstellt. Als eingefleischte Gaiserin nimmt sie aktiv am Dorfleben teil, war jahrelang im Turnverein und ist Ehrenmitglied im Reitverein. Mit Kolleginnen und Kollegen versuchte sie überdies während fünf Jahren ein Frühjahrsmarktspektakel im Dorf zu etablieren. Vor vier Jahren zogen sie die Reissleine. Die Bevölkerung liess sich gemäss Anita Glunk nicht in dem Mass dafür begeistern, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Eine weitere Facette Glunks kommt dadurch zum Vorschein, dass sie mit zwei Hunden zum Interviewtermin erscheint: Ronja und Felix, Mischlinge aus spanischen Tierheimen, legal erworben, beide gechipt. Das seien ihre Kinder, sagt sie mit einem Lachen auf den Lippen. Auch Pferde gehören seit vierzig Jahren zu ihrem Leben. Meas Sulai – meine Sonne – heisst ihr mittlerweile sechstes Ross. Woher wohl diese Tierliebe kommt? «Das ist einfach so», meint sie kurz und knapp.

Das Buch als Lotto-6er

Mit steigendem Bekanntheitsgrad als Autorin kriegt ihr Leben jetzt noch zusätzlichen Schwung. Schon zu mehreren Lesungen ist sie eingeladen worden, morgen folgt mit dem Auftritt auf Radio SRF 1 ein weiterer Höhepunkt. Das Buch hat auch bei ihr persönlich einen Wandel ausgelöst: Sie getraut sich immer mehr, an die Öffentlichkeit zu gehen. «Ich musste erst lernen, dass man auf ein solches Werk auch stolz sein darf», sagt sie und hat inzwischen nur einen Wunsch: Sie würde gerne noch ein weiteres Buch schreiben und nochmals die Gefühle erleben, die sie bei der Herausgabe hatte. «Es ist einfach genial, das eigene Buch in Händen zu halten. Damit hatte ich meinen Lotto-6er.»

Morgen Donnerstag, 21 Uhr, «Schnabelweid» auf Radio SRF 1, mit und über Anita Glunk.

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