Ein konsequenter Entscheid

Ueli Rohner und Markus Hilber lehnen die Wiederwahl in den Gemeinderat Heiden ab. Der Schritt ist nachvollziehbar, birgt aber auch Gefahren. Von Jesko Calderara

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Die politische Situation in Heiden präsentiert sich zurzeit aussergewöhnlich. Kaum sind die Gesamterneuerungswahlen vorbei, müssen bereits wieder zwei Vakanzen im Gemeinderat besetzt werden. Diese entstehen, weil Ueli Rohner und Markus Hilber nach dem verlorenen Kampf um das Gemeindepräsidium die Wahl in den Gemeinderat abgelehnt haben. Wer den beiden nun vorwirft, aus Frust oder Verantwortungslosigkeit zu handeln, irrt sich. Zwar mag insbesondere bei Rohner die Enttäuschung über das schlechte Resultat bei der Ausmarchung um das Gemeindepräsidium eine Rolle gespielt haben. Verständlich wäre es. Denn der Vize-Gemeindepräsident durchlief eine politische Ochsentour, das Stimmvolk in Heiden setzt stattdessen jedoch auf einen auswärtigen Quereinsteiger, der sich zudem noch nie ehrenamtlich für das Allgemeinwohl einsetzte. Für diese Wahl hat es gute Gründe gegeben, zumal Gallus Pfister mit seinem eloquenten Auftreten durchaus überzeugt. Die Begründung von Ueli Rohner, nicht länger der Zudiener eines Gemeindepräsidenten sein zu wollen, ist dennoch nachvollziehbar. Unter diesem Blickwinkel zeugt sein Verzicht auf das Gemeinderatsmandat von Konsequenz. Zudem hätte die besondere Konstellation mit Sieger und Unterlegenem des vergangenen Sonntags für die Arbeit im künftigen Gemeinderat eine Belastung darstellen können. Durch den Entscheid der Beteiligten fällt dieses Risiko nun weg.

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Allerdings ist Ueli Rohners Rückzug aus der Gemeindepolitik ein Verlust für Heiden. Der langjährige Gemeinderat gilt als stiller Schaffer und engagierte sich in vielfältiger Weise. Beispielsweise betreut er als Präsident der Projektgruppe Seeallee/Kurpark ein für die Entwicklung Heidens äusserst wichtiges Vorhaben. Diese Lücke gilt es zu schliessen. Etwas anders sieht der Fall bei Markus Hilber aus. Bereits die Ankündigung seiner Kandidatur als Gemeindepräsident sorgte rundherum für Kopfschütteln. Offenbar trauten ihm nicht einmal seine ehemaligen Parteikollegen das Amt zu. Die fehlende Unterstützung der SVP hatte wohl kaum mit der ökologischen Positionierung des Kandidaten zu tun, wie Hilber gerne weismachen wollte. Er trat während des Wahlkampfs eher besser auf als erwartet, bezahlte aber seine Selbstüberschätzung beinahe mit der Abwahl. Nach zwölf Jahren Gemeinderatstätigkeit und viel guten Willen blieb ihm ein solch bitterer Abgang erspart. Möglicherweise haben auch die Ereignisse der vergangenen Jahre in Hilbers Ressort, dem Altersheim Quisisana und dem unterdessen geschlossenen «Müllersberg», zu Recht oder Unrecht zum schlechten Abschneiden beigetragen.

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Wie es in Heiden weitergeht, ist zurzeit noch offen. Die Behörden wollen nächste Woche über das weitere Vorgehen beraten. Es bleibt zu hoffen, dass sich Silvia Büchel, die bereits bei den Gesamterneuerungswahlen antrat, und Christian Funke zur einer Kandidatur durchringen. Je nachdem, wann geeignete Bewerber gefunden werden, muss sich der Gemeinderat aufgrund der Vakanzen für die Zeit ab dem 1. Juni entsprechend organisieren und die Arbeit aufteilen. Das wird aber nur eine Herausforderung sein. Eine andere stellt die veränderte personelle Zusammensetzung dar. Nach den ganzen Wechseln werden dem siebenköpfige Gremium vier neue Mitglieder angehören. Diese benötigen verständlicherweise Zeit zur Einarbeitung. Man darf gespannt sein, wie der designierte Gemeindepräsident Gallus Pfister diese schwierige Aufgabe gleich zu Beginn seiner Amtszeit meistern wird.

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