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Ein Kerker für das Häsli

Anina Rütsche

Es gab Zeiten, und die sind noch nicht allzu lange her, da habe ich gefühlte hundert Mal pro Tag aufs Smartphone geschaut. Seit Mitte Februar mache ich das nicht mehr. Das Fastenprojekt umfasst meinen Handykonsum – derzeit nutze ich das Gerät so selten wie möglich. Ich gestehe: Es ganz aus meinem Alltag zu verbannen, wäre mir zu happig gewesen. Nicht nur, weil ich ständig unterwegs die ÖV-Verbindungen checken muss, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen. Noch immer erinnere ich mich lebhaft daran, was passierte, als der Akku meines Handys einst im Kampf gegen die Hitze den Geist aufgab. Das Display flackerte ein bisschen, zuerst blau, dann grau, und alles war vorbei. Sogleich bestellte ich einen Ersatzakku, doch bis dieser bei mir eintraf, dauerte es einige Tage. Das reichte, um manche meiner Mitmenschen glauben zu lassen, ich sei auf den Mond gezügelt. «Was ist los»?», «Geht es dir gut?», «Lebst du noch?», so lauteten die Mitteilungen, die bei mir eintrafen, nachdem das Handy endlich geflickt war. All jene, die sich damals netterweise um mich gesorgt haben, wollte ich nicht schon wieder aus Versehen erschrecken.

Und dann passierte es zu Beginn dieser Woche trotzdem. Es war so viel los, dass ich bis zum späten Nachmittag nicht einmal ans Handy dachte, wofür ich mich hiermit entschuldige. Sorry, ich war abgelenkt! Und zwar, weil ich mich mit meinem zweiten Aspekt des Fastens befasste, mit dem Verzicht auf Süsses. Hierfür wählte ich die grösstmögliche Herausforderung: Ich begab mich in eine Konditorei. Spöttisch blickten mich die Osterhasen mit ihren Schoggiaugen an. Ich starrte zurück, und das ging eine Weile, bis es mir verleidete und ich das Weite suchte. Beim nächsten Mal, das schwöre ich, werde ich so ein läppisches Langohr kaufen und in meiner Pultschublade einsperren. Über Einsamkeit muss es dort nicht klagen. Die Mitgefangenen heissen blödes Brügeli und fieser Fruchtgummi.

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch

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