Ein Kämpfer ohne Kompromiss

David Zuberbühler stritt gegen Abgangsentschädigungen, empörte sich über hohe Verwaltungsratshonorare und sieht in der Zuwanderung eine Gefahr für die Schweiz. Nun will der 36-Jährige für die SVP in den Nationalrat einziehen.

Michael Genova
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Zusammen mit seinem Bruder baute Nationalratskandidat David Zuberbühler die kleine Schuhhandelsfirma des Vaters zu einem mittelständischen Unternehmen aus. (Bild: Stephanie Sonderegger)

Zusammen mit seinem Bruder baute Nationalratskandidat David Zuberbühler die kleine Schuhhandelsfirma des Vaters zu einem mittelständischen Unternehmen aus. (Bild: Stephanie Sonderegger)

HERISAU. Wie ein politischer Hardliner sieht David Zuberbühler eigentlich nicht aus. Mit seinem typischen leicht verschmitzten Lächeln blickt er auf den frisch gedruckten Plakaten vertrauenswürdig den Wählern entgegen. In modischem Hemd, adrett frisiert, mit schwarzer Brille verkörpert er eher den seriösen Banker als den kompromisslosen SVP-Politiker. Als Zuberbühler 1999 mit erst 20 Jahren in den Einwohnerrat Herisau gewählt wurde, realisierten die Gemeindeparlamentarier jedoch schnell: Hier hatte ein Heisssporn, ein Überzeugungstäter gerade seine politische Karriere gestartet. Seither sieht sich Zuberbühler als Anwalt des kleinen Bürgers: «Wenn ich meinen Daumen auf ein Thema halten muss, dann mache ich das.»

Junger Rebell

Die EWR-Abstimmung von 1992 hat sein politisches Interesse geweckt. Der Sekundarschüler klebte damals EWR-Nein-Kleber auf sein Etui und war fasziniert von Christoph Blocher. «Schon als 13-Jähriger träumte ich davon, Bundesrat zu werden», erinnert sich David Zuberbühler. Das Beispiel Adolf Ogis habe ihm gezeigt, dass man es auch ohne akademische Ausbildung an die Spitze des Landes schaffen könne. Nach der Sekundarschule machte Zuberbühler das KV. Ein Botschafter besuchte damals die Berufsschule in Herisau und warb offen für einen EU-Beitritt. «Es gab jedoch keinen Kontra-Referenten», empört er sich noch heute.

1999 wurde zum Jahr des Aufbruchs für Zuberbühler und die SVP: Er war dabei, als die «Junge SVP SG/AR/AI» gegründet wurde, trat der SVP Herisau bei und wurde auf Anhieb in den Einwohnerrat gewählt, wo die SVP ihre Sitzzahl von fünf auf neun erhöhte. Dort traf er auf seinen ehemaligen Berufsschullehrer: den späteren Gemeindepräsidenten und heutigen FDP-Regierungsrat Paul Signer. «Die beiden waren wie Feuer und Wasser», erinnert sich SP-Einwohnerrat Peter Federer. Zuberbühler provozierte viel und gerne und begann seinen Kampf gegen unnötige Staatsausgaben. Zusammen mit seiner Partei verhinderte er eine Abgangsentschädigung für den Gemeindepräsidenten, beerdigte das Gemeindeblatt «Herisauer Bär» und den Verein für Standortförderung «Üsers Herisau». «Es ist immer einfach, mit dem Geld anderer um sich zu werfen», sagt Zuberbühler.

Von allem weniger

Mit seinen politischen Vorstössen verfolgt David Zuberbühler seit Jahren einen strammen SVP-Kurs. Nach zwölf Jahren im Einwohnerrat gelang ihm 2011 der Sprung in den Kantonsrat. Nun bewirbt er sich um den Ausserrhoder Nationalratssitz. Er ist überzeugt, auf Bundesebene mehr erreichen zu können. Seine Ziele: Weniger Staat, weniger Zuwanderer. Seit er als 20jähriger Politiker begann, vertritt Zuberbühler die einfachen, zugespitzten Positionen. Das Sowohl-als-auch ist seine Sache nicht. «Bei mir weiss man, was man hat», sagt er. Auf seiner Website verspricht er: «Ich werde alles unternehmen, um einen weiteren Ausbau unseres Sozialstaates und unserer Verwaltung zu verhindern.» Und auch in diesem Jahr, da Europa die grösste Flüchtlingskrise seit Jahrzehnten erlebt, macht er unmissverständlich klar: «Um sich im eigenen Land nicht bald selbst fremd vorzukommen, ist die Zuwanderung zu senken.»

«Es droht ein Wertezerfall»

Im Kantonsrat forderte David Zuberbühler in einer Motion unter anderem die öffentliche Auflage von Einbürgerungsdossiers. Und in einer Anfrage wollte er wissen, ob der Regierungsrat bereit wäre, den Ausländeranteil in Schulklassen mit einer Quote zu beschränken. Die Zuwanderung ist sein grosses Thema. Wenn es so weitergehe, gebe es in 50 Jahren in der Schweiz mehr Ausländer als Schweizer, sagt er. «Das macht mir Angst, es droht ein Wertezerfall.» Und seine Haltung in der aktuellen Asyl-Debatte? Die Schweiz solle sich vor Ort engagieren. «Dort ist der Franken mehr wert.» Die Flüchtlinge sollten gar nicht erst in die Schweiz kommen. Die Lösung sieht er in Auffanglagern in entmilitarisierten Zonen.

Im vergangenen Jahr erlebte Zuberbühler im Kantonsrat den grössten Moment seiner Karriere. In einem Antrag an den Regierungsrat stellte er Fragen zu den Entschädigungen des Verwaltungsrates des Ausserrhoder Spitalverbundes. Damit hielt er hartnäckig eine Diskussion am Laufen, die zu versanden drohte. Der Regierungsrat geriet unter Zugzwang und machte erstmals interne Protokolle publik. Einzelne Verwaltungsräte verrechneten bis zu 3000 Franken pro Tag für Sitzungen und Telefonkonferenzen. «Das verstösst gegen den gesunden Menschenverstand», findet Zuberbühler. Jeder Büezer müsse dafür lange arbeiten.

Allein gegen alle

Wenn es sein muss, tritt Zuberbühler auch alleine an. In der Spitalverbund-Affäre stellte er sich gegen seinen Parteifreund und Regierungsrat Köbi Frei. Dieser sass von Amtes wegen im Verwaltungsrat des Spitalverbundes. Und als das Kantonsparlament in diesem Jahr die Austrittsentschädigung für Regierungsräte diskutierte, forderte er anders als seine Partei eine komplette Streichung. «In einer Volksabstimmung hätte eine Abgangsentschädigung keine Chancen», ist Zuberbühler überzeugt. Seine Unnachgiebigkeit hat aber auch ihren Preis: In der Vergangenheit musste er oft Kritik einstecken. «Es braucht manchmal Mut, brutal Mut», gibt er zu. Mit den Jahren ist der 36-Jährige milder geworden, auf seine ersten Jahre als Einwohnerrat blickt er mittlerweile selbstkritisch zurück. «Ich würde mich heute nicht mehr so angriffig verhalten.»

«Dä Zubi»

Seine Hartnäckigkeit ist aber auch Mission. Das gute Ergebnis bei der Wiederwahl in den Kantonsrat habe gezeigt, dass seine volksnahe Politik ankomme, sagt David Zuberbühler. Als Unternehmer mit Bodenhaftung will er am liebsten wahrgenommen werden: Sein Grossvater war Schuhmacher in Hundwil, sein Vater Marktfahrer. «Ich bin <dä Zubi> mit KV-Abschluss und führe mit meinem Bruder drei KMU», sagt er. «Dä Zubi» ist auch der Slogan seines Wahlkampfes. Nach einigen Jahren als Bankangestellter stieg Zuberbühler 2003 in den elterlichen Schuhhandel ein. Damals waren sie zu fünft und verkauften an der Schützenstrasse in Herisau einmal pro Monat Schuhe direkt ab Lager. Zwölf Jahre später beschäftigt das Unternehmen 34 Mitarbeiter und betreibt an der Alpsteinstrasse ein repräsentatives Schuhgeschäft. Vom kleinen Büezer entfernt habe ihn dieser Erfolg nicht: «Ich weiss, was es bedeutet, den Lohn für die gesamte Belegschaft am 27. des Monats zu bezahlen.»

Bereits erschienen sind die Porträts der Kandidaten Markus Bänziger (FDP) und Jens Weber (SP).