Ein Jahrhundert Kanzleigeschichte

Vor 20 Jahren ist das Museum Appenzell eröffnet worden. Am Wochenende wird der Geburtstag zusammen mit dem 100jährigen Bestehen der Landeskanzlei gefeiert. Aus verschiedenen Gründen wurde 1915 ein nicht sehr repräsentatives Gebäude gebaut.

Jesko Calderara
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Sandro Frefel Landesarchivar Appenzell Innerrhoden (Bild: pd)

Sandro Frefel Landesarchivar Appenzell Innerrhoden (Bild: pd)

APPENZELL. Gleich zwei Jubiläen werden am Wochenende in Appenzell gefeiert. Die Innerrhoder Landeskanzlei blickt auf eine 100jährige Geschichte zurück. Am Samstag stehen deshalb Führungen und Reden auf dem Programm. Zudem gewähren verschiedene Ämter Einblick in ihre Tätigkeiten. Bereits heute abend lädt das Museum Appenzell zum 20-Jahr-Jubiläum ein.

Gebäude im Heimatstil

Die Entstehung der Landeskanzlei ist eng mit dem Ausbau der staatlichen Tätigkeiten verbunden. So kamen 1912 mit der Einführung des Eidgenössischen Zivilgesetzbuches neue Aufgaben hinzu, etwa in den Bereichen Personenrecht, Familienrecht, Erbrecht und Sachenrecht. Aufgrund der Arbeitsüberlastung bei der Landeskanzlei wie auch bei der Ratskanzlei wurde in Innerrhoden wiederholt eine Neuorganisation des Kanzleiwesens diskutiert. Die Standeskommission und der Grosse Rat sprachen sich letztlich für den Bau eines Kanzleigebäudes aus.

Die Pläne für den Bau hat der Architekt Adolf Gaudy entworfen. «Gebaut wurde in einem Heimatstil, der damals in urbanen und städtischen Gebieten stark verbreitet war», sagt Landesarchivar Sandro Frefel. Im Vergleich zu anderen Kantonen sei die Landeskanzlei aber nicht besonders repräsentativ. Dies habe auch mit dem fehlenden Geld des Kantons zu tun gehabt. Frefel erwähnt als weiteren Grund die kleine Verwaltung. «Es gab nur wenige voll bezahlte Angestellte.» Zur damaligen Zeit habe die Standeskommission einen wesentlichen Teil der operativen Tätigkeiten selbst erledigt, sagt Frefel. «Einen weiteren Grund vermute ich in einer grundsätzlich staatskritischen Haltung.» Laut dem Landesarchivar wurde der Staat als notwendig angesehen, auftrumpfen sollte er jedoch nicht. Als die politischen Zentren seien das Rathaus und der Landsgemeindeplatz angesehen worden. Heute befinden sich die Büros der Ratskanzlei und der Steuerverwaltung in der Landeskanzlei.

Wechselhafte Geschichte

Seinen 20. Geburtstag feiert dieses Jahr das Museum Appenzell. 1995 wurde das frühere Heimatmuseum Appenzell nach einem Umbau unter geändertem Namen wiedereröffnet. Ein erstes Museum führte bereits der 1879 gegründete Historisch-antiquarische Verein. Es durchlebte wechselhafte Zeiten. Der Historische Verein Appenzell übergab nach einem Entscheid der Landsgemeinde 1992 die Verantwortung für das Museum an eine Stiftung, ist allerdings noch im Stiftungsrat vertreten. Heute ist das Museum Appenzell im Haus «Buherre Hanisefs» und in den oberen Stockwerken des Rathauses untergebracht.

Quelle: Sandro Frefel, 100 Jahre Landeskanzlei. Die räumliche Entwicklung der kantonalen Verwaltung von Appenzell Innerrhoden