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In Herisau leben 90 Legehennen in einem Hühnerstall auf Rädern

Neben der Milchwirtschaft bildet die Direktvermarktung ein bedeutendes Standbein von Evelyn und Jürg Hebeisen. Eier, Fleisch und Süssmost in Bioqualität sind die wichtigsten Bereiche.
Martin Brunner
Die 90 Legehennen von Evelyn und Jürg Hebeisen leben in einem fahrbaren Stall. (Bild: Martin Brunner)

Die 90 Legehennen von Evelyn und Jürg Hebeisen leben in einem fahrbaren Stall. (Bild: Martin Brunner)

Bei der Suche nach der eigenen Betriebsausrichtung ist bei den Bauernfamilien in aller Regel Geschick und Durchhaltewille gefragt. Das war bei Evelyn und Jürg Hebeisen in Herisau nicht anders. «Als wir ab Januar 2001 den Hof von der Stiftung des ehemaligen Kinderheims pachten konnten, überlegten wir uns, wohin unsere Reise gehen soll», sagen die beiden. «Schnell war klar, dass wir neben den damals 16 Milchkühen ein weiteres Standbein aufbauen mussten.» Ziel war, ein Vollerwerbsbetrieb zu bleiben.

Bei einer Fläche von 17 Hektaren (heute 19) in Pacht war das jedoch nicht ganz einfach. Die Pensionspferde gaben zwar einen schönen Zustupf ins Portemonnaie. Ebenso nachhaltig war aber die Idee mit den Legehennen.

«Aus wirtschaftlichen Gründen baute ich 2003 auf einem alten Ladewagen selber einen Hühnerstall», erzählt Jürg Hebeisen.

«Speziell daran ist, dass er schon damals fahrbar war und heute mit seinen 90 Hühnern immer noch in Betrieb ist.» Der wirtschaftliche Erfolg blieb nicht aus. Die Eier waren und sind in der Direktvermarktung gefragt. Teilweise war Evelyn Hebeisen für die Auslieferung sogar in Herisau unterwegs.

Fleischproduktion lohnt sich

Wie bei den Legehennen standen auch bei der Fleischproduktion die Wirtschaftlichkeit und die Bewältigung der Arbeit durch das Betriebsleiterehepaar im Vordergrund. «Die Milchrassestierkälber mästen wir zum Teil selber», sagen die Hebeisens. «Daraus wird dann Kalbfleisch, oder wir behalten sie länger, bis sie als zweijährige Ochsen geschlachtet und als Rindfleisch vermarktet werden. Beides schätzen unsere Kunden.» Dazu kommen die 30 Mastschweine, von denen sie je nach Bedarf einige Tiere für die Direktvermarktung reservieren. Fehlen noch die 60 Hochstammobstbäume, die den Rohstoff für ihren Süssmost liefern. «Mit der Biomilch und der Direktvermarktung können wir nicht nur die Arbeit bewältigen. Sie bringen uns auch eine schöne Wertschöpfung.» Nicht zu vergessen: Jürg Hebeisen bewirtschaftet mit Begeisterung fünf Hektaren Wald. Ebenso grosse Freude hat er am nahen Bach, den er mit Ökostreifen zu einem Juwel gestaltet hat.

Wie engagiert die Hebeisens nach einer Lösung suchten, zeigt sich auch in all jenen Projekten, die sie anpackten, aber wieder aufgeben mussten. «Frisches Biogemüse wäre zwar eine Marktlücke gewesen», erzählen sie. «Doch wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Arbeitsbelastung zu hoch war.» Bei den Kartoffeln stellten sie fest, dass sich die Böden dafür nicht eignen. Stangenbohnen beziehungsweise gedörrte Bohnen scheiterten an der mangelnden Nachfrage.

«Trotzdem hat unsere Strategie funktioniert. Wir haben nach Lösungen gesucht, vieles ausprobiert und nur das behalten, was zu uns passt und möglich war.»

Wird eine spannende Idee auftauchen, so sind sie auch heute nicht abgeneigt, sie zu verfolgen.

Vier Söhne und eine Frau helfen mit

Fehlt noch die restliche Familie vor allem die vier Söhne: Joël ist Forstwart, Mischa Strassentransportfachmann. Jonas besucht die 8. Klasse und Yamin die 5. Klasse. Und seit bald zwei Jahren arbeitet eine junge Frau auf dem Hof, die zwar 100 Prozent IV bezieht, der aber dieser Arbeitsplatz eine sinnvolle Tagesstruktur ermöglicht. Sie arbeitet nach ihren Möglichkeiten stundenweise und erhält auch ein kleines Taschengeld.

Seit dem Jahr 2001 in Pacht

Jürg Hebeisen hat sich vor 22 Jahren als Emmentaler für die Stelle des Meisterknechts auf dem Betrieb des Kinderheims Wiesen, Herisau, der Stiftung Gotthilft in Zizers beworben. «Ziemlich überrascht waren meine Frau und ich, als wir diese Stelle tatsächlich angeboten bekamen», sagt das Paar. «Vier Jahre lang funktionierte dies in Zusammenarbeit mit dem Kinderheim bestens.» Als sich dann auf Anfang 2001 die Möglichkeit bot, den Betrieb zu pachten, stand ein schwieriger Entscheid an. Denn bei einer Zusage war klar, dass sie weit weg von ihren Wurzeln leben würden. Das war insofern wichtig, weil sie nicht auf die Mithilfe ihrer Eltern zählen konnten. Sie mussten den Betrieb also so ausrichten, dass die Arbeit von zwei Personen zu bewältigen war. Kam dazu, dass Jürg Hebeisen bis zur Schliessung des Kinderheims im Jahr 2011 zu 20 Prozent im Heim angestellt war, um Kinder und Jugendliche in der Landwirtschaft sinnvoll zu beschäftigen. (mbr)

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