«Ein Haus, das lebt und atmet»

Im Gebiet Mohren der Gemeinde Reute entsteht derzeit ein Haus, das äusserlich einem Appenzellerhaus entspricht, dessen Hülle jedoch energetische Besonderheiten aufweist.

Roger Fuchs
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REUTE. Modernes Wohnen und ökologische Energiegewinnung sind keine Gegensätze. Ein neues Appenzellerhaus, das derzeit in Reute anstelle eines 2007 abgebrannten Objektes entsteht, vereint genau diese beiden Aspekte. Dies ganz zur Freude von Isabel Rohner und Uli Schläpfer, die nach der Fertigstellung mit ihrer Familie darin wohnen und mit Holz aus eigenem Wald heizen werden.

Wenig Technik

Der einfache rechteckige Grundriss und die steile Dachform entsprechen dem historischen Vorbild des Appenzellerhauses. Beim Energiekonzept wurde darauf geachtet, dass dieses möglichst ressourcenschonend ist und mit einem geringen Mass an Technik auskommt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die gegen Süden ausgerichtete und von durchgehenden Fensterreihen geprägte Hauptfassade. «Über diese Fassade wird Passiv-Sonnenenergie gewonnen, die dann mittels der Gebäudehülle optimiert wird», erklärt Bauleiter Robert Marte.

Konkret handelt es sich bei der von Marte erwähnten Gebäudehülle um eine Holzkonstruktion mit einer integrierten Hanf-Dämmung. Zusätzlich wird es im Gebäudeinnern eine Ausfachung aus Lehmziegeln und Lehmputz geben. Im Wissen um diesen Aufbau der Gebäudehülle vergleicht Robert Marte das Haus mit einem Organismus, der lebt und atmet. Im Winter wirke die Konstruktion wie ein schützendes Kleid vor der Kälte, sagt er. Im Sommer dagegen würden die Lehmziegel und der Lehmputz als Wärmespeicher funktionieren und dafür sorgen, dass das Gebäude nicht überhitze. Auch die Wandheizung ist in der Lehmverkleidung eingeputzt, so dass beim Heizen im Winter ebenfalls Wärme darin gespeichert und wieder abgegeben werden kann.

Sollte das Haus nach vielen Jahrzehnten einmal wieder abgebrochen werden, so ist der künftige Nutzer Uli Schläpfer überzeugt, dass auch in diesem Fall das neue Haus ökologisch vorbildlich sei. Holz könne verbrannt, Hanf kompostiert und Lehm wiederverwertet werden. «Es wird keinen Sondermüll geben», sagt Uli Schläpfer.

Geheizt werden wird das neue Haus ebenfalls mit Holz: Ein Kachelofen im Erdgeschoss wird im fertigen Haus das Herz des Gebäudes bilden und zur Heizung der Wohnräume eingesetzt werden. Die Warmwassergewinnung dagegen geschieht über eine Stückholzheizung.

Mit Software optimiert

Wie Barbara Jehle von der Herisauer Ingenieurgruppe sjb kempter fitze ag ausführt, ist das dem Haus zugrunde liegende Energiekonzept mit Hilfe der Gebäudesimulations-Software «AR innotech» optimiert worden. In Abhängigkeit der Gebäudegeometrie, des Klimas oder auch der Sonneneinstrahlung hätten auf diese Art und Weise diverse Varianten erprobt werden können. Dem neuen Haus attestiert sie geringe Heizkosten und eine angenehme Raumtemperatur trotz der grossen Fensterflächen.

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