Ein halbes Jahrhundert Kontinuität

Ein Blick in die jüngere Geschichte bringt Erstaunliches zutage. In den letzten 55 Jahren «regierten» mit Jakob Schönenberger, Beda Lengwiler und Christoph Häne lediglich drei Gemeindepräsidenten oder Ammänner die Gemeinde Kirchberg.

Beat Lanzendorfer
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KIRCHBERG. Die folgenden Zeilen befassen sich schwerpunktmässig mit Beda Lengwiler, Gemeindeammann von 1977 bis 1992. Im Gespräch mit dem 81-Jährigen legt dieser aber Wert darauf, dass sowohl sein Vorgänger, Jakob Schönenberger, Gemeindeammann von 1961 bis 1976, als auch sein Nachfolger, Christoph Häne, Gemeindepräsident seit 1993, entscheidend zur Entwicklung der Gemeinde Kirchberg beigetragen haben.

Aufgewachsen ist Beda Lengwiler als Bauernsohn in Waldkirch, wo er auch die Schule besuchte und nach dessen Abschluss im Betrieb des Vaters ein eineinhalbjähriges Praktikum absolvierte. «Ich wusste nicht, welchen Weg ich einschlagen sollte. Ich eignete mir bei der Arbeit auf dem Hof aber Wissen an, von dem ich auch Jahre später noch profitieren konnte.»

Rekrutenschule in Luziensteig

Als er die Möglichkeit erhielt, in seiner Wohngemeinde die Verwaltungslehre zu absolvieren, packte er die Chance beim Schopf. Anschliessend besuchte er die Rekrutenschule bei der Infanterie in Luziensteig. Zurück im zivilen Leben arbeitete er zuerst auf der Gemeindeverwaltung in Steinach (1953/54), bevor er von 1954 bis 1956 als Steuersekretär nach Mörschwil wechselte.

Dort lernte er seine spätere Ehefrau Theres kennen. Ihnen wurden vier Kinder geschenkt (zwei Mädchen, zwei Knaben) – mittlerweile sind sieben Enkel hinzugekommen.

Leben nimmt Wende

Nicht nur der Liebe wegen nimmt das Leben von Beda Lengwiler im Jahre 1956 eine entscheidende Wende. Anlässlich einer Hochzeit lernt er Franz Würth, Vater von Benedikt, jetziger St. Galler Regierungspräsident, und Thomas, heute Gemeindepräsident in Goldach, von 1989 bis 2001 mit demselben Amt in Bütschwil, kennen. Franz Würth ist Grundbuchverwalter in Gossau, sucht einen Mitarbeiter und engagiert Beda Lengwiler quasi vom Fleck weg.

«Obwohl ich keine Kenntnisse im Grundbuchwesen besass», meint er lachend. Dies änderte sich rasch. Auf dem Grundbuchamt in Gossau absolvierte er das erforderliche Praktikum mit gleichzeitigem intensivem Studium des Grundbuchrechtes und erwarb im Frühjahr 1957 das Grundbuchverwalter-Diplom. Die weitere Zusammenarbeit mit Franz Würth war leider nur von kurzer Dauer, weil dieser Ende 1957 als Gemeindeammann der Gemeinde Mörschwil gewählt wurde. Er trat das Amt am 1. Januar 1958 an und blieb der Gemeinde Mörschwil 33 Jahr treu, bis zu seiner Pensionierung 1991. Beda Lengwiler nutzte die Chance und wurde mit 24 Jahren als Chef des Gossauer Grundbuchamtes gewählt. «Es war eine spannende und sehr lehrreiche Zeit. Gossau war damals noch ein Dorf mit 7000 Einwohnern. Längst ist daraus eine Stadt mit 18 000 Einwohnern geworden. Ich konnte in jenen Jahren die autobahnbedingte Güterzusammenlegung mitgestalten. Die Planungen begannen Anfang der Sechzigerjahre. Der Baubeginn erfolgte 1964 und endete 1969 mit der Eröffnung der A1 des Teilstücks Wil–St. Gallen.»

Zweiter Impuls nebst der Gossauer Land-/Stadtentwicklung war die Politik. Mitte der Sechzigerjahre der CVP beigetreten, wurde er 1970 dessen Präsident in der Wohngemeinde. 1972 erhielten die Frauen in der Schweiz nationales Stimmrecht, im selben Jahr wählten die Stimmbürger des Bezirks Gossau Beda Lengwiler in den Kantonsrat. «Zweimal wurde ich wiedergewählt, auch dann, als ich 1977 nach Kirchberg umgezogen bin und das Amt des Gemeindeammanns übernahm.» Der Umzug hatte Gründe: Am 10. Dezember 1976 wurde von den Grundeigentümern die Durchführung der Gesamtmelioration Kirchberg beschlossen.

Ein Generationenprojekt

Die Realisierung dieses Generationenprojektes mit einem Kostenaufwand von rund 54 Millionen Franken für die Güterzusammenlegung, den Flur- und Waldstrassenbau, die wasserbaulichen und ökologischen Massnahmen erforderten von allen Ausführungsverantwortlichen einen enormen Einsatz. Beda Lengwiler, der sich durch seine beruflichen Erfahrungen in Gossau und seine spezifische Tätigkeit im Kantonsrat umfassende Kenntnisse im Bau-, Strassen-, Enteignungs- und Meliorationsrecht erworben hatte, fand hier einen Acker vor, der gepflügt sein wollte und dessen Bearbeitung sich über drei Jahrzehnte hinwegzog. «Die Doppelfunktion als Gemeindeammann und Mitarbeiter (Vizepräsident/Präsident) des Leitungsgremiums der Melioration war sehr anspruchsvoll und für die Realisierung von kommunalen Aufgaben sehr wertvoll», merkt er an. Und im gleichen Atemzug: «Ein wichtiger Wegbegleiter war Walter Keller, der als Grundbuchverwalter vollamtlich der Melioration zugeteilt war. Als gebürtiger Gähwiler hatte er Wissen von unschätzbarem Wert.»

Auf die wichtigsten Amtsgeschäfte angesprochen, kommt bei Beda Lengwiler wieder seine Vorliebe für Grund und Boden zum Vorschein. Klar erwähnt er die Vorteile, welche die Melioration und Güterzusammenlegung für die Landwirtschaft und die Gemeinde Kirchberg geschaffen haben. «Ohne dieses Werk wären die Mehrzweckgebäude in Bazenheid, Kirchberg und Gähwil, aber auch die Sportanlagen Sonnmatt-Kirchberg und Ifang-Bazenheid nicht in der heutigen Lage zu realisieren gewesen.» Planung und Realisierung des Betagtenheimes Sonnegrund, des Friedhofsgebäudes Kirchberg sowie der Ausbau der Wasserversorgung Iddaburg sind ebenso Produkte der Amtszeit Lengwilers. Zusammengefasst: In die Amtszeit von Beda Lengwiler gehen Entscheide, von denen die Bürger heute noch profitieren. Nicht umsonst gilt er als zielbewusster, engagierter Macher und Realisator. Mit 59 Jahren hat er die Führung der Gemeinde seinem Nachfolger Christoph Häne übergeben, um die Melioration zu Ende zu führen und den ZAB (Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid) als Verwaltungsratspräsident noch weitere fünf Jahre zu leiten sowie im Auftrag des Kantons und zahlreicher Gemeinden viele Wasserbau- und Strassenperimeter zu erarbeiten. Seit dem Abschluss der Melioration im Jahre 2009 geht es Beda Lengwiler etwas ruhiger an. Mittlerweile bald 82jährig, ist er geistig und körperlich äusserst robust. Dies zeigt sich daran, dass er Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen, so schildert, als seien sie gestern passiert, und diesen mühelos auch das richtige Jahr zuordnet. Um auch körperlich fit zu bleiben, unternimmt er tägliche Märsche in «seiner» Gemeinde Kirchberg.

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