Ein Gulasch schmeckt auch ohne Fleisch

Angetischt

Martin Knoepfel
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Thomas Jost. (Bild: Anina Rütsche)

Thomas Jost. (Bild: Anina Rütsche)

Das Toggenburg ist wohl nicht gerade eine Hochburg der Veganer. Dennoch bietet das Pop-up-Restaurant Krone am Obertorplatz in Lichtensteig seit zwei Wochen und sicher noch diese Woche vegane Gerichte an. Das «Toggenburger Tagblatt» machte am Freitag inkognito einen Versuch respektive Besuch in der «Krone».

Für den Autor – nicht aber für seine Begleiterin – war es die erste Begegnung mit der veganen Küche. Etwas vorweg: Beide haben das Experiment nicht nur überlebt, sie erhoben sich auch angenehm gesättigt vom Tisch. Der Autor probierte Samosa: Kartoffelstückchen an einer Currysauce in Blätterteig-Ravioli, dazu einen halben Teller gemischten Salats. Die Begleiterin entschied sich für ein Seitan-Gulasch mit Polenta.

Durchaus schmackhafte Gerichte

Beide Gerichte waren durchaus schmackhaft, und die Teller schön angerichtet. Die Wartezeit war mit einer Viertelstunde im Rahmen. Dem Curry hätte zwar etwas mehr Schärfe nicht geschadet. Auf der Polenta vermisste die Begleiterin den Käse, doch dieser ist halt nicht vegan! Mit Edelhefe könne man etwas Käseähnliches auf den Teller zaubern, wird Koch Thomas Jost später dazu sagen. Ob das Coca-Cola Zero ebenfalls als vegan durchgeht, soll hier offen bleiben. Milch enthält es sicher nicht. Die war dafür im Cappuccino respektive im Milchkaffee. Den Kaffee kann man aber auch mit Soja-Milch haben, wenn man das wünscht.

Viel war am Freitagmittag vergangener Woche in der «Krone» nicht los. Am Abend kämen mehr Gäste, sagte Thomas Jost den Vertretern der Zeitung. Der 45-Jährige stammt aus einer Wirtefamilie aus dem Engadin – was man nicht hört – und hat einst Konditor-Confiseur gelernt. Er wohnte drei Jahre in der Stadt St. Gallen und lebt heute mit seiner Familie in Bern. Seit gut zwei Jahren ernährt sich die ganze Familie vegan. Aus ethischen Gründen, wie Thomas Jost präzisiert. Mit der Zeit habe er gemerkt, dass die vegane Kost seinem Körper gut tue, ergänzt er.

Lichtensteiger sind experimentierfreudig

Die Galeristin Mirjam Hadorn habe ihn gefragt, ob er in der «Krone» kochen wolle, sagt Thomas Jost. Den Lichtensteigern attestiert er Experimentierfreude. Viele Gäste kämen aus Neugierde und seien dann erstaunt, dass vegane Gerichte kaum anders schmeckten als Speisen, die mit Milch und Fleisch zubereitet wurden, sagte er. An Stelle von Kuhmilch verwendet Thomas Jost Soja-Milch, da sie das kuhmilch-ähnlichste der Ersatzprodukte sei. Den veganen Blätterteig der Samosa habe er gekauft. Der Teig sei mit Pflanzenfett hergestellt, sagt Thomas Jost.

Die im Restaurant verwendeten Produkte stammen aus der Schweiz. Soja komme aus Wil und Tofu aus dem Zürcher Oberland, Seitan aus Frutigen im Berner Oberland und das Gemüse aus Ebnat-Kappel, sagt Thomas Jost. Die französische Sauce zum Salat sei mit eierloser Mayonnaise zubereitet, antwortete Thomas Jost der Begleiterin. Seitan ist ausgewaschenes und in einer Gemüsebouillon gekochtes Getreide, das in Bezug auf Konsistenz dem Fleisch erstaunlich nahe kommt.

Martin Knoepfel