Ein Grüngurt aus Walzenhausen startet bei Special Olympics in Abu Dhabi

Grosse Mission für Jonas Schmid: Der Walzenhauser startet an den Summer Games der Special Olympics. Diese werden vom 14. bis 21. März in Abu Dhabi ausgetragen. Es warten verschiedene Herausforderungen auf den 21-Jährigen.

Mea Mc Ghee
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Konzentrierte Trainingsarbeit: Jonas Schmid bereitet sich im Judo und Ju-Jitsu Club in Balgach auf die Special Olympics vor. (Bild: Mea Mc Ghee)

Konzentrierte Trainingsarbeit: Jonas Schmid bereitet sich im Judo und Ju-Jitsu Club in Balgach auf die Special Olympics vor. (Bild: Mea Mc Ghee)

Mitte Februar, Freitagabend, Trainingsraum des Judo & Ju-Jitsu Clubs Rheintal: Neun junge Frauen und Männer packen einander mit festem Griff, legen den Trainingspartner gekonnt auf den Rücken. Einige Paare üben den Bodenkampf. Diverse Laute der Sportler zeugen von Anstrengung und Konzentration.

94-köpfige Schweizer Delegation

Mit Eifer und Freude dabei: Jonas Schmid. Er trägt den grünen Gürtel. Aufnäher mit Schweizer Kreuzen auf den Schultern seines Judogis, der weissen Sportbekleidung, zeugen davon, dass der 21-jährige internationale Wettkämpfe bestreitet. Er bereitet sich vor auf die World Summer Games der Special Olympics in Abu Dhabi. Der Walzenhauser ist Teil der 94-köpfigen Schweizer Delegation.

Drei Judoka am Start

Jonas Schmid. (Bild: Mea Mc Ghee)

Jonas Schmid. (Bild: Mea Mc Ghee)

Sein Trainer Mario Bontognali hat sich um einen Platz bei den World Games beworben. Nach dem Zuspruch selektionierte er nebst Schmid dessen Trainingskollege Mike Reyes Candia (Balgach) und Markus Schaarschmidt (Wohlen) fürs Schweizer Judo-Team. Voraussetzungen waren unter anderem die Teilnahme an den nationalen Games sowie internationale Wettkampferfahrung. Zudem müssen die Athleten fähig sein, trotz ihrer Beeinträchtigung eine längere Zeit in fremder Umgebung zu verbringen. Für Jonas Schmid kein Problem: Er freut sich riesig, «auf die fremde Kultur, die Spezialitäten aus der Küche, die vielen anderen Sportler.» Eine Herausforderung sei es schon, so lange ohne Eltern zu sein. Mit im Gepäck daher ein Plüschbiber «als Glücksbringer».

Durch Arbeit an Muskelmasse zugelegt

«Ich bin ein eingefleischter Walzenhauser», sagt Jonas Schmid. Er war im Turnverein, spielte Unihockey, trainierte Schwimmen und war Mitglied der örtlichen Jugendfeuerwehr. Seit einigen Jahren konzentriert er sich aufs Judo. Seit 2015 arbeitet er im Reithof in der Rüti in Grub mit Pferden. Durch die körperlich anstrengende Arbeit habe er ziemlich Muskeln zugelegt, sagt er und schmunzelt. Die Judotrainings seien eine gute Abwechslung zur Arbeit.

Einmal pro Woche trainiert Schmid in Balgach. Seine Eltern übernehmen den Fahrdienst. Wie kam Jonas Schmid zum Judo? Früher hätten sich seine zwei älteren Geschwister für ihn gewehrt. Seit er als Teenager mit Judo begonnen habe, könne er dies selber tun. Die Mutter sagt:

«Durch den Sport hat Jonas an Selbstvertrauen gewonnen. Er ist offener, mutiger und selbständiger geworden.»

Coaches übernehmen die Einteilung in Levels

An den World Games starten die Judoka je nach Beeinträchtigung im Level 1 bis 5, wobei 1 das stärkste ist. Grösse, Gewicht, motorisches Verständnis und technisches Können spielen eine Rolle bei der Wettkampf-Einteilung. Jonas Schmid sei im Level drei oder vier einzustufen, so sein Trainer. Beim Sport sei sein Athlet sehr konzentriert und er arbeite an seinen Fähigkeiten. In Abu Dhabi werden die Judoka zunächst miteinander spielerische Trainings absolvieren. So können sich die Coaches ein Bild über das Niveau verschaffen und schauen, dass die Wettkampfeinteilung passt. Die Sicherheit der Athleten werde gross geschrieben, so Bontognali. Vor den unbekannten Gegnern zeigt Jonas Schmid Respekt. Denn wie es bei Titelkämpfen zu geht, weiss der Walzenhauser. 2014 startete er an den Eurospielen in Antwerpen.

Freitag, 8. März: Nach intensiver Vorbereitungszeit mit Trainingscamps reist die Schweizer Delegation ab nach Abu Dhabi. Das zweiwöchige Abenteuer Special Olympics beginnt. Speziell freut sich Jonas Schmid auf die Eröffnungsfeier mit Tänzen und Feuerwerk. Er sagt: «Die World Games werden ein einmaliges Erlebnis.»

Special Olympics

Special Olymics ist die weltweit grösste Sportbewegung für Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Beeinträchtigung. Die Organisation besteht seit 1968 und wurde 1988 vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Special Olympics Switzerland ist seit 1995 als Stiftung tätig. An den Summer World Games in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, werden vom 12. bis 24. März Wettkämpfe in 24 Sportarten ausgetragen. 170 Länder nehmen teil. 2500 Coaches betreuen die 7000 Sportlerinnen und Sportler. Es sind 20 000 Volunteers im Einsatz.