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Ein Goodbye nach 45 Jahren

Fredy Thalmann trat 1974 die Stelle als Finanzverwalter der Gemeinde Speicher an, und hatte sie bis zum heutigen Tag inne. Nun geht er in Pension. Worauf er sich am meisten freut? Endlich ohne Verantwortung zu sein.
Astrid Zysset
Finanzverwalter Fredy Thalmann an seinem Arbeitsplatz. Den muss er nun räumen. (Bild: Astrid Zysset)

Finanzverwalter Fredy Thalmann an seinem Arbeitsplatz. Den muss er nun räumen. (Bild: Astrid Zysset)

Die Unterschiede von den Anfangszeiten zu heute sind frappierend. «Damals waren wir auf der Gemeindeverwaltung zu viert», erinnert sich Finanzverwalter Fredy Thalmann. Es gab einen Mitarbeitenden im Zivilstandsamt, jemanden im Steueramt, einen Gemeindeschreiber und eben eine Person in der Finanzverwaltung. Die Gemeinde beschäftigte insgesamt 45 Angestellte, inklusive der Lehrkräfte. Heute sind es rund 150. «Die Organisation hat sich schon sehr verändert», resümiert Thalmann. Er hat das alles hautnah miterlebt. Seine Stelle trat er 1974 an. Nun, nach 45 Jahren, geht er in den Ruhestand.

Es seien «riesige Veränderungen», die seinen Alltag geprägt hatten. Kommissionsarbeit wurde anfangs noch freiwillig geleistet («es galt als Ehre»), die einzelnen Kommissionen erhielten jeweils einen Vorschuss durch die Finanzverwaltung, Rechnungen wurden per Hand ausgefüllt, abgerechnet wurde mit Bargeld. Nach der Ölkrise kam es zu mehreren Teuerungsausgleichen pro Jahr und die Digitalisierung respektive die Anschaffung der ersten Computer Ende der 80er-Jahre läutete grundlegende Veränderungen in den Abläufen ein.

Von Buchhaltung nicht viel Ahnung gehabt

Seinen Arbeitsbeginn umschreibt Thalmann als «Sprung in das kalte Wasser». Zuvor arbeitete er bei der kantonalen Militärdirektion in Herisau. Die Stelle als Finanzverwalter der Gemeinde Speicher beinhaltete damals auch die Leitung der Gemeinde-Zivilschutzstelle und das Sektionschefamt. Letzteres war ein Bereich, um welchen andere Mitarbeitende einen grossen Bogen machten, wie Thalmann später erfahren sollte. Viele externe Bewerbungen gab es, doch man bevorzugte einen der jüngsten, einen der Erfahrung in der militärischen Administration hatte. Für Thalmann war hingegen der Buchhaltungsbereich relativ neu. «Der Gemeindeschreiber musste mir anfangs tatkräftig helfen. Aber ich lernte schnell.»

Nächste Herausforderung: die Digitalisierung. Thalmann erinnert sich noch gut, wie er 1987 beim Gemeinderat das schriftliche Gesuch für den Kauf seines ersten Computers einreichte. Drei PCs – einer aus dem Einwohnermeldeamt, einer in der Steuerverwaltung und einen in der Buchhaltung – gab es damals erst. Thalmann besuchte zahlreiche Kurse. «So bin ich schrittweise in die Informatik reingekommen.» Er war in zahlreichen Arbeitsgruppen rund um die EDV aktiv. Bis vor zwei Jahren galt er zudem als Ansprechperson rund um die Informatik auf der Gemeindeverwaltung. Eine Aufgabe, die ihm immer grossen Spass gemacht habe, wie Thalmann sagt.

Schwierige Zeiten durchgemacht

Hand aufs Herz: Gab es in all den 45 Jahren nie den Moment, in welchem er sich nach einer neuen Stelle umsah? «Doch», sagt der Finanzverwalter. Es habe Differenzen gegeben, so wie halt in jedem Arbeitsumfeld, zuckt er mit den Schultern. Die Zusage für eine Anstellung als Revisor hatte er vorliegen, doch er unterschrieb nicht. «Eigentlich ist es doch schön hier auf der Gemeindeverwaltung gewesen. Darum blieb ich dann doch.»

Thalmann empfand seine Tätigkeit als Finanzverwalter spannend. «Ich wusste immer, was los war», sagt er lachend. Denn jede Rechnung lief über seinen Tisch. «Ich war sozusagen das Gewissen des Gemeinderates.» Finanziell schwierige Zeiten gab es auch für Speicher, obwohl sich Thalmann eine Weile besinnen muss, wann dies letztmals der Fall war. Zweimal in den letzten zehn Jahren kam es zu grossen Steuereinbrüchen. In den letzten fünf bis 15 Jahren war zudem die Investitionstätigkeit sehr hoch: Strassen, das Hallenbad, der Sportplatz wurden erstellt. «Wir waren dauernd irgendwo am Bauen», so Thalmann. Rund 30 Millionen Franken wurden investiert. Dies bei einem jährlichen Steuerertrag von 10 bis 12 Millionen Franken. 25 Millionen Franken Fremdkapital mussten aufgenommen werden. «Diese Summe sind wir nach wie vor am Abbauen. Das braucht Zeit.»

Endlich ohne Verpflichtung sein

Auf die Zeit nach seiner Pensionierung freut er sich. Die letzten Jahre musste er sich stark einschränken. Aufgrund der Budgetphase zwischen Mai und September konnte er meist nur im Frühling einzelne Wochen Ferien beziehen. Erst als Anfang dieses Jahres die Stelle an seine Nachfolgerin Andrea Huber vorzeitig übergeben wurde und er seitdem als stellvertretender Finanzverwalter fungiert, erfuhr Thalmann eine Entlastung. «Ich hatte ein tolles Einvernehmen mit Huber. Das genoss ich sehr. So kann ich auch mit einem lachenden Auge in die Pension gehen.» Nun will er seine Freizeit geniessen, sportlich aktiv sein, Freunde besuchen und einfach die Zeit geniessen, ohne Verpflichtung zu sein.

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