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Ein Gewerbler durch und durch wird den Grossen Rat präsidieren

Heute wird Franz Fässler vom Grossen Rat zum Präsidenten gewählt. Damit übernimmt ein Gewerbler, für den die Familie und das Geschäft immer Vorrang vor der Politik hatte. Ein Porträt.
Martin Schneider
Ein Wechsel in die nationale Politik kommt für Franz Fässler nicht in Frage. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Wechsel in die nationale Politik kommt für Franz Fässler nicht in Frage. (Bild: Benjamin Manser)

Familienvater und Ehemann, Metzger und erst dann Politiker. In dieser Reihenfolge und Priorität nennt Franz Fässler seine Engagements. Für jemanden, der die Politik als Letztes nennt und sagt, dass «die Familie und das Geschäft immer an oberster Stelle» und «die Politik relativ weit hinten» stand, hat es Franz Fässler auch politisch weit gebracht. Als bisheriger Vizepräsident des Grossen Rates wird er heute von diesem zum Präsidenten gewählt – immer vorausgesetzt, dass eine Überraschung ausbleibt.

Franz Fässler scheint schnell von einer Rolle in die andere wechseln zu können. Eben noch in seiner Metzgerei in Appenzell in Schürze angetroffen, wirft er sich kurzerhand in Schale und steht gleich danach vor dem Rathaus in Appenzell zum Fototermin bereit. Selbst als die Regentropfen sein Jacket immer nasser werden lassen hat er stets ein Lächeln im Gesicht.

Gegen zu viele Gesetze und für die Bildung

Lässt sich der angehende Grossratspräsident auch einmal aus der Ruhe bringen? «Bis es mich ‹verbutzt›, muss mich jemand schon äusserst hässig gemacht haben.» Deutlich und bestimmt könne er zwar sehr wohl werden, laut herumschreien sei aber definitiv nicht sein Stil. Ein ehemaliger Lehrling seiner Metzgerei brachte es anlässlich von Franz Fässlers Prämierung zum «Lehrmeister des Jahres 2015» auf den Punkt. «Franz schimpft nie. Man merkt aber schon, wenn ihm etwas nicht passt.»

In dieser Art und Weise hält es Fässler auch im Grossen Rat beim Politisieren. «Wenn mich etwas stört oder ich eine Meinung zu einem Thema habe, dann tue ich diese auch Kund.» Sein Credo laute aber immer, nur so viel zu sagen, wie nötig und sich nicht zu Allem und Jedem zu äussern. Als Präsident des Grossen Rates wird sich Franz Fässler denn auch weniger zu politischen Themen äussern können, bringt das Amt doch die Aufgabe der Sitzungsleitung sowie diverse repräsentative Verpflichtungen mit sich. In der Zeit als Vizepräsident habe er sich schon Gedanken darüber gemacht, wie es sein werde, wenn er ein Jahr lang «fast nichts» mehr sagen könne. Diese Sorge sei aber verflogen, sagt Fässler und fügt mit einem Lächeln an: «Der Grosse Rat ist erwachsen genug. Da kann ich auch einmal ein Jahr still sein.» Still war es um die Person von Franz Fässler in den letzten Jahren allerdings selten, dafür hat der 55-Jährige bereits zu viele Ämter und Aufgaben verschiedenster Art wahrgenommen. 1990 hat er zusammen mit seiner Ehefrau Margrit, mit welcher er bereits seit 1987 verheiratet ist und zwei Töchter und zwei Söhne hat, die Metzgerei seines Vaters übernommen. Von 2002 bis 2013 war er Bezirksrat, seit 2007 gehört er dem Grossen Rat an. Aktuell ist er stillstehender Bezirkshauptmann. Während zehn Jahre präsidierte Fässler den regionalen Metzgermeisterverband Appenzellerland. Seine politische Heimat sieht der gelernte Metzger ganz klar im kantonalen Gewerbeverband Appenzell Innerrhoden, dessen Präsident er von 2003 bis 2007 war. «Ich bin ein Gewerbler durch und durch», sagt er. Gegen zu viele Gesetze und Regulierungen setzt er sich zur Wehr. Zudem engagiert er sich stark für die Bildung. Die Frage, ob er sich vorstellen könnte, irgendwann einer Partei beizutreten, verneint er vehement. «Der Gewerbeverband ist für mich genau der richtige Ort und deckt ab, wofür ich stehe. Wir denken dort wirtschaftlich, christlich und sozial», so Fässler. Diese Vielfalt an politischen Meinungen schätze er, auf eine Parteilinie lasse er sich aber nicht fixieren.

Söhne sollen Metzgerei übernehmen

Fest steht für Fässler auch, dass er einen Sprung von der kantonalen in die nationale Politik nie vollziehen möchte. Nach seiner Ansicht spielt er dafür in einer zu tiefen Liga und sagt: «Man kann mit einem VW-Käfer ja auch kein Bergrennen gewinnen.» Fässler konzentriert sich auf sein bevorstehendes Jahr als Grossratspräsident. Vor diesem Amt habe er «grössten Respekt» und freue sich vor allem auf den Kontakt mit Menschen unterschiedlichster Art sowie darauf, den Kanton Appenzell Innerrhoden zu vertreten. Parallel dazu wird Franz Fässler auch weiterhin in der Metzgerei tätig sein. Nach ihm sollte die Doppelbelastung gut machbar sein. Dies aber auch nur, weil seine Eherfrau und die beiden Söhne stark im Geschäft eingebunden seien, betont Fässler. Auch gibt er immer mehr der geschäftlichen Verantwortung seinen beiden Söhnen ab, die in rund zwei Jahren den Betrieb übernehmen sollen.

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