Ein gefürchtetes Naturphänomen

L wie Laseyer – dieser regionale Wind im Gebiet Wasserauen erreicht Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Schwerwiegende Folgen kann er für die Appenzeller Bahnen haben. Zur Entstehung der starken Böen braucht es zwei Voraussetzungen.

Jesko Calderara
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Im Januar 2007 hob der «Laseyer» einen Steuer- und einen Personenwagen aus den Schienen. Ersterer hatte ein Gewicht von ungefähr 20 Tonnen. (Bild: Reto Martin)

Im Januar 2007 hob der «Laseyer» einen Steuer- und einen Personenwagen aus den Schienen. Ersterer hatte ein Gewicht von ungefähr 20 Tonnen. (Bild: Reto Martin)

WASSERAUEN. Er ist gefürchtet, kommt nur lokal vor und kann erhebliche Schäden verursachen: der «Laseyer». Damit ist ein Wind in der Region Wasserauen gemeint. «Er tritt bei bestimmten Wetterlagen auf und erreicht sehr hohe Geschwindigkeiten», sagt Joachim Schug von der MeteoGroup Schweiz AG in Appenzell. Der Laseyerwind könne insbesondere für die Appenzeller Bahnen ein grosses Problem werden. Als Voraussetzung für dieses Naturphänomen nennt Schug genügend Wind und eine perfekte Talgeometrie.

Waldgebiet unter der Alp Sigel

Seinen Namen hat der «Laseyer» vom gleichnamigen Waldgebiet zwischen der Sigelwand und Wasserauen. Vermutlich hat er ihn aufgrund seiner zahlreichen Runsen, den Erosionsschluchten, erhalten.

Der «Laseyer» ist ein sogenannter Rotorwind. Er entsteht, wenn der grossräumige West-/Nordwestwind im engen Tal bei Wasserauen auf die gerade Felswand unterhalb der Alp Sigel prallt und zu einem Ostwind umgelenkt wird. Letzterer könne Geschwindigkeiten von über 200 km/h erreichen, sagt Schug. Dabei werde eine riesige Menge Luft ins Tal geweht. Rotorwinde gibt es laut Schug auch in anderen Alpentälern der Schweiz. «Am markantesten treten sie jedoch im engen Tal von Wasserauen auf.»

Frühwarnsystem installiert

Regelmässig konfrontiert mit dem Laseyerwind sind die Appenzeller Bahnen. So hoben die starken Böen des Sturms Kyrill im Januar 2007 einen Steuer- und einen Personenwagen aus den Schienen. Anfang 2015 wurde ein im Bahnhof Wasserauen abgestellter historischer Wagen aus den Schienen gehoben. Als Vorsorge haben die AB verschiedene Vorsichtsmassnahmen getroffen. Das Unternehmen verfügt unter anderem über eine Windmessanlage im Bahnhof Wasserauen, welche bereits bei Windböen ab 50 km/h Alarm schlägt. «Unsere Betriebszentrale kontrolliert zudem mehrmals täglich die Windprognosen der Region», sagt Thomas Halter, Leiter Betrieb der AB. Die Sicherheit der Fahrgäste habe höchste Priorität. Sobald auf der Ebenalp Winde von über 70 km/h prognostiziert seien, werde der Bahnbetrieb zwischen Weissbad und Wasserauen eingestellt, sagt Halter. «Winde mit dieser Geschwindigkeit können im Tal Böen von bis zu 250 km/h auslösen.»

Bis zu 20 Unterbrüche pro Jahr

Auf der betreffenden Strecke stellen die Appenzeller Bahnen den Betrieb jährlich etwa 15- bis 20mal ein, wobei in dieser Zeit jeweils Busse verkehren. Die Unterbrüche sind vorwiegend im Frühjahr und Herbst. Oftmals müsste die Strecke nur für einige Stunden gesperrt werden, sagt Halter. «Ungefähr drei- bis viermal im Jahr verkehrt auf dem Streckenabschnitt nach Wasserauen während des ganzen Tages ein Busersatz.»