Viele Händler deklarieren falsch

Unter Schweizer Grillrosten glüht oft Holzkohle aus Tropenholz. Dem WWF ist dies ein Dorn im Auge.

Margrith Widmer
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Der WWF hat 2018 und 2019 verschiedene Grillkohlen getestet.

Der WWF hat 2018 und 2019 verschiedene Grillkohlen getestet.

Bild: Frank Reiser

Unter Schweizer Grillrosten glüht allzu oft Tropenholz aus Namibia. Das hat der WWF bereits nach einem Grillkohle-Test 2018 enthüllt. Zwei Jahre später sind die Produkte aber dennoch weiterhin im Handel.

Eine Landi im Appenzellerland bietet den «Testsieger» mit dem Namen «Holzkohle Grill Club» an. Die Kohle wird für ihre «sehr lange Glutdauer» für lange Grillabende angepriesen und besteht aus 100-Prozent-­Holzkohle aus Namibia. Der Hersteller schreibt: «Mit dieser Holzkohle unterstützen Sie Entbuschungsprojekte und die Biodiversität in Namibia.» Die Holzkohle besteht aus: Mopane, Akazie und diverse Holzarten.

Risiko für Illegalität und Raubbau

Der WWF ist anderer Ansicht: Er machte 2018 eine erste Marktanalyse zu Holzkohle – mit alarmierendem Ergebnis: «Fast jedes zweite Produkt enthielt Holz aus tropischen Wäldern. Zudem waren Herkunft und Holzart bei der Mehrheit der Produkte nicht transparent deklariert», so der WWF. Er testete deshalb 2019 nochmals: Für diesen Labortest hat der WWF 13 Produkte bei acht Detailhändlern eingekauft, die typischerweise Holzkohle und Holzbriketts anbieten: Aldi, Migros, Landi, Jumbo, Denner, Obi, Coop, Globus. Das Resultat: Weniger als die Hälfte (sechs von 13 und somit 46 Prozent) der getesteten Produkte waren richtig deklariert.

In zwei Produkten (über 15 Prozent) liessen sich weitestgehend tropische Holzarten nachweisen. Die beiden Produkte hatten keine Zertifizierung wie FSC, die durch zusätzliche Kontrollen eine legale und nachhaltige Waldbewirtschaftung garantiert. Nicht FSC-zertifiziertes Holz aus tropischen und subtropischen Regionen bedeutet normalerweise ein hohes Risiko für Illegalität und/oder Raubbau.

Mehr als 50 Prozent (rund 54 Prozent) der getesteten Produkte waren falsch oder nur teilweise richtig deklariert. Fast drei Viertel (über 70 Prozent) waren nicht zertifiziert. «Bei Produkten, deren Holz aus der Ukraine, Südafrika, Namibia oder Polen stammen, kann das Risiko der Illegalität und/oder des Raubbaus nicht ausgeschlossen werden», so der WWF.

Irreführung der Konsumenten

Unter Schweizer Grillrosten glüht also auch im Jahr 2020 immer noch Holz aus den Tropen oder den letzten Urwäldern Europas – allerdings tendenziell weniger als noch 2018. Von den 13 analysierten Holzkohlesäcken, die vergangene Jahre getestet wurden, bestanden zwei (15 Prozent) weitestgehend aus tropischen Holzarten. Die Herkunftsländer waren: Südafrika (ein Produkt von Landi), das zweite Produkt (Obi) kommt ohne Herkunftsangabe auf der Verpackung aus. Nach Angaben des Obi-Mitarbeiters stammt die Holzkohle aber aus Namibia. Beim Landi-Produkt «Barbecue Grill Club» sind die richtigen Holzarten deklariert worden. In diesem Fall sei aus Sicht des WWF aber sehr ärgerlich, dass Konsumentinnen und Konsumenten durch den Hinweis auf der Verpackung «Für diese Holzkohle wird kein Tropenholz verwendet» stark in die Irre geführt würden. «Akazie und Mopane wachsen in tropischen und subtropischen Regionen. Zusätzlich ist die deklarierte Holzherkunft nicht korrekt.»