Ein Fehler zieht den anderen nach

Gastbeitrag

Ralf Menet
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Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der letzten Monate innerhalb des Spitalverbundes AR (Svar) wurden immer wieder auch die Medien kritisiert. Zuletzt auch von Kantonsratskollege Markus Brönnimann in seinem Gastbeitrag vom 4. März. Wenn man die entscheidenden Abläufe im Zusammenhang mit dem Krankenversicherungsgesetz und die Folgen für Appenzell Ausserrhoden noch einmal aufrollt (Dossier auf <%LINK auto="true" href="http://www.ar.ch" text="www.ar.ch" class="more"%> ), muss man dies aus meiner Sicht aber anders beurteilen.

Bundesbern hat in seinen Entscheidungen zum KVG bereits vor Jahren bewusst in Kauf genommen und forciert, dass unrentable Landspitäler schliessen müssen. Dies um steigende Kosten im Gesundheitswesen zu bremsen und die Qualität zu steigern. Und was kümmerte das unseren Kanton? Man wollte schlauer sein als die Politiker in Bern und die Theoretiker in den Bundesämtern und produzierte neue Strategien. Bei der Swissair hiess sie Hunter-Strategie und die unsrige Svar. Zusätzlich hatte man im Januar 2012 die Hoffnung, einen Spitalverbund AI/AR einrichten zu können. Heute sehen wir: Das meiste war heisse Luft.

Die letzten Monate haben bewiesen, wie unfähig staatliche Konstrukte in Krisen sein können. Verantwortung ist nicht teilbar und Organe mit Schnittstellen bei Führung, Kompetenzen, Kommunikation, Aufsicht und Oberaufsicht bedeuten eine Verkomplizierung. Wenn alles läuft, dann läuft es – nicht aber in aussergewöhnlichen Situationen und Schwierigkeiten wie im aktuellen Fall Svar mit einer unzulänglichen Kommunikation. Der Staat ist ein Gebilde, welches auf fähige Köpfe in der Verwaltung und der Regierung angewiesen ist. Die Abläufe, die fehlende Strategie und vor allem die mangelhafte Kommunikation im Zusammenhang mit dem Svar lassen aber vermuten, dass nicht alle Akteure in unserem Kanton brilliant sind. Die letzte Medienmitteilung mit dem Titel «SVAR: Stärkung des Verbundes durch engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Akutspitälern» ist in der jetzigen Situation und mit dem heutigen Wissensstand ein weiteres tristes Kapitel auf Kosten von Mitarbeitern und Bevölkerung.

Die unbequemen Medien zu kritisieren, ist für Politiker in Schwierigkeiten eine logische Reaktion. Bereits beim griechischen Reiseautor Pausanias um 100 n. Chr. soll der Überbringer der schlechten Nachricht bestraft worden sein, genau so auch im Fall Svar, weshalb niemand offen und aufrichtig kommuniziert. Die Mitglieder des Kantonsrates werden seit längerem gebeten, die Emotionen in der Debatte tief zu halten, weil es doch um Vertrauen gehe. Die Regierungsratsmitglieder bitten um Geduld und äussern Durchhalteparolen und rutschen bei den Debatten immer weiter unter die ehrwürdigen Pulte. Sie widersprechen sich gegenseitig und einer schweigt auch mal wegen Emotionalität gänzlich. Der Kantonsrat bleibt hilflos zurück, schweigt und hofft, dass auch ihm kein Strick gedreht werden möge. «Die Zeitung ist schuld», ruft es daher aus dem Ratssaal, um die eigenen Fehler zu kaschieren. Wer will sich bei diesem emotionalen Thema auch exponieren? Ist die «Appenzeller Zeitung» schuld, dass sie besser über die Vorkommnisse informiert ist und die lausige Kommunikation kritisiert?

Die Politik ist in der Verantwortung, doch zu gross scheint bei vielen die Angst vor Konsequenzen zu sein; sie haben auch die Geschichte von Pausanias im Hinterkopf. Aber das macht die Situation für Mitarbeitende, Zulieferer und Patienten auch nicht besser und schürt weiter Verunsicherung. Ein Spital mit Abteilungen ohne Personal ist nicht überlebensfähig. Welche gut qualifizierten Fachleute wechseln in einen solchen Spitalverbund? Kommen die Chirurgen zurück? Ein einmal gefällter und schwerwiegender Entschluss wird von Ärzten sinnvollerweise nicht alle paar Minuten umgestossen, denn sonst würde bei Operationen tagelang lamentiert werden. Das ist auch der Unterschied zum Svar, der fast monatlich Neues ankündigt, das dann innert kurzer Zeit wieder umgestossen wird – und alles erst noch laienhaft kommuniziert. Die Akteure im Svar-Theater liefern ein Trauerspiel.

Die Lösungen aus dem Dilemma werden schmerzhaft sein. Die Distanzen zu St. Gallen und die Qualität werden den Ausschlag geben müssen. Es wird viele Steuergelder kosten, und wir werden Veränderungen erfahren. Dies mag schade sein, aber Appenzell Ausserrhoden hat bereits durch eigenes Versagen seine Kantonalbank versenkt und ohne Not die identitätsstiftende Landsgemeinde abgeschafft. Mit dem Svar wird ein weiteres, wohl eher unrühmliches Kapitel dazu kommen – nur wird es niemand kommunizieren.

Ralf Menet

redaktion@appenzellerzeitung.ch