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Ein fast vergessener Schatz

Im Schulhaus Kreuzweg wurde kürzlich gründlich aufgeräumt und dabei kamen stapelweise Schulwandbilder zu Tage. Diese haben Schulgeschichte geschrieben.
Gabriele Barbey
Pfahlbauer von Paul Eichenberger 1946. (Bild: Schulmuseum Bern)

Pfahlbauer von Paul Eichenberger 1946. (Bild: Schulmuseum Bern)

Sie riechen muffig, viele sind verfleckt und vergilbt, an den Rändern eingerissen, Antiquare würden von starken Gebrauchsspuren reden. Einige Bilder jedoch leuchten noch in unverbrauchter Frische. Dies zeigte sich bei der Durchsicht und Auswahl, welche die Schreibende im Schulhaus Kreuzweg machen durfte. Es sind schätzungsweise 250 Stück, was vermuten lässt, dass das Schulhaus die komplette Sammlung sämtlicher Schweizer Schulwandbilder besass. Alle Bilder sind hoch- oder querformatig, 65 x 90 Zentimeter, gedruckt auf starkes Papier, die Ränder mit Leinen verstärkt, mit zwei Ösen zum Aufhängen.

Gut möglich, dass sich ältere Zeitungslesende an gewisse Bilder aus ihrer Schulzeit erinnern: Fischerei am Bodensee (1938), Höhlenbewohner (1941), Pfahlbauer (1946), Söldnerzug, Wildheuen von Alois Carigiet, und immer wieder die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Die Geschichte des Schulwandbilds zeigt: Die frühesten, nicht religiösen Schulwandbilder waren Resultate der Aufklärung im 18. Jahrhundert; ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sie sich in Deutschland zu einem eigenständigen Lehrmittel. Die ersten durch und durch schweizerischen Schulwandbilder erschienen 1936, herausgegeben von der Kommission für interkantonale Schulfragen des Schweizerischen Lehrervereins. Sie zeigen exemplarisch, wie man sich als Nachbar des nationalsozialistischen Deutschen Reichs auf die Schweizer, sprich Bergler Wurzeln besann: Lawine und Steinschlag, Söldnerzug, Bergdohlen, Murmeltiere, Schuhmacherwerkstatt, Grosskraftwerk im Gebirge. Nur zögerlich wurden die Themen der sich wandelnden Nachkriegsgesellschaft angepasst. Natur und Geografie blieben dominant, hie und da machte man Abstecher in eine Reis- oder Kaffeeplantage der Kolonialzeit, in einen Meerhafen, in eine Moschee (1970). Ein paar Sujets gab es zu sozialen Themen: Gemeindeschwester, Spital, Arztpraxis – alle zwischen 1964 und 1990 veröffentlicht. Ab den 1980er-Jahren erschienen regelmässig Flugbilder von typischen Schweizer Kultur- und Verkehrslandschaften. Insgesamt war die Themenauswahl bunt gemischt, aus heutiger Sicht wirkt sie eher konzeptlos: Bürowelt (1993), Märchen (1995), und, thematisch, wie stilistisch auffallend, Drogen, 1992 vom Tessiner Künstler Nando Snozzi gestaltet. Dieses aussergewöhnliche Schulwandbild sieht fast neu aus; es scheint im Schulhaus Kreuzweg höchst selten eingesetzt worden zu sein. Verkauft wurden die Bilder seit Beginn von der Firma Ernst Ingold. Die letzten erschienen 1995. Aber seit den 1970er-Jahren war die hohe Zeit der Schulwandbilder vorbei – es war ein Format, das auch mit zeitgemässem Inhalt allmählich ältlich wirkte.

Lehrpersonen, die heute in ihrem Schulhaus noch Schulwandbilder finden, können nostalgische Blicke tun in eine vergangene, nicht digitalisierte Welt. Gestaltet wurden die Bilder von bekannten und weniger bekannten Kunstschaffenden aus allen vier Sprachregionen.

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