«Ein etwas anderer Unterricht»

Die Schüler der Wattwiler Kantiklasse 3N haben die aktuelle Ausgabe des Toggenburger Magazins mit ihren Ideen, Texten und Bildern bereichert. Jung, frech und hochinteressant ist das Ergebnis. Nicht alle Schüler könnten sich aber vorstellen, ihre Zukunft dem Journalismus zu widmen.

Nadine Rydzyk
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Geschafft – die jungen Schreiber und Fotografen freuen sich über die gelungene Darstellung ihrer Berichte. (Bild: Thomas Geissler)

Geschafft – die jungen Schreiber und Fotografen freuen sich über die gelungene Darstellung ihrer Berichte. (Bild: Thomas Geissler)

WATTWIL. Begleitet durch ihren Lehrer Marcel Lanz und Redaktorin Katja Nideröst haben die Schüler über die Kantonsschule und deren ehemalige Schüler geschrieben. Neben einem wahrhaften Eindruck vom journalistischen Berufsbild haben sie dabei ebenso viel über mediale Inhalte, wie auch über sich selbst gelernt.

Geglücktes Wagnis

Nach rund einem halben Jahr Vorarbeit ging es eine Woche ans intensive Recherchieren, Interviewen, Schreiben, Korrigieren und Fotografieren. Von der Ideenfindung bis zum fertigen Text und Bild waren die Schüler mit Biss und Freude dabei, wie Katja Nideröst wissen liess. Ein Eifer und Engagement, von dem nicht ohne Vorbehalte ausgegangen werden konnte. Für den Verlag war das Projekt auch ein Wagnis, das aber ein lohnendes Ergebnis hervor brachte. Das konnte auch Lehrer Marcel Lanz bestätigen, wusste er doch anfangs nicht, ob wirklich alles so glatt laufen würfe: «Ich war mir der Absturzgefahr eines solchen Projektes durchaus bewusst», blickt er zurück. «Diese Gelegenheit konnte ich aber nicht ungenutzt verstreichen lassen, denn im normalen Deutschunterricht ist es kaum möglich, eine Woche so intensiv an einem Text zu arbeiten.» Schliesslich zeigte sich aber schnell, dass die gesamte Klasse motiviert und engagiert dabei war. «Wir waren überrascht und begeistert von der Qualität der Texte und Bilder. Das hat uns beim Verlag viel Freude gemacht», formulierte Katja Nideröst ein Kompliment an die Schüler, die, auch wenn es schwierig wurde, dran geblieben sind und lesenswerte, informative und unterhaltsame Ergebnisse abgeliefert haben.

Tolle Teamarbeit

Hinter dem Projekt steckte die Idee, Kanti-Absolventen von denen porträtieren zu lassen, die ihnen am nächsten waren – ihren Nachfolgern auf dem Weg zur Matura. «Das Besondere ist, dass wir in diesem Heft nun auch 19 ganz unterschiedliche Stile vereint haben», freute sich Katja Nideröst anlässlich der offiziellen Übergabe der druckfrischen Magazine. Positiv bewerteten nicht zuletzt die Schüler selbst das Projekt. So waren sie von Beginn an geschlossen davon begeistert, diese Gelegenheit zu erhalten. «Das war einmal etwas anderes als der normale Unterricht», wurde da unverblümt zugegeben. Besonders gut hat beispielsweise Joel Lutz die Teamarbeit innerhalb der Klasse gefallen. «Wir haben unsere Texte gegenseitig korrigiert und wirklich als gesamte Gruppe zusammengearbeitet. Das war toll, denn man hat gemerkt, dass dabei etwas entsteht.» Auch beim Interview selbst habe er viel gelernt und Einblicke erhalten, die er sonst vielleicht nie gehabt hätte, erklärte der junge Mann aus Neu St. Johann.

Freud und Leid im Journalismus

Eine ganze Horde potenzieller junger Berufsjournalisten hat sich aber aus dem Projekt nicht ergeben. Denn die Schülerinnen und Schüler haben bei allem Spass an diesem Projekt auch schnell die Grenzen der Freuden in diesem Beruf entdeckt. «Ich hätte Angst, dass sich irgendwann jeder Text gleich liest und mir nichts mehr einfällt», formuliert Caroline Murer aus Rapperswil-Jona ihre Bedenken. «Spannend zu formulieren, war für mich die grösste Herausforderung.» Und Nicole Bernhardsgrütter aus Eschenbach ergänzt: «Ich fand es sehr schwierig, im Text dem Interviewten gerecht zu werden.» Ganz offen räumte auch Aurelia Forrer aus Wildhaus ein: «Das wäre kein Beruf für mich.» Der ständige Kontakt mit immer anderen Menschen, die vielen unterschiedlichen Themen, über die geschrieben werden muss, auch wenn man sich persönlich vielleicht gar nicht dafür interessiert – das alles begeisterte die junge Frau nicht. «Ich bin eher ein scheuer Typ und möchte lieber etwas Handwerkliches machen, wo ich weniger mit Leuten, dafür aber allein und konzentriert arbeiten kann. Das liegt mir mehr», weiss sie.

Joel Lutz hingegen könnte es sich durchaus vorstellen, einmal als Journalist zu arbeiten, auch wenn er eigentlich in die Richtung Design gehen will. Durch das Projekt erst auf das redaktionelle Arbeiten aufmerksam geworden ist auch Lisa Schmitt. «Eigentlich hatte ich im Sinn, etwas mit Biologie zu machen. Doch jetzt habe ich gemerkt, dass auch der Journalismus sehr interessant ist und mir das Schreiben liegt», berichtet sie.

Verändertes Leseverhalten

Mit dem Ergebnis der Mühen in Händen waren die Schüler alle sehr zufrieden. «Das Magazin ist sehr sympathisch gemacht. So toll habe ich es mir nicht vorgestellt», war Michelle Basler begeistert. Sie selbst hat für die Berichte fotografiert. Dabei konnte sie ihrem Hobby nachgehen und hat entsprechend Freude daran gehabt.

Katja Niderösts Wunsch, dass die Schüler nun alles, was sie in den Medien lesen, hören und sehen mit anderen Augen und Ohren wahrnehmen, wird sich sicher erfüllen. Dies war auch Marcel Lanz wichtig, der das Projekt nutzte, damit die Schüler als kritische und reflektierende Rezipienten aus dem Unterricht hervorgehen. Nicht zuletzt deshalb konnten sich auch seitens des Rektorates Martin Gauer und Johannes Horschik über diese Möglichkeit freuen, die der Klasse gegeben wurde. Und Lehrer Marcel Lanz ist sich nach diesem Experiment sicher: «Ich würde es mit der nächsten Klasse wieder versuchen.»