Ein eingebildeter Schachtdeckel

BRUNNADERN. Nach fast sechs Monaten Proben nun endlich die Premiere: Die Theatergruppe Brunnadern bringt heute abend den Dreiakter «s'Interview» auf die Bühne des Ankers. Die Premiere ist aber leider schon ausverkauft.

Michael Hug
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Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos: Peter Abderhalden, Martina Langenegger, Angela Thalmann und Ursula Mock sorgen im Theaterstück «s'Interview» für turbulente drei Stunden. (Bild: Michael Hug)

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos: Peter Abderhalden, Martina Langenegger, Angela Thalmann und Ursula Mock sorgen im Theaterstück «s'Interview» für turbulente drei Stunden. (Bild: Michael Hug)

BRUNNADERN. Soviel sei über das Stück verraten: Es gibt ein Happy-End. Ein glückliches Ende, man würde es kaum glauben nach drei Stunden Irrungen und Wirrungen im Büro der Frau Dr. Anne Zäch-Sulzer, ihres Zeichens Departements-Adjunktin von Regierungsrat Dr. Wolfgang Häberli. Diese Frau Doktor Zäch-Sulzer – die «zähe Sulzer» wie sie von ihrem Personal hinter geschlossenen Bürotüren genannt wird – ist wahrlich ein intellektueller Eisberg. «Ein eingebildeter Schachtdeckel» meint Reporter Jörg Gehrig (Ernst Knecht), der die Story seines Journalistenlebens wittert, als er zum Interview in der Adjunktin geladen wird.

Unterkühlte Chefin

Die unterkühlte Frau Dr. Zäch wird von Angela Thalmann dargestellt, zugleich spielt sie aber auch die Rolle der heiteren Archiv-Leiterin Heidi Peter. Eine Doppelrolle zweier weit voneinander entfernten Persönlichkeiten. Die eine wird vom Publikum schnell ins Herz geschlossen, die andere erreicht exakt das Gegenteil. Angela Thalmann wechselt zwischen ihnen leichtfüssig und glaubwürdig. Doch «s'Interview» gerät unter der Regie von Ruedi Näf nicht zu einem Solo einer einzigen Figur, sondern bringt ebenso die Charaktere, Lebens- und Karrierepläne der beteiligten Belegschaft sowie die Talente derer Darsteller zum Vorschein: Leo Pfiffner, Peter Abderhalden, Lea Blindenbacher, Martina Langenegger, Claudio Spiess und Ursula Mock.

Mitreissende Handlung

Doch es ist nicht nur der Handlungsstrang der Komödie des norddeutschen Autors Karlheinz Komm, der das Publikum mitreisst. Denn einerseits sind es auch die bekannten Gesichter der Brunnödliger Theatergruppe, die bereits zum fünftenmal ein Stücke auf die Bühne bringt. Das Ensemble und der Regisseur bringen viel Bühnenerfahrung mit, was die einzelnen Darsteller schnell glaubwürdig macht und über sich hinaus wachsen lässt. Komm's Komödie hält auch viel Polit-Satire und Volks-Moral bereit. Beeinflusst durch die Herkunft des Autors zwar, aber durchaus auch in hiesige Verhältnisse übertragbar. «Wir sind die Basis, wir haben den gesunden Menschenverstand noch beisammen im Gegensatz zu denen da oben», meint die Putzfrau und riskiert mit dem Abwart ein halsbrecherisches Tänzchen am Bühnenrand.

Auflösung verzögert sich

Drei Akte hat «s'Interview» und jeder dauert eine Stunde. Doch der Theaterabend wird ein kurzweiliger, weil die Auflösung der durch das ominöse Interview entstandenen Situation immer wieder durch neue Entwicklungen verhindert wird.

Musik zum Szenenwechsel

Lange Zeit sieht es aus, als ob «der Letzte von den Hunden gebissen wird» beziehungsweise der kleine Arbeiter wieder einmal für die Fehler der «Oberen» büssen muss. Doch erstens kommt es anders und zweitens soll dies hier nicht verraten werden. Erwähnt aber wird, dass Georges Meyer sowie Walter und Vreni Abderhalden mit schmissigen Melodien die Szenenübergänge anregen und dass 750 der 960 möglichen Eintritte bereits verkauft sind.