Ein Ei geht um die Welt

Zu den natürlichen Feinden des Huhns gehören der Fuchs, die Vogelgrippe, der Osterhase und nicht zuletzt südkoreanische Bobfahrer.

Alex Baumann
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Bild: Alex Baumann

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Zu den natürlichen Feinden des Huhns gehören der Fuchs, die Vogelgrippe, der Osterhase und nicht zuletzt südkoreanische Bobfahrer. Im Rudel organisiert erstürmen sie das Frühstücksbuffet und erobern im zähen Stellungskrieg den Eierkocher, welchen sie dann bis zum Kurzschluss mit ungeborenen Küken füttern. Dies inspirierte Ritter Knatterfels zur kühnen Tat, in einem unbemerkten Moment kurz vor Ende der Kochzeit die Eier im Wasser gegen frische aus dem Korb auszutauschen, um dann bei einem Tässchen Kaffee genüsslich das ergreifende Mimenspiel von Südkoreanern zu bestaunen, deren Gaumen – in falscher Erwartung – von rohen Eiern überrascht werden. Der Nordamerikaner hingegen zeigt ein gestörtes Verhältnis zum Ei als Ganzes und legt ein überaus dotterfeindliches Verhalten an den Tag. Wohl weniger aus militärhistorischen Ressentiments der Farbe Gelb gegenüber, als aus Angst vor einem heimtückischen Terroranschlag des Cholesterins auf die Blutfette. Ein Anschieber aus Übersee erzählte mir nicht ohne Stolz, dass er im zarten Alter von 32 Jahren sein erstes Eigelb verzehrte. Da kann man nur gratulieren und sich fragen, ob die Zeit, die er im Laufe seines Lebens für die Trennung von Eigelb und -weiss verwendet hat (während der Eier-Apartheid quasi), nicht ausgereicht hätte, um selbst Medizin zu studieren und von der Harmlosigkeit des Cholesterins aus der Nahrung zu erfahren. Solche Bedenken kennt der Brite nicht. Er ist vom ernährungsphysiologischen Wert des Kalziums überzeugt, weshalb er bisweilen im munteren Wettstreit das Ei samt Schale isst. Es wäre auch oberflächlich, das Ei auf seine inneren Werte zu reduzieren. Nicht nur beim Fleisch mögen es die Briten halt englisch. Tja, der Film «Cool Runnings» nahm es 1993 bereits vorweg; der Bobfahrer hat ein spezielles Verhältnis zum Ei.