Kommentar

Ein Dorf dreht sich im Kreis

In Teufen ist die Diskussion um eine Tunnellösung neu aufgeflammt. Eine Petition ist im Gange und eine Stimmrechtsbeschwerde gegen die vergangenen Abstimmung 2017 wurde eingereicht. Die Mittelländer Gemeinde scheint vom Tunnel einfach nicht loszukommen - ein Kommentar.

Astrid Zysset
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Bei einer Tunnellösung würde der Bahnhof Teufen tiefer gelegt und die Züge würden aus dem Ortsbild verschwinden. Bild: Ralph Ribi

Bei einer Tunnellösung würde der Bahnhof Teufen tiefer gelegt und die Züge würden aus dem Ortsbild verschwinden. Bild: Ralph Ribi

Es ist eine Grundsatzfrage, welche Teufen seit Jahrzehnten spaltet: Tunnel oder Doppelspur? Werden die Züge der Appenzeller Bahnen die Gemeinde unterirdisch passieren, oder wird sich die Bahn in den Strassenverkehr eingliedern? Eigentlich ist die Frage geklärt. Die Planung der Doppelspur läuft auf Hochtouren. Und doch soll sie nun gekippt werden. Eine Petition ist aktuell im Dorf im Gange, die einen Marschhalt verlangt und die Gemeinde dazu auffordert, verschiedene Varianten – darunter auch die Tunnellösung - erneut zu prüfen. Über 1000 Unterschriften sind bereits zusammengekommen. Vergangene Woche ging zudem eine Stimmrechtsbeschwerde beim Kanton gegen die Tunnelabstimmung 2017 ein. Sie soll für ungültig erklärt werden. Bei der Doppelspur würde der bei der Abstimmung propagierte beidseitige Velostreifen fehlen.

Astrid Zysset. Bild: Hanspeter Schiess

Astrid Zysset. Bild: Hanspeter Schiess

Die Ablehnung gegenüber dem Projekt Doppelspur scheint aktuell so gross wie noch nie. Ob der Tunnel die bessere Variante ist, um den Verkehr durch die Mittelländer Gemeinde zu regeln, sei dahingestellt. Nur ist es stossend, dasselbe Thema immer wieder zum Politikum zu machen und darüber abstimmen zu lassen. Rückblick: Bereits 1992, 2015 und 2017 wurde in Teufen über eine Tunnel-Variante an der Urne befunden. Jedes Mal verwarf die Bevölkerung das Begehren. Hauptargument dürfte wohl die Kostenfrage gewesen sein. Die Tunnel-Variante wurde in all ihren Ausführungen immer wesentlich teurer budgetiert als die Doppelspur. So wurden für den Lang- wie auch für den Kurztunnel in den jüngsten Abstimmungen mit Aufwendungen von 65 respektive 61 Millionen Franken gerechnet. Die Mehrkosten gegenüber der Doppelspur beliefen sich somit auf mindestens 25 Millionen Franken. Diese hätte die Gemeinde aufwerfen müssen. Die Finanzierung der Doppelspur wird zwischen Bund und Bahn geregelt, die Gemeinde beteiligt sich lediglich mit zweckgebundenen Ausgaben daran.

Trotzdem ist es die Kostenexplosion bei der Doppelspur, weswegen in Teufen die Tunneldiskussion nun neu aufgeflammt ist. Ein vorgeschobener Grund, da sich Teufen nur indirekt an den Mehrkosten beteiligen muss. Das Projekt wird über den Bahninfrastrukturfonds finanziert, in welchen alle Kantone jährlich Beiträge einzahlen. Was ist also die wahre Ursache, warum das projektierte Bauvorhaben verhindert werden soll? Eine grosse Rolle spielt die Angst vor der Bautätigkeit im Dorf. Die ist gross. Gewerbebetriebe befürchten einen erheblichen Einnahmenausfall, Verkehrsbehinderungen werden erwartet – und das über Monate. Dies abwenden zu wollen, ist verständlich. Doch leider kaum möglich. Unabhängig davon, ob die Doppelspur oder ein Tunnel realisiert wird, kommt es in nächster Zukunft zu Bauarbeiten: Werkleitungen müssen erneuert, die Bahnübergänge im Dorfkern gesichert werden. Die Sanierung der Hangbrücke würde ebenfalls folgen.

Mit der Stimmrechtsbeschwerde und der Petition wird versucht, etwas abzuwenden, was nicht abzuwenden ist. Teufen braucht eine neue Verkehrslösung – die aktuelle ist ein Sicherheitsrisiko. Und Bauarbeiten wird es geben. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Ein viertes Mal über einen Tunnel abstimmen zu lassen, kommt einer Zwängerei gleich. Vorwärts wird es so nie gehen.