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Rehetobel: Nach vielen Investitionen spart es sich nun glücklich

Rehetobel wird 350 Jahre alt: Doch wie lebt es sich eigentlich in der einstigen Vorderländer Vorzeigegemeinde?
Astrid Zysset
Nach dem Dorfbrand von 1890 wiederaufgebaut: die evangelisch-reformierte Kirche Rehetobel. Bild: Astrid Zysset

Nach dem Dorfbrand von 1890 wiederaufgebaut: die evangelisch-reformierte Kirche Rehetobel. Bild: Astrid Zysset

Sie ist der Blickfang des Dorfes: die evangelisch-reformierte Kirche. Dieses Bauwerk bildet aber nicht nur den Dorfmittelpunkt, sondern begründete 1669 auch die Anfänge der Gemeinde Rehetobel respektive die einstige Kirche, die an diesem Ort stand. Jene war ein Raub der Flammen geworden. In den Abendstunden des 21. Juni 1890 brach in einem benachbarten Haus ein Feuer aus. Die Flammen griffen auf die Kirche über, sodass nach kurzer Zeit der Turm «in einer Wolke sprühender Funken zusammenstürzte», wie es in der 1969 erschienenen «Geschichte der Gemeinde Rehetobel» geschrieben steht. Heute erinnert nichts mehr an die Katastrophe von damals. Zumindest fast nichts. Der opulente Baustil und die Höhe der Kirche, die 1892 eingeweiht wurde, prägen noch immer das Dorfbild. Heute gilt die Kirche als Schmuckstück, damals verursachte die pompöse Architektur hohe Kostenüberschreitungen. Unmut und Ärger im Dorf waren die Folge. Hauptmann Emil Bischofberger gab in seiner Einweihungsrede zu, dass die neue Kirche viel Geld gekostet habe. «Aber wo es sich, wie hier, um ein grosses, bleibendes Werk handle, dürfe man nicht klein fühlen und auch nicht kleinlich rechnen.»

Einziger Wunsch für die Zukunft: Ein minimales Wachstum

Heute, 350 Jahre später, feiert Rehetobel seine Entstehung. Festredner ist der seit rund drei Monaten amtierende Gemeindepräsident Urs Rohner. Der 59-Jährige ist in der Gemeinde aufgewachsen und findet nur lobende Worte für seine Heimat. «Hier herrscht ein besonderer Geist. Wir sind weltoffen, haben ein funktionierendes Vereinsleben, eine gute Infrastruktur und sind stolz auf unser Dorf.» Dass die Gemeinde mit 4,3 Einheiten einen der höchsten Steuerfusse des Kantons aufweist, sieht Rohner gelassen. Man habe in den letzten Jahrzehnten halt viel investiert im Hoch- wie auch Tiefbau sowie in das Schwimmbad. Die Verschuldung müsse nun abgebaut werden. Aktuell beträgt sie 3300 Franken pro Kopf. «Lange Zeit hatte man zuwenig investiert. Dass alles in jüngster Vergangenheit nachgeholt wurde, war finanztechnisch vielleicht nicht das klügste Vorgehen, doch wir bauen die Schulden sukzessive ab.» Allzu schnell wird das jedoch nicht gehen. Investitionen wie etwa die Sanierung des Gemeindezentrums stehen an. Rohner macht darum deutlich, dass eine Senkung des Steuerfusses nicht in Bälde in Aussicht gestellt wird. Aber investiert werde mit Bedacht. Jüngst wurde auch wieder eine Finanzkommission eingesetzt. Diese war sieben Jahre lang nicht mehr existent.

Rohners Wunsch für die Zukunft? «Rehetobel soll wachsen.» Nicht viel. Von 1750 Einwohner auf 1800. Um die Grünflächen zu bewahren, sähe dies Rohner im Rahmen einer inneren Verdichtung sowie bei den Baulandreserven. Generell macht er sich keine Sorgen um die Zukunft. Man sei auf gutem Wege. Er verweist auf das Gewerbe, das stetig wächst. Die Gastronomie war vor fünf Jahren am Boden, heute sind viele Restaurants wieder in Betrieb. Und im nächsten Jahr öffnet das Hotel«Dorfhuus zum Gupf» seine Tore, von welchem sich Rohner eine Ausstrahlung auf das gesamte Vorderland verspricht.

Gewerbevereinspräsident Rudolf Schmid spricht ebenfalls von einer hohen Lebensqualität, die es in Rehetobel gebe, schwärmt von der Lage, von dem guten Miteinander, und dass einzig ein moderates Wachstum angestrebt werden soll. Schmid selbst ist in Rehetobel aufgewachsen und kennt das Dorf gut. «Mir fällt aber wirklich nichts ein, worauf man den Finger legen sollte. Wir sind auf gutem Wege.» Auch Sarah Kohler, Präsidentin der Lesegesellschaft Dorf, lebt gerne in Rehetobel. Sie spricht von einer «gesunden Mischung zwischen aktiver Gemeinschaft und wunderbarem Erholungsraum», die vorherrsche. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass dem Kontakt zwischen Verwaltung und Einwohnern Sorge getragen wird. Eine aktive Information schaffe Verständnis.

Einer, der Rehetobel wie kein anderer kennt, ist Historiker Arthur Sturzenegger. Der 86-Jährige war in den 90er-Jahren Gemeindevizepräsident und schrieb an der «Geschichte der Gemeinde Rehetobel» mit. «Wir haben keine Lärmimmissionen, ein gutes Vereinsleben und eine intakte Infrastruktur – alles, was wir brauchen.»

Das heutige Rehetobel gehörte anfangs des 17. Jahrhunderts zusammen mit Wald zur sogenannten Rhode Trogen. Die Bewohner des Rechbergtobels mussten somit immer in das Trogner Kirchlein, um die Predigten wie auch Wahlen in die Räte vorzunehmen und um sich zu politischen Erlassen in Kenntnis setzen zu lassen. Ein beschwerlicher Weg. Bis zu eineinhalb Stunden dauerte der Fussmarsch – ein kräftezehrender Akt vor allem für geschwächte Personen. Die Idee einer eigenen Kirche schwelte schon lange. «Es entspricht einem Bedürfnis des Menschen, über das eigene Geschick bestimmen zu wollen», nennt Sturzenegger den damals wohl vordergründigen Beweggrund, auf die Unabhängigkeit zu pochen. Staat und Kirche waren miteinander verknüpft. Was die Räte beschlossen, wurde sonntäglich von der Kanzel dem Volk vorgelesen.

Nicht ohne Widerwillen bewilligte der Grosse Rat am 22. Oktober 1668 den Bau einer Kirche und somit die Abspaltung der «Gemeindt am Rechtobel» von der Rhode Trogen. Am 29. August 1669 wurde das Gotteshaus eingeweiht und sogleich am Folgetag eine Kirchhöri durchgeführt, an welcher der Pfarrer, Hauptleute und Räte gewählt wurden. Sie waren es fortan, die über die Zukunft der 600 bis 700 Einwohner bestimmten. Diese setzten sich aus Kleinbauern und Handwerkern zusammen, die in Bezirken ansässig waren. Einen Dorfkern gab es nicht. «Die Leute fanden in ihren Bezirken alles vor, was sie brauchten. Nicht selten verliessen sie diesen nur für den Besuch des Gottesdienstes. Sonst nie», so Sturzenegger. Finanziellen Zustupf erarbeiteten sich die Leute durch Heimarbeit in der Weberei und Stickerei. Sturzenegger spricht von einer Abhängigkeit zur Textilindustrie, die für Rehetobel in hohem Masse bestand. Ging es der Industrie schlecht, traf es die Bewohner hart. Florierte das Geschäft, wurde gebaut – in dem Ausmasse, in dem sich Rehetobel heute präsentiert.

Festwochenende steht an

Am Freitagabend, ab 17 Uhr, finden an unterschiedlichen Standorten sogenannte Kellerfeste mit Livemusik statt. Am Samstag beginnt ab 14 Uhr das Jahrgängertreffen auf dem Vorplatz des Mehrzweckgebäudes. Um 18 Uhr öffnen sich dort die Türen für das Jubiläumsdinner. Dieses dauert bis 19.30 Uhr. Um 20 Uhr beginnen die diversen Festansprachen, und ab 22 Uhr wird zur Party geladen. Am Sonntag um 9.30 Uhr wird der Festgottesdienst in der evangelischen Kirche durchgeführt. Anschliessend organisieren die Landfrauen einen Brunch vor dem Mehrzweckgebäude. Dieser dauert bis 13 Uhr. (pd)

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