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«Ein Budget ist notwendig»

Gerade mal zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung erstellen ein Budget. Weil die Übersicht über die eigenen Finanzen fehlt, habe man kein Geld und gerät in die Überschuldung, sagt Betreibungs- und Konkursbeamter Claudius Platzer.
Sparschweine sind eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Viel wichtiger aber ist es, ein Budget zu erstellen. (Bild: Trix Niederau)

Sparschweine sind eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Viel wichtiger aber ist es, ein Budget zu erstellen. (Bild: Trix Niederau)

Herr Platzer, wieso hat man immer das Gefühl, zu wenig Geld zu haben?

Claudius Platzer: Weil man keine Übersicht über die eigenen Finanzen hat. Man weiss nicht, wohin das Geld eigentlich geht. Es gibt dazu einen guten Spruch: «Weisen sie ihrem Geld den Weg, anstatt sich zu wundern, wohin es gegangen ist.» Der grösste Teil der Menschen hat seine Finanzen nicht im Griff und lebt von der Hand in den Mund. Nicht mal zehn Prozent der Bevölkerung in der Schweiz machen einen Budgetplan.

Wer täglich arbeitet und keine Ahnung hat, wohin sein Geld geht, ist selbst für diesen Zustand verantwortlich.

Ist es sinnvoll, Anfang des Jahres einen Budgetplan für das ganze Jahr zu erstellen?

Platzer: Unbedingt. Ein Budget erstellt man von Januar bis Dezember. Dazu gehören die fixen wie auch die variablen Kosten. Eine Budgetführung ist heutzutage keine Sache mehr mit all den verschiedenen Computerprogrammen. Eine sehr gute Homepage ist www.budgetberatung.ch. Dort kann man Vorlagen herunterladen und muss nur noch die Zahlen einsetzen.

Welches sind die wichtigsten Punkte, die bei einer Budgetplanung beachtet werden müssen?

Platzer: Es ist wichtig, dass man sich Zeit nimmt und überlegt, für was man eigentlich sein Geld ausgibt.

Es stellt sich dabei die Frage, ob man das überhaupt alles braucht oder ob man da und dort Einsparungen machen kann. Man muss sein eigenes Konsumverhalten analysieren, sich selbst und seine Bedürfnisse kennen. Gerade Anfang Jahr kommen Kosten wie die Motorfahrzeugsteuern und -versicherungen, Steuern oder Nachzahlungen auf einen zu. Viele Leute haben diese Ausgaben nicht im Griff.

Sollte man jeden Tage jeden Posten aufschreiben, auch wenn es sich nur um ein Kaugummipäckli handelt?

Platzer: Das kann man machen. Aber es ist vielleicht doch ein bisschen zu kleinkariert. Man sollte sich selber ein Sackgeld zuweisen. Ausgaben für Kaugummis oder Zigaretten sollten aus diesem Geld bezahlt werden.

Gehen viele Posten vergessen?

Platzer: Ja, zum Beispiel Autoreparaturen oder Zahnarztrechnungen, Selbstbehalte etc. Dafür sollte man im Budget unbedingt Rückstellungen einplanen.

Kann man die variablen Kosten in einem groben Prozentsatz zusammenfassen?

Platzer: Die variablen Kosten sind sehr individuell. Trotzdem machen sie rund 60 Prozent des Budgetplans aus.

Wie spart man am besten sein Geld?

Platzer: Indem man sein Konsumverhalten genau überprüft und bewusst einkaufen geht. Man sollte immer einen Einkaufszettel dabei haben. Einkaufen am Abend, wenn man Hunger hat, macht keinen Sinn. Mit einem Zettel kauft man nur die Sachen, die wirklich benötigt werden.

Wichtig ist auch, sich Zeit zu lassen, um den Kauf zu überdenken, kritisch zu bleiben und ähnliche Produkte zu vergleichen.

Was macht man am besten mit dem gesparten Geld?

Platzer: Wir sind heute in der Situation, dass der grosse Teil der Bevölkerung gar nicht in der Lage ist, viel Geld zu sparen. Kommt man mit allem Geld über die Runde und leistet sich ab und zu Ferien, bleibt nicht mehr viel übrig. Ist dies doch der Fall, sollte man Rückstellungen für unvorhergesehene Ausgaben machen.

Bleibt auch dann noch etwas übrig, ist es in meinen Augen sehr wichtig, dass man in die Altersvorsorge investiert. Zum Beispiel in eine dritte Säule. Doch leider bleibt das für viele nur ein Wunschgedanke, die Lebensunterhaltskosten sind sehr hoch. Der Weg zur Überschuldung ist vielfach näher als der Weg zum Sparen.

Hat die Verschuldung in den letzten Jahren zugenommen?

Platzer: Die Verschuldung hat im allgemeinen sehr stark zugenommen. Das sehen wir auch anhand unserer ständig steigenden Fallzahlen.

Und davon sind alle betroffen?

Platzer: Ja, das kann jeden treffen. Es sind nicht nur die Workingpoors. Eine Überschuldung trifft auch gut verdienende Personen. Gerade für die ist es unheimlich wichtig, dass sie einen Budgetplan erstellen.

Welches sind die Gründe für die Überschuldung?

Platzer: Die Übersicht fehlt schlicht und einfach. Es muss nur etwas Unvorhergesehenes kommen, und schon ist man drin. Viele nehmen dann einen Kleinkredit auf. Doch bei der Aufnahme eines Kleinkredits ist der Weg in die Überschuldung vorgebahnt.

Bei Zinsen von 14 bis 15 Prozent kommt man nicht mehr raus.

Wie sieht es bei der Verschuldung von Jugendlichen aus?

Platzer: Bei der Jugend stellt man auch ein Wachstum der Überschuldung fest. Es ist erschreckend, wenn Minderjährige betrieben werden. Gründe sind das Natel oder auch Angebote im Internet. Gerade das Internet ist sehr gefährlich für Jugendliche. Zudem fahren sie auf der Konsumschiene und haben nicht gelernt, mit Geld umzugehen. Die Konsumsucht «Shoppen bis zur Pleite, heute kaufen – morgen zahlen» zieht weite Kreise.

Dies sowohl bei den Jugendlichen wie auch bei den Erwachsenen. Wer das will, hat jedoch auch die schmerzlichen Folgen zu tragen.

Ist es besser, eine 100-Franken-Note im Portemonnaie zu haben oder alles mit der Kreditkarte zu bezahlen?

Platzer: Ich persönlich finde die 100-Franken-Note besser, man hat die genauere Übersicht. Eine Kreditkarte ist quasi ein Freipass zum Geldausgeben. Führt man jedoch konsequent eine Kontrolle und ein Budget, ist die Kreditkarte keine schlechte Sache.

Kümmern sich eher Frauen oder Männer um ihr Budget?

Platzer: Erstaunlicherweise machen sich viel mehr Frauen Gedanken darüber. Bei den Männern scheint dies kein allzu grosses Thema zu sein. In der Schweiz ist Geld nach wie vor ein Tabuthema, über das nicht gesprochen wird.

Interview: Markus Fässler

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