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Ein Bloch als «global talking stick»

Heute vor drei Jahren ersteigerten Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger das Urnäscher Bloch. Gossolt und Hedinger alias das Künstlerduo Com&Com schickten ihr Bloch auf Weltreise, anstatt es zu Schindeln zu verarbeiten. Doch mit einem Baumstamm zu verreisen, ist teuer und umständlich.
Julia Nehmiz
Bloch als Laufsteg an der Shanghai Fashion Show im Februar 2013.

Bloch als Laufsteg an der Shanghai Fashion Show im Februar 2013.

Herr Gossolt, warum liegt denn Ihr Bloch vor dem Zeughaus Teufen?

Marcus Gossolt: Da muss ich ein wenig ausholen. Haben Sie Zeit?

Die habe ich.

Gossolt: Die erste Station unseres Blochs war St. Gallen. In der Kunstgiesserei stellten wir mit dem Bloch im Frühling 2012 Drucke her. Dann ging es nach Bern, wo wir uns in einer Zeremonie von der Schweiz verabschiedeten. Mit dem Transporter reiste das Bloch dann nach Berlin, das war die erste «richtige» Station. In Berlin hatten wir Künstlerinnen und Künstler eingeladen, mit Musik und Performances mit dem Bloch zu interagieren, wir organisierten Symposien, eine Abordnung der Urnäscher Blochgesellschaft reiste nach Berlin, um zu zäuerlen. Für neun der zehn Urnäscher war es die erste Auslandsreise überhaupt, es entstanden grossartige Begegnungen.

Von Berlin ging es nach China.

Gossolt: Nach einem Abstecher zu einem Symposium am Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe reiste das Bloch via Rotterdam nach China. Wir waren an die Shanghai Biennale eingeladen. Von dort sollte es weiter nach Japan und Singapur, doch leider mussten wir vorher China verlassen.

Warum denn das?

Gossolt: Das Bloch durfte sich nur in China aufhalten, solange die offizielle Einladung der Biennale galt. Wir hätten die Zeit bis zur Abreise nach Japan in Hongkong überbrücken können, aber das war schlicht zu teuer. Also entschlossen wir uns, das Bloch zurück nach Europa zu bringen. Ueli Vogt lud uns ein, das Bloch vor dem Zeughaus Teufen zu stationieren. Dort liegt es nicht nur herum, es ist ein aktiver Gast. Bei der Ausstellung «Bauernkunst? Appenzeller Möbelmalerei 1700 – 1860» wird es ein kleines Intermezzo des Blochs geben.

Wie wird das aussehen?

Gossolt: Ein Senntumsmaler ist seit Januar daran, zwei bis drei Bilder der Reise des Blochs zu gestalten. Sie werden Teil der Teufner Ausstellung.

Und das Bloch?

Gossolt: Das wird bald wieder verreisen. Noch bin ich dabei, die Bewilligungen zu organisieren, dabei kann man als Laie fast wahnsinnig werden. In China dachten wir kurz: «Lass uns das Bloch einfach verbrennen.» Aber irgendwie geht es immer. Am 25. April kommt der Lastwagen, dann geht's los Richtung North-Dakota. Dort reist es zu den Sioux-Indianern. Das gefällt uns, die Appenzeller nennt man auch Sioux.

Entschuldigen Sie, aber das Ganze klingt schon ein bisschen absurd.

Gossolt: Allerdings. Ein riesiger Aufwand für – auf den ersten Blick – nichts. Doch wenn man den Mehrwert nicht im Materiellen, sondern in der Sinnhaftigkeit sucht, ist das Gegenteil der Fall. Das Bloch gewinnt immer mehr an Bedeutung für die unterschiedlichen Kulturen dieser Welt. Es übernimmt die Rolle einer Kommunikations-Brücke. Der Kulturminister von North-Dakota hat den schönen Begriff geprägt vom Bloch als «global talking stick», globaler Redestab – das trifft es auf den Punkt. Die reine Theorie könnte das nie bewirken. Es braucht den physischen Baum, der dies auslösen kann. Man muss es tun. Deswegen wollen wir mit dem Bloch auf jeden Kontinent.

Das wird aber noch dauern, oder?

Gossolt: Ob drei oder fünf Jahre ist uns egal. Am Schluss soll das Bloch wieder an seinen Ursprungsort zurück, den Tellwald bei Urnäsch. Wir machen ein Fest und laden alle ein, die mit dem Bloch interagiert haben.

Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt haben das Bloch heute vor drei Jahren in Urnäsch ersteigert und auf Weltreise geschickt.

Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt haben das Bloch heute vor drei Jahren in Urnäsch ersteigert und auf Weltreise geschickt.

Winterlager vor dem Zeughaus Teufen, am 25. April geht's in die USA. (Bild: pd/com&com)

Winterlager vor dem Zeughaus Teufen, am 25. April geht's in die USA. (Bild: pd/com&com)

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