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Eine Bank, die aus Gemeinnützigkeit gegründet wurde

Vor ernstem Hintergrund ist die Ersparniskasse Speicher (EKS) 1819 entstanden. Mit heiterem Grundtenor hat sie das 200-Jahr-Jubiläum begangen.
Martin Hüsler
EKS-Geschäftsführer Dani Müller überreicht Philipp Langenegger als Dank für die gelungene Moderation des Jubiläumsanlasses einen Käse. Links Roger Greutmann, Präsident des EKS-Stiftungsrates. Bild: Leo Graf

EKS-Geschäftsführer Dani Müller überreicht Philipp Langenegger als Dank für die gelungene Moderation des Jubiläumsanlasses einen Käse. Links Roger Greutmann, Präsident des EKS-Stiftungsrates. Bild: Leo Graf


Das hätten sich Georg Leonhard Schläpfer und Johann Ulrich Zuberbühler wohl nicht träumen lassen, dass ihr Werk zwei Jahrhunderte überdauern würde – und auch nach so langer Zeit kaum Anzeichen erkennen lässt, in seinem Fortbestand gefährdet zu sein. Der Festanlass vom Freitagabend im Buchensaal, mit Wiederholung am Samstag, war im kurzen offiziellen Teil jedenfalls gekennzeichnet von etwelchem Zukunftsglauben. Und sähe man keine Perspektiven mehr für das Mini-Bankinstitut, hätte man im zweiten Teil des Abends der Heiterkeit wohl kaum so viel Platz eingeräumt.

Im Dienst der Dorfgemeinschaft

Schläpfer und Zuberbühler also waren es, die vor dem Hintergrund politischer Unstetigkeit und wirtschaftlicher Not ihrer Speicherer Mitbürgerschaft aus hochherzigem Denken heraus die Folgen von unverschuldeter Bedrängnis abmildern halfen und die erste Ersparniskasse im Appenzellerland gründeten. Damit eröffneten sie der Bevölkerung die Möglichkeit, Geld zinstragend anzulegen, auch wenn es zunächst kaum im Überfluss vorhanden gewesen sein kann. Schläpfer amtete als Kassier und haftete vollumfänglich für die Einlagen; Zuberbühler führte die Buchhaltung. Und beide verzichteten freiwillig auf eine Entschädigung für ihre Arbeit, wie in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der EKS festgehalten ist.

Am ältesten und am kleinsten

Auf den Kerngedanken der Gründer – Geld aus dem Dorf für das Dorf – wies Roger Greutmann, Präsident des fünfköpfigen Stiftungsrates, in seiner Kurzansprache hin. Mit einer Stiftung als Trägerschaft sei die älteste Bank im Kanton und die kleinste Bank in der Schweiz nicht zwingend gewinnorientiert. Die EKS halte einerseits die Tradition hoch, verschliesse sich andererseits aber auch der Moderne nicht, indem sie in diesen Tagen das E-Banking einführe.

Gemeindepräsident Paul König erinnerte unter anderem an die Rolle der Gemeinde. Ihr obliege seit 1906 die Oberaufsicht über die EKS, die eine wohltuende Alternative zu den Grossbanken darstelle. Die Bilanzsumme von rund 75 Mio. Franken im letzten Jahr reihe sich punkto Stabilität ein in die Ergebnisse der Vorjahre.

Ein seltsamer Bancomat

Nach dem von den Speicherer Landfrauen flott servierten Nachtessen nahm Schauspieler Philipp Langenegger aus Urnäsch für die Fortsetzung des Abends die Zügel in die Hand. Ihm zur Seite stand Knecht Franz, besser bekannt als Hans Sturzenegger am Hackbrett. Was die beiden im Zuge einer ziemlich turbulenten, weit in der Vergangenheit wurzelnden Geschichte – teils filmisch umgesetzt von der jungen Speicherer Gruppe Fresh Frames, teils gespielt von Mitgliedern des isaz-theaters Speicher – ans Tageslicht brachten, löste allgemeines Erstaunen aus: Die EKS darf für sich in Anspruch nehmen, als erstes Geldinstitut den Bancomaten in Gebrauch genommen zu haben.

Bis in die Gegenwart

Zu verdanken ist dies einem gewissen Ehepaar Krüsi, dessen männlicher Part Opfer einer regelrechten Käsegier geworden war. Er liess sich einen Tresor zur sicheren Käseaufbewahrung anfertigen, einen Käsomaten sozusagen. Nachdem die EKS per Volksentscheid gegründet worden war, vermachte Agnes Krüsi den Käsomaten der neuen Institution, die ihn zum Bancomaten umfunktionierte. Nicht vermeiden liess sich dabei, dass seine Vergangenheit olfaktorisch auf die Banknoten durchschlug. Im weiteren Verlauf der bis in die Gegenwart fortgespinnten Geschichte kam auch noch das Rezept der sagenumwobenen Kräutersulze ins Spiel, das EKS-Geschäftsführer Dani Müller – er steht just heute, am 1. April 2019, seit 28 Jahren im Dienste der EKS – bei einem Überfall vor dem Zugriff retten konnte. Für die musikalische Kulisse waren die drei Sonderegger-Schwestern alias The Collins sowie das Käsflade-Oktett des Musikvereins Speicher besorgt.

Den Ton nach all den Irrungen und Wirrungen gaben schliesslich Volksrocker Willy Tell und seine Partnerin Eveline aus dem Entlebuch an.

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