Ein Appenzeller…

Ein Appenzeller namens Hotz las früher oft die Werbespots für Kreuzschiffreisen in die Weite. Gespannt verschlang er jede Seite der bunt bebilderten Prospekte, was jeweils arges Fernweh weckte, doch stets liess Hotz die Pläne fahren.

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Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Ein Appenzeller namens Hotz

las früher oft die Werbespots

für Kreuzschiffreisen in die Weite.

Gespannt verschlang er jede Seite

der bunt bebilderten Prospekte,

was jeweils arges Fernweh weckte,

doch stets liess Hotz die Pläne fahren.

Wir müssen für das Alter sparen,

sprach er zum Ruthli, seiner Frau,

schön ist es auch in Herisau.

Erstaunt sah Hotz mit seiner Ruth,

wie flott der Nachbar Peter Gut

per Schiff in die Karibik fuhr,

oft mit dem Reisebüro Glur

nach Tromsö oder Hammerfest,

mit Twerenbold nach Budapest,

ja gar mit der Caribbean Star

nach Surinam und Sansibar.

Frau Hotz sprach dann jeweils zum Mann,

das rächt bei Guts sich irgendwann,

sie werden in den alten Tagen

dereinst am Hungertuche nagen.

Jüngst sind nun Hotz und Gut in Trogen

ins selbe Wohnheim eingezogen.

Die Guts sind völlig mittellos.

Für sie bezahlt ein Drittel bloss

die AHV, was Gut nicht peinlich,

denn unser Staat zeigt sich nicht kleinlich,

auch er steht für ein Drittel ein,

den Rest bezahlt ein Hilfsverein.

Schwärmt Gut jeweils beim Mittagsmahl

von Indien und dem Taj Mahal,

von Stränden und Korallenriffen,

spricht Hotz, von leisem Frust ergriffen,

zu seinem Ruthli, und wir Kälber

zahlen selber.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist

in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens…»,

Band 1 bis Band 3 sowie eine CD, sind im Buchhandel

oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich.

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