Ein Appenzeller…

Ein Appenzeller namens Klöti ging oft zur Zeit der Morgenröti hinaus zum Zweck der Vogelkunde. Er nahm auf seiner frühen Runde die Stimmen vieler Vögel wahr, sah Meise, Drossel, Fink und Star, ja gar mitunter den Pirol, das tat ihm in der Seele wohl,

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Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Ein Appenzeller namens Klöti

ging oft zur Zeit der Morgenröti

hinaus zum Zweck der Vogelkunde.

Er nahm auf seiner frühen Runde

die Stimmen vieler Vögel wahr,

sah Meise, Drossel, Fink und Star,

ja gar mitunter den Pirol,

das tat ihm in der Seele wohl,

und meist sah er zum Schluss beim Haus

ein Amselpaar mit Würmerschmaus,

das sich zum Nest im Giebel schwang,

woraus der Brut Geschrei erklang.

Doch was dem einen wohl gefällt,

wird oft von anderen vergällt,

und Klöti war nun leider eben

von Katzenfreunden rund umgeben.

Sein Nachbar hatte deren vier,

und es entfielen im Quartier

auf sieben Häuser dreizehn Katzen.

Des Klötis Kragen war am Platzen,

stiess er nach seinem Morgenbummel

im Garten auf den Katzenrummel,

der teils im Beet den Kot verscharrte,

teils auch der kleinen Amseln harrte

und jedes Vögelchen verzehrte,

das seiner Flugkunst noch entbehrte.

Nun sprach zum Nachbarn jüngst der Klöti,

wenn je sein Viech ein Vöglein töti,

so hole er den Karabiner

und schiesse scharf auf den Schlawiner.

Der Nachbar sagte, sei nicht stur,

so will es eben die Natur.

Drauf Klöti, zorngerötet schier,

doch dreizehn Katzen im Quartier

will die Natur aus meiner Sicht

sicher nicht.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist

in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens…»,

Band 1 bis Band 3 sowie eine CD, sind im Buchhandel

oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich.