Ein Appenzeller . . .

Der Gaiser Seppetoni Schüle war voll romantischer Gefühle. Sass er behaglich am Kamin und sah die Flammen lodernd ziehn, fand er in seinem Geist zurück zu altem Lagerfeuerglück, nahm die Gitarre aus dem Schrank und spielte auf der Ofenbank

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Der Gaiser Seppetoni Schüle

war voll romantischer Gefühle.

Sass er behaglich am Kamin

und sah die Flammen lodernd ziehn,

fand er in seinem Geist zurück

zu altem Lagerfeuerglück,

nahm die Gitarre aus dem Schrank

und spielte auf der Ofenbank

das Volkslied vom Zigeunerleben,

wo Menschen nicht nach Reichtum streben,

vielmehr im Moose schlafen dürfen

und Wasser von den Steinen schlürfen.

Oft sang dann auch die Gattin mit

von den Zigeunern, die zu dritt

zu ihrem Glück nichts weiter brauchen

als Schlaf, die Geige und das Rauchen.

Doch die Zigeunersympathie,

die Seppetoni Schmelz verlieh

in trauten Feierabendstunden,

war im Gemeinderat verschwunden.

Dem Rate lag der Antrag vor,

den Fahrenden im Hudelmoor

beim Depot für das alte Eisen

drei Trailerplätze anzuweisen.

Da sprach das Mitglied Seppetoni,

für Fahrende sei Berlusconi

der rechte Mann, was für uns heisse,

dass man sie aus dem Lande schmeisse.

Das Stehlen hätten sie im Blut,

dem Dorfe mache diese Brut

mit Nichtstun und mit Pumpen Schande,

Lumpenbande.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens . . .», Band 1 und Band 2, sind im Buchhandel oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich.

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