Ein Appenzeller . . .

Ein Appenzeller namens Spühler, der Leser ahnt es, kam aus Bühler, und wohnte daselbst in der Bleiche. Weil es dem Dorf zum Wohl gereiche, entschied sich der Gemeinderat, den schwer durchschaubaren Salat der Dorfquartiere aufzurühren

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Ein Appenzeller namens Spühler,

der Leser ahnt es, kam aus Bühler,

und wohnte daselbst in der Bleiche.

Weil es dem Dorf zum Wohl gereiche,

entschied sich der Gemeinderat,

den schwer durchschaubaren Salat

der Dorfquartiere aufzurühren

und Strassennamen einzuführen.

Man kündigte dem Spühler an,

als Anschrift habe er fortan

die Bleichestrasse statt der Bleiche.

Niemals, nur über meine Leiche,

rief Spühler, wir sind keine Stadt,

wo jede Strasse Tafeln hat.

Die Gattin aber widersprach.

Sie sehe hier kein Ungemach,

ob Bleichestrasse oder Bleiche,

das sei für sie doch fast das gleiche.

Der Gatte war verdutzt, ja baff,

und sprach zur Frau, sie sei ein Aff,

und solle in die Stadt abhauen,

statt hier das Dorfbild zu versauen.

Sie rief, sie sei schon bald so weit.

Die beiden hatten fortan Streit

und sind, denn es gab keinen Frieden,

jetzt geschieden.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens…», Band 1 bis Band 3, sind im Buchhandel oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich. Neu gibt es eine CD als Hörbuch mit einer Auswahl aus allen drei Bänden.