Ein Appenzeller . . .

Dem Appenzeller Kunz aus Reute geriet bei jeglichem Geläute das Blut im Leib sofort ins Stocken. Sei es der Klang von Herdenglocken, sei es dass Kirchturmglocken schallten, Kunz konnte nicht mehr an sich halten und wurde dunkelrot vor Wut,

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Dem Appenzeller Kunz aus Reute

geriet bei jeglichem Geläute

das Blut im Leib sofort ins Stocken.

Sei es der Klang von Herdenglocken,

sei es dass Kirchturmglocken schallten,

Kunz konnte nicht mehr an sich halten

und wurde dunkelrot vor Wut,

denn nicht nur stockte ihm das Blut,

vielmehr vibrierte von dem Lärm

sein ganzer Leib bis ins Gedärm,

weshalb, um vor den Vibrationen

den Leib in Zukunft zu verschonen,

er sich entschied, nunmehr sein Leben

dem Glockenkampfe hinzugeben.

Nun lag jedoch des Kunzen Haus

in Reute so weit nebenaus,

dass das Geläut vom Turm nicht störte,

weil man es nur von Ferne hörte,

und Kunz den Gang zum Richter scheute.

Aus diesem Grund zog er von Reute

nach Grub, wo er ein Häuschen nahm,

das seinem Zweck entgegenkam,

denn es lag kirchturmnah am Hang,

so dass der volle Glockenklang

direkt an seine Fenster schlug.

Der Pegel war nun hoch genug,

und Kunz zum Kampf legitimiert.

So lief der Streitfall wie geschmiert,

der Schall ward richterlich gedämpft,

und Kunz sprach, wer erfolgreich kämpft,

nimmt sicher auch die nächste Schwelle.

Es gibt noch eine böse Quelle

von zweikirchtürmigem Geläute,

das auf rund siebzigtausend Leute

eine extreme Wirkung hat,

inmitten unserer Gallusstadt,

und zwar eine enorm fatale,

die Kathedrale.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens…», Band 1 bis Band 3, sind im Buchhandel oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich. Neu gibt es eine CD als Hörbuch mit einer Auswahl aus allen drei Bänden.