Ein Ärztehaus anstelle der «Linde»

Der Gemeinderat Speicher orientiert an zwei öffentlichen Volksversammlungen über das Projekt einer Hausarzt-Gemeinschaftspraxis samt Wohnungen am Standort des einstigen Restaurants Linde.

Martin Hüsler
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So soll sich am jetzigen Standort der «Linde» das neue Gebäude mit der Gemeinschaftspraxis dereinst präsentieren. (Bild: Visualisierung: direco ag)

So soll sich am jetzigen Standort der «Linde» das neue Gebäude mit der Gemeinschaftspraxis dereinst präsentieren. (Bild: Visualisierung: direco ag)

SPEICHER. Wenn alles nach den Vorstellungen des Gemeinderates verläuft, soll Speicher im Herbst 2017 über eine Gemeinschaftspraxis mit drei bis vier Hausärzten verfügen. Über den Stand der Dinge orientierte Gemeindepräsident Peter Langenauer am letzten Montagnachmittag und -abend im Rahmen von zwei öffentlichen Volksversammlungen im Buchensaal.

Lange Vorgeschichte

2007 erwarb die Gemeinde Speicher die Liegenschaft «Linde». Den Kauf begründete der damals noch von Christian Breitenmoser geführte Gemeinderat unter Hinweis auf eine Stärkung des Dorfzentrums mit ortsplanerischen Überlegungen. Der Kaufpreise betrug 604 500 Franken und lag damit unterhalb der Limite für ein fakultatives Referendum, insofern also in gemeinderätlicher Kompetenz. Nun begann die Suche nach einer geeigneten Verwendung des Gebäudes. «In dem Zustand, wie sie sich präsentierte, war die <Linde> nicht mehr nutzbar», sagte Peter Langenauer, seit 2009 Gemeindepräsident, an der Volksversammlung.

Es folgte 2011 eine Umzonung der Liegenschaft in die Kernzone, damit ein angemessener Bebauungsspielraum sichergestellt werden konnte. In der Folge wurden diverse Projekte erwogen, die sich aber alle wieder zerschlugen. Ins Stocken kam auch das raumübergreifende Projekt «Tilia», welches das Post/Bank-Areal einbezogen hätte.

Hausärzte gehen in Pension

Immer stärker zu akzentuieren begann sich in Speicher unterdessen ein Problem mit den Hausärzten, indem die drei im Dorf praktizierenden Ärzte allmählich ans Pensionsalter heranrücken. Mittlerweile ist einer der Ärzte im Ruhestand. In dieser Situation nahm die Idee einer Gemeinschaftspraxis Form an. Man streckte die Fühler auch in Richtung Krankenversicherer aus, erhielt aber beispielsweise von der Swica abschlägigen Bescheid.

Bauprojekt erarbeitet

Nun kam die von ihrem Standort her für eine Gemeinschaftspraxis ideale «Linde» wieder ins Spiel. Mit der in St. Gallen domizilierten Avara Immobilien AG fand man eine Investorin, die auf die Intentionen des Gemeinderates einging und sich willens zeigte, die Liegenschaft zu erwerben. «Zur Verkaufsbedingung machten wir das Erstellen einer Gemeinschaftspraxis. Das wird vertraglich fixiert», erklärte Peter Langenauer. Im letzten Sommer lag ein erstes Projekt vor, ausgearbeitet vom Architekturbüro «direco ag architekten.realisierer» aus Rickenbach bei Wil unter Geschäftsführer Juerg Keel. Es erstellt auch die neue Berit-Klinik auf der Vögelinsegg. Dem Projekt erwuchsen aufgrund von bestehenden Dienstbarkeiten aber Einsprachen. Insbesondere besteht auf der Nordseite der Liegenschaft ein absolutes Bau- und Pflanzverbot. «Die Auflösung der Dienstbarkeiten wäre mit Blick auf die Kostenfolge nicht verantwortbar gewesen», hielt der Gemeindepräsident fest. Das Architekturbüro arbeitete hierauf ein redimensionierte zweites Bauprojekt aus. Es weist ein Stockwerk weniger auf und nimmt strikte Rücksicht auf die Auflagen.

«Keine Risiken mehr eingehen»

Mit der Avara AG als Investorin setzte man einen Verkaufspreis von 375 000 Franken fest, auch wenn der Schätzwert bei 475 000 Franken liegt. Der Gemeindepräsident räumte auf ein entsprechendes Votum ein, dass die Gemeinde keinen «Schick» mache. «Die Gemeinde zahlt mit der Ansetzung des Verkaufspreises und mit dem Verzicht auf ein Stockwerk ihren Obolus. Aber wir wollen keine Risiken mehr eingehen und keine weiteren Verzögerungen in Kauf nehmen.» Solche könnten sich allerdings wieder ergeben, untersteht das Geschäft doch dem fakultativen Referendum, weil es über der relevanten Grenze von 364 500 Franken liegt. Hiefür wären 50 Unterschriften nötig, die bis Mitte Dezember beigebracht werden müssten. Ohne ein Referendum könnte bei planmässigem Verlauf das Baugesuch im Januar 2016 eingereicht und die Baubewilligung im März 2016 erteilt werden. Baubeginn wäre im Herbst 2016, Bezug im Herbst 2017.