Ein Ärgernis

Brosmete

Richard Fischbacher
Drucken

Ein fünfjähriges Kind fragte mich im Zusammenhang mit der Zeitumstellung, ob die Sonne am vorletzten Sonntag eine Stunde lang angehalten werden musste, weil sie ja am Abend eine Stunde länger scheinen musste. Ääh, wie bitte? So abwegig allerdings ist die Frage aber nicht. Ich gebe es offen zu, die Zeitumstellung entpuppt sich für mich immer mehr als veritables Ärgernis. Ich mag mich noch gut erinnern: Es war 1981, als in der Schweiz zum ersten Mal die Sommerzeit eingeführt wurde. Damals lobte man die vor allem am Abend gewonnene Stunde, um den Feierabend länger an der Sonne geniessen zu können. Der primäre Zweck war nämlich, die Tageshelligkeit effizienter zu nutzen. Und es sollte weniger Energie für die Erzeugung künstlichen Lichts verbraucht werden. Dabei dachte man natürlich nur an den Menschen. Vergessen gingen zum Beispiel die Kühe, die nicht einfach morgens um fünf Uhr ihre Milch geben wollten.

Was ein angeblich geringerer Energieverbrauch betrifft, so kommt die Mehrheit aktuellerer Studien zu dem Ergebnis, dass durch die Umstellung keine Energie eingespart wird oder sogar ein erhöhter Energieverbrauch entsteht. Viel gewichtiger aber sind für mich die Aussagen von Wissenschaftern, wonach insbesondere Menschen, die ohnehin schon unter Schlafstörungen leiden, durch die beiden jährlichen Zeitumstellungen belastet werden. Erstaunlich: Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren brauchen bis zwei Wochen, bis sie sich wieder an den neuen Rhythmus gewöhnt haben. Dann kommt noch ein neuer Aspekt hinzu: Die Unfallhäufigkeit steige in der Zeit der Umstellung an. Dies sei aber mehr auf die Müdigkeit, welche die Zeitumstellung mit sich bringt, zurückzuführen und weil die Leute dann oft in Eile sind.

Ginge es nach mir, könnte mein Unwort «Zeitumstellung» schon lange abgeschafft sein. Nicht nur aus oben erwähnten Gründen. Auch deshalb, weil dann auch nicht mehr darüber nachgedacht werden müsste, die Sonne für eine Stunde anzuhalten.

Richard Fischbacher

Aktuelle Nachrichten