«Eigenständigkeit ist möglich»

Nach 100 Tagen im Amt als Gemeindepräsidentin von Lütisburg zieht Imelda Stadler eine erste positive Bilanz: Sie ist für die Zukunft der Gemeinde sehr zuversichtlich, die Chancen stünden gut für Steuersenkung und Schuldenabbau.

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Imelda Stadler: Seit 100 Tagen im Amt als Gemeindepräsidentin von Lütisburg. (Bild: mf)

Imelda Stadler: Seit 100 Tagen im Amt als Gemeindepräsidentin von Lütisburg. (Bild: mf)

Imelda Stadler, Sie sind seit 100 Tagen Präsidentin der Einwohnergemeinde Lütisburg. Haben Sie sich gut eingearbeitet?

Imelda Stadler: Ja, ich fühle mich wohl. Aber es waren in der Tat auch hundert arbeitsintensive und spannende Tage. Ich habe mich sehr schnell zurechtgefunden. Natürlich weiss ich noch lange nicht alles; das werde ich auch nie. In diesen drei Monaten haben wir auch zwei neue Mitarbeiterinnen eingestellt. Erstes Gebot war, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Einige Kompetenzen mussten neu geregelt werden.

Das Team ist sich am neu bilden. Ich bin aber nach wie vor begeistert, mit einem so jungen und dynamischen Team arbeiten zu dürfen.

Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Hans-Peter Eisenring, der das Amt als Vollzeitjob ausführte, belegen Sie es in einem 50-Prozent-Pensum. Ist dies nach den ersten Erfahrungen ausreichend, oder denken Sie über eine Erhöhung des Pensums nach?

Imelda Stadler: Es wird sich wohl einpendeln.

Die 50 Prozent sind sicher eher knapp bemessen, vor allem in der Anfangs- respektive Einarbeitungsphase. In den ersten Monaten finden sehr viele Gespräche statt. Auch Geschäfte, die zurückgestellt wurden, werden nun wieder aktiviert. Mein Vorgänger hatte noch Verwaltungsaufgaben inne. Ich konzentriere mich auf die strategische Ebene.

Praktisch zusammen mit Ihnen traten auch zwei neue Gemeinderäte ihr Amt an. Ist der neue Gemeinderat schon voll funktionsfähig, oder lastet noch viel Arbeit auf den Schultern der beiden bisherigen Gemeinderäte?

Imelda Stadler: Genau einen Monat später als ich, am 1. Mai, traten die beiden Neuen ihr Amt an. Sie sind sich nun ebenfalls am Einarbeiten. Wir haben die Gelegenheit genutzt und die Ressorts neu verteilt. Natürlich sind wir froh, wenn wir auf dem Wissen der Erfahrenen aufbauen können.

Aber manchmal schadet es auch nicht, wenn alles neu aufgegleist wird. Wir haben eine gute Stimmung. Dass wir nach aussen geschlossen auftreten, liegt mir am Herzen. Das gegenseitige Vertrauen ist schon mal da.

Unter Ihrem Vorgänger schien eine Fusion mit anderen Gemeinden kaum ein Thema zu sein. Ganterschwil und Bütschwil führen bereits Verhandlungen. Möchten Sie sich da anschliessen oder eher noch abwarten?

Imelda Stadler: Im Moment können wir uns auf keinen Fall anschliessen, dazu reicht die Zeit einfach nicht mehr. Wir wollen nichts überstürzen. Wir entscheiden das mit der Bevölkerung zusammen. Lütisburg muss aber nicht eigenständig bleiben.

In der Region sind Gemeindepräsidentinnen eine Ausnahme. Fühlen Sie sich akzeptiert oder begegnet man Ihnen mit Zurückhaltung?

Imelda Stadler: Die Bürgerinnen und Bürger begegnen mir gegenüber mit Respekt und Anstand. Erstaunlich viele Frauen haben in diesen ersten drei Monaten Rat gesucht. Ich fühle mich innerhalb der anderen Präsidenten gut integriert. Die Situation bin ich mir ja auch vom St. Galler Turnverband und anderen Gremien gewohnt und habe deswegen keine Berührungsängste.

Eine Person mit Ihren Qualifikationen hätte wohl in manch einer Gemeinde gute Wahlchancen gehabt. Wieso traten Sie genau in Lütisburg an?

Imelda Stadler: Ich hatte nie geplant, Gemeindepräsidentin zu werden. Alles ging relativ schnell, vom ersten Gedanken in diese Richtung bis zum Amtsantritt vergingen gerade mal vier Monate. Lütisburg ist die Nachbargemeinde meiner jetzigen Wohngemeinde, und da ich die Gegend und viele Leute kenne, sagte ich mir: Warum also in die Ferne schweifen, das Gute liegt doch oft so nah.

Wo sehen Sie die Gemeinde in fünf Jahren?

Imelda Stadler: Die Gemeinde hat gute Chancen sich weiterzuentwickeln, die Schulden und dann auch die Steuern zu senken. Lütisburg soll eine günstige Wohngemeinde mit KMU für Singles und Familien bleiben. Auch die guten Verkehrsanbindungen sind positiv für die Gemeinde. Das Projekt «Zukunft Lütisburg» wird wieder aufgegriffen. Ob wir in einem Fusionsprozess sein werden? Es ist möglich, muss aber nicht sein. Wenn die Gemeinde will, kann sie eigenständig bleiben.

Und wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Imelda Stadler: Ich habe noch nie eine politische Karriereplanung gemacht, es kommt sowieso immer anders, als man denkt oder plant. Ich habe immer betont, dass ich das Amt zwei, fünf oder zwölf Jahre ausüben kann. Ich bin offen für Neues. Es gibt immer wieder Anfragen.

Ist das aktuelle Amt für Sie als Politikerin eine Zwischenstation?

Imelda Stadler: Ich bin ja nicht nur Politikerin, die bin ich erst seit wenigen Jahren.

Wenn ich etwas anpacke, ist mein Einsatz immer 100 Prozent. Voraussetzung ist, dass ich mit gutem Gewissen hinter dem stehen kann, was ich mache. Viele Abschnitte im Leben sind eine Zwischenstation. Ich habe noch keine weiteren Schritte geplant. Aber ich lebe nach dem Motto: «Sag niemals nie»

Interview: Mario Fuchs

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