Eiertanz

Viele «Hunde» im Sinne von Vertretern von Einzelinteressen waren bei der Beratung des Baugesetzes beinahe des Hasen Tod. Mit Hängen und Würgen trat der Rat überhaupt erst auf das Geschäft ein, brach aber in der Detailberatung mit der Mehrwertabschöpfung ein tragendes Element heraus.

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Viele «Hunde» im Sinne von Vertretern von Einzelinteressen waren bei der Beratung des Baugesetzes beinahe des Hasen Tod. Mit Hängen und Würgen trat der Rat überhaupt erst auf das Geschäft ein, brach aber in der Detailberatung mit der Mehrwertabschöpfung ein tragendes Element heraus. Dies, obwohl der Regierungsrat nach der nicht gerade verheissungsvollen Vernehmlassung bereits einen Kotau gemacht und den Abschöpfungssatz von 50 auf 30 Prozent gesenkt hatte. Immerhin hat die Ratsmehrheit die Chancen des Gesetzes an der Landsgemeinde wesentlich erhöht, aber ein Jahrhundertwerk legt man hier gewiss nicht vor, es verdient kaum mehr den Status einer Totalrevision.

Aber die Debatte war in Einzelpunkten interessant und notwendig. Allmählich ist den Innerrhodern zuletzt nämlich der Preis des Wachstums und des Wohlstands bewusst geworden, den sie in einer Art Euphorie, dass man, statt belächelt zu werden, plötzlich an der Spitze der Musik mitmarschiert, lange nicht wahrzunehmen schienen. Es geht um die Gratwanderung zwischen Entwicklung und Bewahrung der Identität und Natur, die in diesem kleinen Land ein ganz besonderes, ja unschätzbares Kapital ist. Mit jeder Steuergesetzesrevision, mit jedem Drehen an der Schraube des Standortwettbewerbs und eben auch mit manchem Bauprojekt zeigt sich die Gefährlichkeit dieses Eiertanzes auffälliger.

Da braucht es solche Diskussionen um Streusiedlungen, um Bauästhetik und «appenzellische Eigenart», auch wenn sich das schliesslich (noch) gar nicht in Gesetzesparagraphen niederschlägt. Hanspeter Strebel

hp.Strebel@appon.ch

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