Eiche erinnert an die Feier von 1913 in Wienacht-Tobel

Gerade wird die 500jährige Zugehörigkeit beider Appenzell zur Eidgenossenschaft gefeiert. Gefeiert wurde auch 1913, und in Wienacht-Tobel erinnert eine Zentenareiche an den vor 100 Jahren blühenden Kur- und Ferienort.

Peter Eggenberger
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WIENACHT-TOBEL. «Manch ein Zentenarbaum ist in fruchtbares Erdreich gesetzt worden zum Gedächtnis an das Jahr des Eintritts Appenzells in den eidgenössischen Bund. Sie mögen blühen und gedeihen und künftigen Geschlechtern Gruss aus entschwundenen Zeiten entbieten», schreibt der Chronist im appenzellischen Jahrbuch. Viele der so genannten Jahrhundertbäume sind in der Zwischenzeit wegen Überbauungen, neuer Strassen und gravierenden Unwetterschäden verschwunden. Nicht so in Wienacht-Tobel, wo der 1913 gepflanzte Baum an das vor hundert Jahren gefeierte Jubiläum erinnert.

Kur- und Ferienort

Der Baum ist aber auch Zeichen des damals blühenden Fremdenverkehrs im Weiler. Überschwenglich werden in der vor dem Ersten Weltkrieg erschienenen touristischen Broschüre Wienachts Vorzüge ins beste Licht gerückt: «Die hohe, freie und ruhige Lage, umgeben von üppigen Rasen und prächtigen Tannenwaldungen, mit milder, staubfreier, ozonreicher Luft und imposantem Blick auf einen Teil des Appenzeller Vorderlandes, auf das ganze Bodenseegebiet und die Rheintaler Alpen hinterlassen tiefe Eindrücke. Die staubfreie Höhenlage, das gesunde Klima und Ruhe erquicken unsere Gäste. Wienacht-Tobel bietet allen, die der Grossstadtluft entfliehen, Stärkung ihrer Nerven und Wiederbelebung einer heiteren Lebensauffassung…»

Hotels und Restaurants

Mit Stolz weist die Broschüre auf die beiden Grosshotels «Alpenblick» der Familie Bernhardsgrütter und «Landegg» der Familie Möhl hin. Ebenfalls Gästezimmer wiesen die Pension «Helvetia» (Pensionspreis 6 Franken pro Person und Tag), das Gasthaus «Post» und das Erholungsheim «Tanne» auf. Die Geschwister Sauter rufen sich mit dem Gasthaus und Pension «Schöne Aussicht» auf dem Aussichtspunkt Kapf in Erinnerung, und der «Felsenberg» von Edwin Sturzenegger führt die der Wirtschaft angegliederte Bäckerei ins Feld.

Wienacht statt Ungarn

Ist heute für viele von Zahnschmerzen geplagte Zeitgenossen Ungarn das Ziel, so war es 1913 Wienacht. Hier konnte der Ferienaufenthalt bestens mit einer Gebisssanierung kombiniert werden, und als Fachmann pries sich der in Amerika diplomierte Dr. med. dent. Hermann Fisch beim Bahnhof an, der eine schmerzlose Behandlung sämtlicher Zahnleiden zusicherte. Ja, 1913 stand Gästen und Einheimischen eine beeindruckende Vielfalt zur Verfügung, die wohl endgültig der Vergangenheit angehört.