Ehrenmeldung bei der Heim-Derniere: FC Herisau und Calcio Kreuzlingen trennen sich 0:0 

Ein kämpferisches Herisau holt gegen Aufsteiger Calcio Kreuzlingen in Unterzahl ein torloses Unentschieden. Zum Abstieg will sich der Verein aktuell noch nicht äussern.

Lukas Pfiffner
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Den Favoriten mit Erfolg bekämpft: Herisaus Mittelfeldspieler Florian Höhener (rechts) gegen den Kreuzlinger Jusuf Shala. (Bild: Lukas Pfiffner)

Den Favoriten mit Erfolg bekämpft: Herisaus Mittelfeldspieler Florian Höhener (rechts) gegen den Kreuzlinger Jusuf Shala. (Bild: Lukas Pfiffner)

Fast 16 Jahre sind es her, da spielt der FC Herisau vor 3000 Zuschauern gegen den FC Zürich. Er schlägt sich im Schweizer Cup beim 2:4 beachtlich. Oliver Lapcevic gehört zu den Ausserrhoder Torschützen. Er ist als Aktiver längst zurückgetreten, seit 2017 Assistenztrainer bei Calcio Kreuzlingen. «Das macht Spass.» Die Thurgauer treten als ungeschlagener Tabellenführer an. Sie bleiben es in der zweitletzten 2.-Liga-Runde. Die Herisauer bejubeln jeden gewonnenen Zweikampf und freuen sich über den Punkt, der einer Ehrenmeldung gleichkommt.

Die beiden Trainer Domenico Troccoli und David Fall verfolgen das Spiel auf dem engen Kreckel-Rasen praktisch Schulter an Schulter. Der eine gratuliert dem anderen zum Aufstieg, der andere dem einen zum unerwarteten Zähler. Auch Oliver Lapcevic verabschiedet sich: «Bis bald.» Die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen könnte freilich länger dauern. Virtuell gehört an diesem Pfingstsamstag Calcio Kreuzlingen der 2. Liga interregional an und Herisau der 3. Liga.

Der Captain als Symbol

Zwei Stunden zuvor. Luca Keller kommt an Krücken. Irgendwie steht er damit als Symbol für die erste Mannschaft. Er hat im Training eine Fussverletzung erlitten. Die Wunde verunmöglicht einen Einsatz im letzten Heimspiel der Saison. Der Antreiber und Captain weiss, dass sich Herisau in jüngster Vergangenheit mehr als einmal noch hat retten können. «Jetzt waren wir wohl einfach einmal fällig. Es hat sich abgezeichnet.»

Überraschen kann der Abstieg nach diesem desaströsen Frühling niemanden. «Weh tut er trotzdem», sagt Domenico Troccoli. Präsident Rocco Lavanga möchte sich noch nicht über die Perspektiven des FC Herisau äussern. «Am Mittwoch haben wir Vorstandssitzung, an der die Situation analysiert und die Zukunft besprochen wird.» Dass sich Keller mit 29 Jahren den Senioren anschliesst, steht schon länger fest und hat mit dem Abstieg nichts zu tun. «Ich habe in der Rückrunde ja auch schon ab und zu gefehlt wegen beruflicher Verpflichtungen.»

Calcio Kreuzlingen hat als einsamer Leader 73 Tore erzielt. Gegen Wattwil in einer einzigen Partie einmal zehn. Gegen die drei Letzten Uzwil, Bischofszell und Herisau in fünf Spielen 24. Und diesmal? Nach dem 2:8 in Sirnach und der Vollzugsmeldung in Sachen Relegation sei die Partie eine Charaktersache, sagt Herisaus Trainer. Früh trifft Sumelka mit einem Kopfball die Latte. Spät schlägt Wieland einen Ball von der Linie. Dreimal wehrt Goalie Steiner spektakulär ab. Zweimal kommt der Ball zwar im Herisauer Tor unter: Zuerst ist der Ball vom Schiedsrichter nicht freigegeben worden, dann liegt eine Offsideposition vor. Der eingewechselte Ouechtati, fast im Tor postiert, setzt den Ball neben den Pfosten (85.).

Zuerst Fünfer-, dann Viererkette

Die Ausserrhoder kämpfen vehement. Erstmals sind sie mit einer Fünferabwehr in eine Partie gestiegen. Nicht nur als Reaktion auf die acht Gegentore in der Vorwoche, sondern auch, um diese Variante im Hinblick auf die Zukunft anzuschauen, wie der Trainer sagt. Aus der Fünfer- wird gegen Schluss eine Viererkette: Tasdelen, eine der zentralen Defensivfiguren, wird nach zwei Verwarnungen vom Platz verwiesen.

Herisau braucht in der letzten Viertelstunde Glück, um gegen die überlegenen Thurgauer das torlose Remis über die Distanz zu bringen. Einmal schnuppert es an einer Überraschung und der Gast an der ersten Saisonniederlage: Nach einer sehenswerten Direktkombination kommt Looser alleine zum Schuss, scheitert aber flach am Torhüter (54.)