Frauenstreik, Klimajugend, soziales Engagement: Die Gewinnerinnen des Prix Zora über ihre Motivation

Am Frauentag geben die Gewinnerinnen des Prix Zora Einblick in ihr Engagement.

Jesko Calderara
Merken
Drucken
Teilen
Mit dem Prix Zora ausgezeichnet wurden Margrit Wild, Sylvia Kaeser-Casutt, Irma Giovanoli, Paula Schindler und Annegret Wigger.

Mit dem Prix Zora ausgezeichnet wurden Margrit Wild, Sylvia Kaeser-Casutt, Irma Giovanoli, Paula Schindler und Annegret Wigger.

Bild: PD

Sie gehören unterschiedlichen Generationen an und setzen sich für die verschiedensten gesellschaftlichen Anliegen ein. Eines ist den fünf Frauen jedoch gemeinsam: Alle haben den diesjährigen Prix Zora der Ausserrhoder Frauenzentrale erhalten. Mit dem Preis soll das Wirken von Frauen sichtbar gemacht werden. Am gestrigen Internationalen Frauentag sprachen die Gewinnerinnen im Restaurant Bären Hundwil über ihre persönliche Motivation.

Die jüngste der Preisträgerinnen ist Paula Schindler. Die Herisauerin ist Mitbegründerin der Klimagruppe AR, eines rund 30-köpfigen Schülerkollektivs an der Kantonsschule Trogen. Sie setze sich aus Sorge über den Klimawandel für Veränderungen ein, sagte Schindler auf eine entsprechende Frage von Moderatorin Anita Keller. «Mit dem Prix Zora ausgezeichnet zu werden, ist ein schönes Gefühl.» Sie sei jedoch überrascht über diese Ehre. Schindler will sich auch künftig fürs Klima und Frauenrechte engagieren.

Anerkennung für den Frauenstreik

Eine stille Schafferin, die sich seit Jahren für ihre Mitmenschen einsetzt, ist Irma Giovanoli. Die frühere Heidler Gemeindeschwester kocht nach ihrer Pensionierung regelmässig für einen Rentner, sammelt Kleider für Rumänien, macht unentgeltliche Fusspflege, betreut eine Frau im Altersheim und begleitet Menschen in einer schwierigen Lebenssituation, etwa im Hospiz-Dienst. Auf diesen grossen ehrenamtlichen Einsatz angesprochen, zeigte sich Giovanoli im Gespräch bescheiden. Ihr Wissen als Krankenschwester wäre ohne die aufgezählten Aufgaben verloren gegangen, sagte sie.

Ebenfalls aus Heiden stammt Annegret Wigger. Die SP-Kantonsrätin hat am letztjährigen Frauenstreik zusammen mit Mitstreiterinnen in Trogen eine Kundgebung mit rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern organisiert. Wigger zog ein positives Fazit dieses Engagements: «Wenn Frauen zusammenstehen, können wir etwas erreichen.» Alle Generationen hätten erfreulicherweise den Streik mitgetragen. Der Kampf für Gleichstellung muss gemäss Wigger aber weitergehen. Sie rief die Anwesenden auf, sich in der institutionellen Politik zu engagieren. Um Gleichberechtigung zu erreichen, sei es wichtig, auch Männer als Verbündete zu gewinnen.

Ebenfalls mit dem Prix Zora geehrt wurde die in Speicher wohnhafte Sylvia Kaeser-Casutt. Ein Blick auf ihre Tätigkeiten zeigt, mit welch Tatendrang sie Neues anpackt. Unter anderem engagiert sich Kaeser-Casutt für Migrantinnen und Migranten, Kinder sowie Familien. Zudem gehört sie der Kommission Bau und Umwelt an und war massgeblich am Aufbau des «Haus zu Blume» beteiligt. Dieses Engagement gebe ihr Energie und Befriedigung, sagte Kaeser-Casutt.

Margrit Wild musste für Berufswunsch kämpfen

Die fünfte Preisträgerin ist ­Margrit Wild aus Stein, die seit 40 Jahren im Restaurant ­Ochsen wirtet. Von frühmorgens bis spätabends stehe sie für die ­Gäste und die Familie im Einsatz, erklärte Wild in der ­Gesprächsrunde. Eigentlich habe sie Handarbeitslehrerin lernen wollen, ihr Vater sei jedoch dagegen gewesen. Stattdessen hätte Wild gegen ihren Willen als Serviertochter arbeiten sollen. Letztlich lernte sie Schneiderin und heiratete später einen Mann, der ein Restaurant besass. Heute würde sie das Wirten aber vermissen, sagte Wild.