Ehemaliger Ausserrhoder Ständeratspräsident fängt von vorne an: Hans Altherr kandidiert für die GPK

Hans Altherr stellt sich in der Gemeinde Sennwald für einen Sitz in der Geschäftsprüfungskommission zur Verfügung.

Yann Lengacher
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Hans Altherr will mit 70 Jahren wieder in die Politik.

Hans Altherr will mit 70 Jahren wieder in die Politik.

Bild: PD

Als Alain Berset im Dezember 2011 zum ersten Mal als Bundesrat vereidigt wird, streckt er seine Hand zum Schwur gegenüber von Hans Altherr in die Höhe. Altherr leitet die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats damals als Ständeratspräsident. Ihm fällt diese Aufgabe zu, weil Nationalratspräsident Hansjörg Walter selbst für einen Bundesratssitz kandidiert und darum in den Ausstand tritt.

Die Bundesratswahl vor neun Jahren ist einer der Höhepunkte in Altherrs politischer Karriere. In dieser war der FDP-Mann nicht nur für Ausserrhoden Ständerat: Zuvor war er Gemeindepräsident, Kantons-, und Regierungsrat. Zwischen 2000 und 2003 war Altherr Ausserrhoder Landamman. 2015 zieht er sich aus der Politik zurück.

Jetzt gibt Altherr mit 70 Jahren ein kleines politisches Comeback: In Sennwald möchte er sich am 27. September im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen der Gemeinde in die Geschäftsprüfungskommission wählen lassen. GPK-Mitglied, das war Altherr noch nie. Einen Gegenkandidaten gibt es keinen. Doch weshalb drängt Altherr wieder in ein öffentliches Amt? «Ich finde, dass man als Bürger in einer Gesellschaft helfen sollte, wo man kann. Deswegen fühle ich mich fast verpflichtet, in der Gemeinde mitzuarbeiten», sagt Hans Altherr auf diese Frage hin.

Damit spricht der gebürtige Rorschacher auch die Probleme an, die die Gemeinde Sennwald in den vergangenen Jahren mit dem Altersheim Forstegg hatte: Ein ehemaliger Heimleiter hat die Institution von 2015 bis 2018 heruntergewirtschaftet: Von den 2,4 Millionen Franken Reserve blieben nach dessen Amtszeit noch 300000 Franken übrig. Das Altersheim Forstegg wurde darum national zum Medienthema. Schalten und walten, wie er wollte, konnte der Heimleiter auch, weil Kontrollmechanismen in der Sennwalder Gemeindeverwaltung versagten. «Mit meiner Erfahrung als ehemaliger Gemeindepräsident kann ich beim Aufbau von neuen Strukturen und Organisationsformen in der Gemeinde helfen», sagt Altherr. Ins Amt bringe er zudem eine Aussenansicht und Unbefangenheit. In Sennwald hat Hans Altherr bisher kein öffentliches Amt ausgeführt.

Rückkehr in öffentliches Amt schon länger geplant

Hans Altherrs Politik war nach seinen eigenen Aussagen darauf bedacht, Steuergeld sparsam und effizient einzusetzen. Die herben finanziellen Verluste des Altersheims Forstegg seien allerdings nicht der Auslöser für Altherrs Kandidatur gewesen. «Ich wollte mich schon länger in der Gemeinde engagieren. Aber nochmals Gemeinderat zu werden, wäre mir zu viel gewesen», sagt Altherr. 1976 hatte Altherr seine Politikerkarriere als noch parteiloser Gemeinderat in Trogen begonnen. Seit fünf Jahren wohnt Altherr in Sax. Das Dorf gehört zur politischen Gemeinde Sennwald.

Nach Ende seiner politischen Karriere hatte Hans Altherr diverse Ämter in der Privatwirtschaft inne. Noch heute ist er als Geschäftsinhaber der Weiss AG aus Walzenhausen tätig und sitzt bei der Waldstätter Farbproduzentin Arcolor AG im Verwaltungsrat. Und erst im Mai gab er das Verwaltungsratspräsidium der Schweizerischen Südostbahn AG an den St.Galler CVP-Ständerat Benedikt Würth ab.