«Eefach schö rond tanze»

Eine alte Tradition wird wiederentdeckt. Im Roothuus Gonten kann man die alte Art des Öserig-Tanze erlernen und pflegen. Kursleiterin Erika Koller zeigt, wie man sich zu Appenzeller Musik stilvoll bewegt wie anno dazumal. Das Geheimnis: Kleine Schritte.

Julia Nehmiz
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Blick in den Kurs: Der traditionelle Schicktanz wird sonst kaum mehr getanzt. De Baazli spielt die Live-Musik. Nicht über den Ring hinaus – Erika Kollers Tanzübung für kleine Schritte. (Bilder: pd)

Blick in den Kurs: Der traditionelle Schicktanz wird sonst kaum mehr getanzt. De Baazli spielt die Live-Musik. Nicht über den Ring hinaus – Erika Kollers Tanzübung für kleine Schritte. (Bilder: pd)

APPENZELL. «Die Besonderheit des Appenzeller Tanzens?» Erika Koller überlegt nicht lange. Die 57jährige Tanzleiterin springt auf, ergreift die Hand der Besucherin, und los geht's. «Kleine Schritte, fein und rund», sagt Koller und wirbelt ihre Tanzpartnerin durch die heimische Stube. «Die Besonderheit des Appenzeller Tanzes erlebt man beim Machen viel deutlicher, als wenn ich das nur erkläre.»

Polka, Schottisch oder Walzer – der Appenzeller Unterschied manifestiert sich in der Grösse der Tanzschritte. Im Appenzellerland tanze man mit viel kleineren Schritten. Warum das so ist, kann Koller nur mutmassen. «Bei einer Stobete sind viele Leute auf der Tanzfläche, es ist eng, vielleicht kommt es daher, dass man hier nicht mit raumgreifend grossen Schritten tanzt?»

Machen statt jammern

Der Kurs, den Erika Koller im Gontner Roothuus, dem Zentrum für Appenzellische Volksmusik, gibt, ist bereits ihr zweiter. «Das hat sich einfach so ergeben», sagt sie bescheiden. Koller besucht oft Stobeten, die ehemalige langjährige Frau Obmann der Appenzeller Trachtenvereinigung tanzt gern. Und bei den Stobeten habe sie oft gehört, wie Leute sagen: «Ach, das ist aber schade, die alten Leute tanzen ganz anders, so urchig, das geht verloren.» Da fand Erika Koller, man könnte doch etwas machen, anstatt nur zu bedauern, dass nicht mehr auf die alte Art getanzt werde. «Das wurde übrigens schon gesagt, als ich noch jung war», sagt Erika Koller und lacht. Also startete sie kurzerhand im vergangenen Herbst einen Versuch.

Sie lud einige Tanzpaare zu einem Informationsabend. «Einfach, um zu schauen, was könnte man machen, wo setzen wir an.» Erika Koller geht es nicht um die Konservierung der Tradition, sie möchte Input geben. «Man soll nicht nur sagen, das ist schade, dass das Rond-Tanze verloren geht», sagt Koller, «man soll lieber sagen, Vater, Grossmutter, tanz mit mir.»

Nichts für Tanzneulinge

Kollers Kurs ist nichts für Tanzneulinge «Walzer, Polka, Wechselschritt sollte man schon können.» Erika Koller übt mit den Tanzwilligen die ronde Art des Appenzeller Tanzes ein. Damit man bei der nächsten Stobete die kleinen, feinen Schritte selber ausprobieren kann.

«Eefach schö rond tanze», am 6. und 13. März, 20.00 Uhr, im Roothuus Gonten. Anmeldung bei Erika Koller unter 071 787 12 36 www.zentrum-appenzellermusik.ch

«De Baazli» spielt die Livemusik.

«De Baazli» spielt die Livemusik.

Erika Koller Tanzleiterin (Bild: miz)

Erika Koller Tanzleiterin (Bild: miz)

Blick in den Kurs: Der traditionelle «Schicktanz» wird sonst kaum mehr getanzt.

Blick in den Kurs: Der traditionelle «Schicktanz» wird sonst kaum mehr getanzt.

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