Edle Beleuchtung für Luxuskarossen

Ob Flugzeug- oder Autocockpits: Hersteller aus aller Welt setzen auf Leuchtsysteme aus Gais. Die Firmen Enz Electronic AG und Lumitec AG stellen beleuchtete Tastaturen für die Industrie her.

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Das smarte Licht im Auto kommt aus dreidimensionalen Dekorteilen.

Das smarte Licht im Auto kommt aus dreidimensionalen Dekorteilen.

GAIS. Emil Enz beschäftigte sich schon früh mit elektronischen Systemen. Voll entfalten und seine Ideen weiterentwickeln konnte der Gaiser sich indessen erst 1978, als er sich nach dem Studium zum Elektroingenieur HTL in Herisau beruflich selbständig machte und unter dem Namen Enz-Design eine Einzelfirma gründete. Sie beschäftigte sich in den Anfangsjahren überwiegend mit Elektronikentwicklungen und deren Fertigung für Maschinenbaufirmen, vor allem aus der Ostschweiz. 1984 erfolgte ein Standortwechsel nach Gais, wo das Unternehmen – inzwischen unter dem neuen Namen Enz Electronic AG – geeignete Räumlichkeiten für die steigende Produktion fand. In den ersten Jahren lagen die Schwerpunkte auf Steuerungen für kundenspezifische Problemlösungen. Im Laufe der Zeit konzentrierte sich Emil Enz auf Leuchtsysteme, bei denen Elektro-Lumineszenz in Form eines Leuchtkondensators eingesetzt wird und die Enz Electronic dazu die elektronischen Ansteuerungen entwickelt und produziert.

Unter einem Dach

Der Glaube an dieses Beleuchtungssystem, etwa Tastaturen mit integrierter Beleuchtung, und eine Jahr für Jahr steigende Nachfrage nach diesen Produkten aus dem Appenzellerland führten 1986 zur Gründung der Partnerfirma Lumitec AG. Elektronik und Lichttechnik ergänzen sich und sind heute unter demselben Dach im Gewerbezentrum Strahlholz beheimatet. Lumitec ist spezialisiert in der Entwicklung und Herstellung von Elektrolumineszenz-Leuchtsystemen für Flächen- und Hintergrundbeleuchtungen. Sie finden beispielsweise Anwendung bei Formationsleuchten an Flugzeugen, Tastaturbeleuchtungen, blendfreien Cockpitbeleuchtungen, Hintergrundbeleuchtungen für industrielle und automotive Anwendungen. Die eigentliche Leuchte ist nur 0,1 mm dick und in jeder geometrischen Form herstellbar. Auf Folienbasis aufgebaut sind die EL-Leuchtsysteme von Lumitec biegbar. Seit rund zehn Jahren können auch dreidimensional verformbare und zudem mit Kunststoff hinterspritzbare Module hergestellt werden. Lumitec ist bei der Forschung und Entwicklung dieser Leuchtsysteme führend. So kommt es nicht von ungefähr, dass die halbe Welt auf das Gaiser Unternehmen aufmerksam geworden ist. Etwa die Pilatuswerke in Stans, die Automobilnobelmarken Jaguar, Rolls-Royce oder die BMW-M-Serie mit Schwellenbeleuchtungen oder Identifikationszeichen an den Sitzen. Deutschland ist zudem das weltweit erste Land, das selbstleuchtende Autonummernschilder zulässt – dank Technologie aus Gais.

Erfindung wiederentdeckt

Dazu eine Geschichte, die den Erfindergeist des Gaiser Unternehmers widerspiegelt: Die Entdeckung des Elektrolumineszenzeffekts geht auf das Jahr 1936 zurück. Im Labor von Madame Curie in Paris wurde entdeckt, dass mit Kupfer verunreinigtes Zinksulfid auf hohe elektrische Felder mit der Emission von Licht reagiert. Leider fand die Elektrolumineszenz nur in Labors Anwendung, die Flächenleuchte als Alternative zur Glühlampe konnte nicht genutzt werden. Und dann 1980 war die kleine Enz Electronic aus Gais auf der Suche nach einer flexiblen, dünnen, keine Wärme abstrahlenden Leuchttechnik, mit der eine Computertastatur für den Feldeinsatz ausgeleuchtet werden sollte. Nach Überwindung verschiedener Hürden konnte Enz bereits 1982 der Contraves AG die weltweit erste EL-beleuchtete Tastatur übergeben. Dies führte 1986 zur Gründung der Lumitec AG. (rb)

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