Echtes und Bewährtes

Brosmete

Silvia Fritsche
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Wenn der Tag viel Sonnenschein verspricht, der Himmel sich strahlend blau endlos erstreckt und eine weisse Pracht die Berge überdeckt, dann zieht es mich auf die Piste. Nicht, dass ich etwa gut Skifahren könnte, ich tue es einfach richtig gerne. Und ich meine Skifahren; jedenfalls bis dass der Durst und der Hunger mich übermannen.

Zu Beginn der Wintersaison ist es immer spannend, zu entdecken, was sich über den Sommer hingetan hat. Da wurde ein Sessellift gebaut, der hat die moderneren Sitze als mein Auto. Vorbei die Zeit der Schliessbügel aus Metall. Wie war das lustig, als wir Kinder die Mutprobe durchgeführt hatten, wer die Stange mit der Zunge länger berühren kann.

Dann gibt es aber Dinge, die sich nicht geändert haben. Zum Glück. Es gibt sie also noch, diese alten Bügellifte neben einem kleinen Lifthäuschen mit verwitterter Holzfassade. Auch der in diesem Täli. Der Anbügler hat von den vielen Wintern im Dienst ein sonnengebräuntes Gesicht, immer ein freundliches Wort bereit, aus dem Lausprecher klingt Ländlermusik. Es ist ein Ort zum Verweilen. Wie immer kommen wir ins Plaudern und dürfen uns sogleich mit Schokolade aus dem Holzkübeli bedienen. Nach Witzeleien und Gelächter hinterlassen wir die Adresse und freuen uns schon auf eine Postkarte. Tatsächlich flatterte vor ein paar Wochen Post herein. Es waren keine Postkarten sondern Tageskarten, ohne Absender und ohne Verpflichtung, mit einem kurzen Gruss.

So führte mich dann eine Fahrt des letzten Skitages in dieses Täli, um mich herzlich für das unerwartete Geschenk zu bedanken. Es war gegenseitige Freude, einmal, dass die Überraschung gelungen ist und andererseits, dass ich mich echt bedanken konnte, so ganz ohne Abmachen, ohne Telefon dafür mit einem festen Händedruck.

Es gibt sie noch, diese echten und ehrlichen Begegnungen.

Silvia Fritsche