EBNAT-KAPPEL: Tradition zum Anbeissen

Am 1. August sind sie von keinem Tisch wegzudenken. Sei es zum Brunch oder zum Grillfest, diese Weggen gehören seit Jahrzehnten zum Schweizer Brauchtum. Auch im Toggenburg werden sie hergestellt, zum Beispiel in der Bäckerei-Konditorei Forrer.

Delia Hug
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Nach einer Stunde im Kühlschrank sind die Teiglinge fest und bereit zum Einschneiden. (Bild: Delia Hug)

Nach einer Stunde im Kühlschrank sind die Teiglinge fest und bereit zum Einschneiden. (Bild: Delia Hug)

Stellen Sie sich vor, es ist der 1. August. Gespannt warten Sie auf das Feuerwerk und gluschtig sitzen Sie vor einem reichlich gedeckten Frühstücksbuffet. Ein entscheidendes Detail darf dabei auf keinen Fall fehlen, welches zum Schweizer Nationalfeiertag unbedingt dazugehört: der 1.-August-Weggen. Mit seinem Fähnchen und dem unverkennbaren Muster ist der Weggen nicht nur ein Gaumenschmaus.

Vom Schweizerischen Bäcker- und Konditorenmeister-Verband wurde das Brötchen 1959 kreiert. Fritz Forrer von der Bäckerei-Konditorei Forrer freut sich jedes Jahr, die Weggen während rund zweier Wochen zu produzieren. «Ich finde es wichtig, dass die Bäcker diese Schweizer Tradition pflegen sollten», ergänzt Forrer. An den Spitzentagen vom 30. Juli bis 2. August werden bis zu 600 Stück gebacken. «Ähnlich wie der Dreikönigskuchen oder der Grittibänz, bescheren uns die Weggen wichtige Absatztage», sagt Forrer.

Viel Ruhe, Butter und Fingerspitzengefühl

Doch bevor zugebissen werden kann, durchläuft der Weggen diverse Produktionsschritte. Den Anfang macht der Teig, dieser enthält die gleichen Zutaten wie der Zopfteig. Für die Herstellung darf kein anderes Fett als reine Butter verwendet werden. 15 Minuten wird der Teig geknetet, und er muss danach doppelt so lange ruhen, damit sich alle Geschmacksstoffe entfalten können. Dann ist die Masse fertig zum Aufarbeiten, das heisst, Fritz Forrer formt Kugeln in drei verschiedenen Grössen. Schwungvoll verpasst der Bäcker den Teiglingen durchs Rollen die perfekte Form.
Nach einer Stunde im Kühlschrank sind die Kugeln fest geworden und bereit für den traditionsreichen Schnitt. Mit einer handelsüblichen Schere schneidet Forrer die Teiglinge mit dem Kreuzmuster ein. Forrer flitzt mit der Schere routiniert über das Gebäck und meint gleichzeitig: «Nach einigen Tagen merkt man diese Arbeit schon in den Fingern.» Doch diese Arbeit lohnt sich allemal: Nach rund 15 Minuten bei 230 Grad sticht das goldbraune Kreuz hervor. Die Schweizer Fahne im Miniformat vollendet das Meisterwerk.

Nicht lange werden die Weggen im Regal liegen. «Das Gebäck ist sehr beliebt und geht weg wie warme Weggli. Wir haben schon andere Mischungen ausprobiert, doch das Originalrezept schmeckt den Kunden eben doch am besten», weiss Forrer. Ende nächster Woche wird das Rezept wieder für ein Jahr in die Schublade gelegt und schon bald durch das Rezept des Grittibänz ersetzt. Zuvor werden jedoch die 1.-August-Weggen genossen.