EBNAT-KAPPEL: Sie wollen die Unterführung behalten

Rund 40 Personen demonstrierten am Montag in Ebnat-Kappel für den Erhalt der Unterführung beim Bahnhof. Diese stammt von 1912. Als Ersatz soll ein Fussweg entlang der Industriestrasse dienen.

Martin Knoepfel
Merken
Drucken
Teilen
Die Kundgebungsteilnehmer marschierten über den Bahnübergang Industriestrasse. (Bilder: Martin Knoepfel)

Die Kundgebungsteilnehmer marschierten über den Bahnübergang Industriestrasse. (Bilder: Martin Knoepfel)

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch

Demonstrationen sind in Ebnat-Kappel nicht alltäglich. Dennoch versammeln sich rund 40 Personen am frühen Montagnachmittag beim Bahnhof. Einige sitzen im Rollstuhl oder in Golf-Carts. Die meisten sind zu Fuss da. Mehrheitlich sind es ältere Menschen. Wer berufstätig ist, ist kurz nach 14 Uhr wohl bei der Arbeit. Es ist eine Demonstration für den Erhalt der Unterführung unter der Südostbahn (SOB).

Der Anlass ist der Besuch eines Teams von SRF, das für die «Rundschau» dreht. Die Unterführung soll nach dem Willen der SOB und der Gemeinde aufgehoben werden. Die Kundgebungsteilnehmer sehen das anders. Zum Schluss fragt die Organisatorin der Kundgebung, Rosmarie Altenburger, wer die Unterführung täglich benutze. Fast alle heben ihre Hände.

Unter der Regie des Kameramanns macht sich die Gruppe langsam und mit Zwischenstopps auf die Wanderung über den Bahnübergang und via Industriestrasse entlang des Bahnhofareals zur thurseitigen Rampe der Unterführung und durch diese zurück zum Bahnhofplatz. Dieser Weg ist als Alternative nach der Schliessung der Unterführung vorgesehen. In normalem Marschtempo braucht man dafür knapp vier Minuten. Das zeigte ein Selbstversuch des Journalisten vor der Kundgebung.

Fussweg entlang der Industriestrasse

Die Unterführung diene vor allem der Aufrechterhaltung eines Wegrechts, sagt die Mediensprecherin der Südostbahn, Ursel Kälin. Die Unterführung genüge den Bestimmungen des Gesetzes über die Gleichstellung der Behinderten nicht, schreibt die SOB in einer Medienmitteilung vom Dienstag. In Antworten auf Einsprachen von 2015 hatte die SOB argumentiert, dass ein Ingenieurbauwerk nach 100 Jahren das Ende der Lebensdauer erreiche und dass das Schotterbett und die Höhe der Unterführung zu klein seien. Das Bundesamt für Verkehr habe die heutige Lage nur provisorisch bewilligt. Ein Neubau der Unterführung koste rund drei Millionen Franken. Zwischen den Gleisen und dem Parkplatz schaffe die SOB auf ihrem Land einen Fussweg und damit sicheren Ersatz, heisst es in der Mitteilung vom Montag. Damit könnten die Fussgänger entlang den Gleisen vor statt hinter den Autos gehen. Der Fussweg werde mit einem Zaun, den die Gemeinde bezahle, gesichert, heisst es.

«Es ist ein hängiges Verfahren. Wir warten auf den Rekursentscheid», sagt Christian Spoerlé, Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel. Die Einwohner, die schattenhalb lebten, benutzten schon jetzt zum Teil den Übergang der Schafbüchelstrasse, sagt der Gemeindepräsident. Für Wanderer sei der Umweg von 250 Metern entlang der Industriestrasse zumutbar.

Der Boden der Unterführung liege knapp über dem Grundwasserspiegel, sagt Christian Spoerlé. Wenn es stark regne, steige der Grundwasserspiegel und überflute die Unterführung. Das passiere mehrmals im Jahr. «Mit dem Wasser lagert sich Schlamm und Sand ab und der Boden wird rutschig. Letzte Woche ist eine Frau gestürzt». Es reiche nicht, die Unterführung abzudichten, man müsste sie im Boden verankern. Wenn man baulich etwas ändere, müsse man die heutigen Vorschriften einhalten und flachere und somit längere Rampen erstellen, sagt Christian Spoerlé.