EBNAT-KAPPEL: Musikinstrument spielend finden

Die Musikschule Toggenburg bot am Samstag im Schulhaus Wier einen Instrumentenparcours an. Am 1. April gibt es die gleiche Möglichkeit im Oberstufenzentrum Necker.

Cecilia Hess-Lombriser
Merken
Drucken
Teilen
Sarina hat sich zwar für das Vibraphon entschieden, doch andere Instrumente wie die Harfe ausprobieren macht Spass.

Sarina hat sich zwar für das Vibraphon entschieden, doch andere Instrumente wie die Harfe ausprobieren macht Spass.

Mutter und Tochter strahlen. «Wir sind wegen des Klaviers gekommen, aber jetzt spielen wir Geige», sagt die Mutter mit einem verschmitzten Lächeln, als sie den Instrumentenparcours nach einer Stunde verlassen. Sie sagt «wir» und genau dies ist im Sinn von Schulleiter Hanspeter Schoch. «Die Unterstützung der Eltern ist wichtig», betonte er am Informationsstand.

Die Motivation zum Üben komme gerade in den unteren Klassen gelegentlich abhanden und dann brauche es schon eine positive Haltung von Mutter und Vater.

Ein unverkrampfter Zugang zu Instrumenten

Es ging am Samstag im Schulhaus Wier äusserst lebendig zu und her. Treppauf und treppab gingen die Eltern mit ihren Kindern im Schlepptau oder auch mal hinterher. Von einem Zimmer zum anderen. Die Türen standen offen und die verschiedensten Töne trafen in den ­Gängen aufeinander. Die Kinder durften nach Herzenslust ausprobieren und das taten sie teilweise mit grossem Eifer und mit Wonne. Allerdings waren sie dann froh, wenn der Vater oder die Mutter mit den Musiklehrpersonen sprachen. Das Interesse galt der Grösse des Instrumentes, dem idealen Einstiegsalter, dem Preis oder der Möglichkeit, das Instrument zu mieten. Sie bekamen Antworten, Ratschläge, Tipps. «Wir sind gespannt, was jetzt dabei herauskommt», sagte eine Mutter, als ihre Tochter der Oboe erstaunlich klare und gefühlvolle Töne entlockte. «Das gleiche ist ihr auch beim Cello und der Gitarre passiert, sie hat das Instrument gleich richtig in die Hand genommen», freute sich die Mutter. Die Entscheidung überlässt sie der Tochter. Diese stellte sich derweil entschlossen beim Fagott an.

Die Musikvereine brauchen den Nachwuchs

Schlangen bildeten sich auch vor dem Klavier, dem Keyboard oder den Blechblasinstrumenten. «Es wäre schön, wenn die Blasinstrumente wieder Auftrieb bekommen würden», sagte Hanspeter Schoch. Die Beliebtheit von ­Instrumenten komme und gehe. Noch vor wenigen Jahren habe es einen Ansturm auf das Saxofon gegeben, aber unterdessen sei das Interesse wieder abgeflaut; genau wie bei der Klarinette. Gerade für die Musikvereine in den Dörfern sei es wichtig, ausgebildeten Nachwuchs zu bekommen, wenn sie die Ausbildung nicht selber übernähmen. Die Grundlage für ein musikalisches ­Bewusstsein bekommen alle Kinder in der Schule mit. Und wie toll es sein kann, gemeinsam zu musizieren, hatten die Interessierten am Morgen erfahren. Es gab das musikalische Märchen «Kleiner Bär», mit der Schauspielerin ­Joséphine François und einigen Musiklehrkräften, die alleine oder in unterschiedlicher ­Zusammensetzung spielten. Die «Grünhörner» eröffneten die Präsentation, nachdem die ­Jugendmusik Ebnat-Kappel draussen auf dem Platz auf ihre Weise Lust auf ein ­Instrument gemacht hatten. ­ «80 Kinder, die ihren Teddybären mitgebracht hatten, sassen hier vorne und machten mit», schwärmte Simone Erasmi, Leiterin Fachstelle Musikpädagogik.

Die Musikalische Grundschule ist seit Schuljahr 2008/2009 obligatorisch. Rund ein Viertel aller Kinder der Primarschule lerne schliesslich ein Instrument spielen, wie zu erfahren war. Der Einstieg passiert ab der zweiten Klasse, die meisten Kinder fangen jedoch in der dritten Klasse an. Der Instrumentenparcours hilft, das richtige Instrument zu finden oder ein anderes zu wählen, wenn das erste Mühe bereitet hat. Auch das kommt vor und es komme auch vor, dass Kind und Eltern aufgeben. Beim Gang von einem Instrument zum anderen war zu spüren, dass es hier um ein spielerisches Kennenlernen der Instrumente ging; ohne Druck und Erwartungen. Teilweise hatten die Kinder klare Vorstellungen, andere verspürten schlicht die Lust, drauflos auszuprobieren. Alles war möglich und die Lehrpersonen zeigten, worauf es ankommt. Auf dem Klavier gab es vierhändige Erlebnisse und damit bereits kleine Erfolge.

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion@toggenburgmedien.ch