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EBNAT-KAPPEL: Mit Krautkrämer im Kräuterbeet

Das neuste Buch von Daniela Schwegler erzählt aus dem Alltag der Bergbäuerinnen der Schweiz. Zwölf Frauen zwischen 18 und 86 Jahren hat sie auf deren Höfen besucht. Eine davon ist die Toggenburger Kräuterfrau Renate Krautkrämer.
Delia Hug
Renate Krautkrämer in ihrem Garten auf dem Rütiberg. Sie zupft Blüten für die Tees der Toggenburger Kräuterfrauen. (Bild: Stephan Bösch)

Renate Krautkrämer in ihrem Garten auf dem Rütiberg. Sie zupft Blüten für die Tees der Toggenburger Kräuterfrauen. (Bild: Stephan Bösch)

«Ich bin doch gar keine echte Bäuerin», entgegnete Renate Krautkrämer auf die Anfrage von Daniela Schwegler, der Autorin des Buchs «Landluft – Bergbäuerinnen im Porträt». Denn sie habe keine Tiere mehr und sei eigentlich eine Luxusbäuerin, sagt sie lachend. Doch sie fand das Konzept der St. Gallerin gut, und Daniela Schwegler war ihr sympathisch, also stimmte sie der Reportage zu. Zwei Tage und eine Nacht verbrachte die Autorin bei Renate Krautkrämer und ihrem Lebenspartner Walter Siegenthaler im kleinen Toggenburgerhäuschen. Der Rütiberg liegt eine halbe Stunde Fussmarsch oberhalb von Ebnat-Kappel und ist seit gut 16 Jahren ihr Zuhause. «Wenn es heiss ist, und wir schwere Lasten hochtragen müssen, ist das manchmal schon anstrengend», sagt Krautkrämer. Im Gegenzug dafür machen sie keine extra Wanderungen mehr, sondern gehen beispielsweise in Museen.

Krautkrämer verrät, dass sie beim Gegenlesen erst etwas stutzte. «Ich hatte Mühe, mit Danielas Lob umzugehen, aber das gehört wohl auch dazu.» Doch letztlich ist die Toggenburger Kräuterfrau mehr als zufrieden mit ihrem Porträt. Ebenfalls die Bilder von Stephan Bösch entsprechen ihren Vorstellungen. «Als ich hörte, dass er mir auf Schritt und Tritt folgen würde, war ich ziemlich kritisch», sagt die 66-Jährige. Doch die Zweifel verflogen schnell.

Zwei Wünsche, beide nur teilweise erfüllt

Die Heilpädagogin wohnte vor dem Umzug ins Toggenburg in einem Vorort von Bonn, doch auch Berlin und Hamburg waren zeitweise ihre Heimat. «Ich habe immer für die Liebe meinen Wohnort gewechselt», meint Krautkrämer. Die siebenjährige Pendlerei zwischen dem Tessin, wo Walter Siegenthaler wohnte, und Renates Wohnort, sollte aber ein Ende haben. Für sie musste einfach der Zeitpunkt und das Umfeld stimmen, denn dann fühle sie sich überall wohl. Als sie bereit war, ihr bisheriges Leben wieder umzukrempeln, suchte das Paar in ganz Europa ein Plätzchen, das ihre beiden Wünsche vereinen sollte. Der Kräuterfrau war es wichtig, einen Garten zur Selbstversorgung zu haben, und das Haus sollte unbedingt eine direkte Zufahrt haben. Ein bisschen anders sahen die Pläne des heute 76-jährigen Partners aus. «Walter wollte so weit wie möglich weg von der Zivilisation und ganz viel Umschwung», lacht Krautkrämer. Nach einer Besichtigung im Emmental stiessen sie auf ein Inserat im Toggenburg. Als Krautkrämer das Haus sah, war es Liebe auf den ersten Blick. «In diesem Moment war mir auch egal, dass es keine Zufahrt gab», sagt sie. Ihr Partner konnte nichts gegen die Verliebtheit tun und ging ebenfalls einen kleinen Kompromiss ein. Zwar habe er sehr viel Platz, jedoch sei das Dorf für Siegenthaler nicht weit genug weg. «Wenn ich sage, wir seien sehr zentral gelegen, wird das von Aussenstehenden oft belächelt», bemerkt Krautkrämer.

Mit dem Haus kam die Frage auf, was sie mit so viel Land anstellen sollten. Erst waren Ziegen ein Thema, doch die Verarbeitung der Milch erwies sich als zu umständlich. Lamas waren zu teuer, und so entschieden sie sich für die Züchtung der Pro-SpecieRara-Rasse der Engadiner Schafe. Mit 18 Muttertieren haben sie gestartet. «Ich war anfangs sehr unsicher im Umgang mit den Tieren», sagt die Kräuterfrau. Doch ihr Partner hatte bereits Erfahrung in der Schafhaltung. Anfangs war ihr vieles sehr fremd, doch sie las etliche Fachbücher, besuchte Kurse und trat in Kontakt mit den Einheimischen. Walter Siegenthaler hegte und pflegte bis zu zwölf Bienenvölker. Sie führten einen Biohof mit Biokräutertees, Biohonig und Biolammfleisch.

Frau für die Kamera, Mann im Hintergrund

Da Renate Krautkrämer ihr Pensionsalter vor einem Jahr erreicht hatte und somit keine Direktzahlungen mehr erhielt, reduzierten sie ihren Betrieb. Heute produzieren sie fast nur noch für den Eigengebrauch. Zwei Hühner, zwei Bienenvölker und zwei Hunde vervollständigen das Kräuter- und Gemüseparadies. «Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich keine Tiere mehr zum Schlachten begleiten muss», sagt Krautkrämer erleichtert. Beide sind überzeugt, dass materiell nicht das Maximum nötig ist, wenn es aufgeht, sind alle glücklich.

Dass seine Partnerin für das Buch im Mittelpunkt steht, ist für Walter Siegenthaler in Ordnung. Er halte sich lieber im Hintergrund. Sobald die Toggenburger Kräuterfrau etwa einen Kurs gibt, ist Walter Siegenthaler lieber über alle Berge. «Deshalb war ich sehr erfreut, dass er an der Vernissage am 5. Juli in Zürich, trotz viel Publikum, anwesend war», sagt Krautkrämer.

Am 13. September findet in Mosnang in der Bibliothek eine Lesung statt. Diese beginnt um 19.30 Uhr.

Landluft – Bergbäuerinnen im Porträt, 256 Seiten, Rotpunktverlag AG in Zürich Autorin: Daniela Schwegler Fotograf: Stephan Bösch Preis: 39 Franken

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