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EBNAT-KAPPEL: Lewinskys Zukunftsvisionen

Charles Lewinsky weiss, was die Zukunft bringt. Am Freitag las er in Ebnat-Kappel aus «Schweizen» düstere Zukunftsszenarien. Beunruhigend, wenn Blocher ein Mausoleum bekommt und das Tagblatt von China aus gesteuert wird.
Mirjam Bächtold
Charles Lewinsky (Mitte) unterhält das Publikum mit Judith Stadtlin und Michael van Orsouw. (Bild: Mirjam Bächtold)

Charles Lewinsky (Mitte) unterhält das Publikum mit Judith Stadtlin und Michael van Orsouw. (Bild: Mirjam Bächtold)

Wir schreiben das Jahr 2096, Charles Lewinsky ist längst tot, zum Gedenken an seinen 150. Geburtstag werden seine Texte vorgelesen, damit man «den grossen Autor nicht vergisst». So eröffnete Charles Lewinsky am Freitag gemeinsam mit dem Duo Salz & Pfeffer die Lesung in Ebnat-Kappel. Anlass war weniger der 150. Geburtstag des Autors, sondern das 10-Jahr-Jubiläum der Bibliothek. Doch mit seinem Buch «Schweizen – 24 Zukünfte» entführten der Autor sowie die Spoken-Word-Autoren Judith Stadlin und Michael van Orsouw das Publikum kurz vor die Schwelle des 22. Jahrhunderts. Wenn man die Zukunftsaussichten hört, wünscht man sich, vorher zu sterben.

Ausgestorbene Kühe

Schweizen, damit meint Charles Lewinsky die Steigerungsform skurriler eidgenössischer Eigenheiten in die Zukunft. In 24 «Zukünften» beschreibt der Autor, was uns in 100 Jahren erwartet. Da gibt es das Freilichtmuseum Ballenberg 2, das die Besucher zurück in die Zeit versetzt, als es noch Bauern und Kühe gab. Das Alpenpanorama wird an die Sichtschutzwände vor die Wolkenkratzer projiziert. Lebensechte Androiden in Bauernform geben einen realistischen Einblick in die historische Landwirtschaft: Man sieht sie beim Ausfüllen von Subventionsanträgen, beim Melken mit Melkmaschine, beim Abschicken von Subventionsanträgen und beim Traktorfahren. Auch ausgestorbene Tiere sind zu bewundern, etwa Kühe, die sogar Milch geben, besonders mutige Besucher dürfen sie probieren. Auch Berufe, die es so nicht mehr gibt, präsentiert das Museum den Besuchern. Etwa die Briefträgerin oder der Handwerker, der defekte Geräte repariert. Im Restaurant des Museums gibt es Hamburger, die dank der chemischen Zubereitung auch für Vegetarier geeignet sind.

China steuert die Schweiz

Die Lesung mit verteilten Rollen gewinnt dank des Duos Salz & Pfeffer an Schärfe und Witz. Die satirischen Texte aus Lewinskys Feder sind vielseitig: vom Märchen über die Fabel zum Museumsprospekt und einer Betriebsanleitung für das Schweizer Taschenmesser. Da dieses kurz vor dem Wechsel ins 22. Jahrhundert aus China importiert wird, ist das Deutsch gebrochen: «Gratulierung! Sie haben gekaufen eine Original Schweizer Taschenmesser, Modell <Morgarten> oder <Morgarten spezial>. Dieses ist eine hundert Prozent Schweiz Produkt, merkbar an Schweiz-Kreuz an Griff und bestes Qualitatierung. Ihre Taschenmesser ist gemacht mit Hand von original Schweiz Fachmannen mit Liebe und Sorgfaltigkeit in Produzierfabrik von Knife for Life Enterprises (früher Victorinox AG) in Ibach-Schwyz, Switzerland, welches ist eine Department von Ippai Tong Si GmbH, Shanghai, China.»

Doch Victorinox ist nicht die einzige Firma, die von China übernommen wurde. Fast alle Schweizer Firmen sind in der Hand dieser GmbH in Shanghai. Auch die Swiss News, ehemals NZZ, zu der ja bekanntlich auch die Tagblatt medien gehören, sind Teil der Ippai Tong Si GmbH und werden von Shanghai aus gesteuert.

Blocher in der Steinkiste

Besonders lustig findet das Publikum den Aufsatz, in dem ein Schüler die Klassenfahrt zum Schloss Rhäzüns und zum dortigen Mausoleum beschreibt. Er ist enttäuscht darüber, dass sein Klassenkamerad nicht mitkommen durfte, «weil seine Eltern Dissidenten sind». Vor dem Mausoleum bildet sich eine lange Kolonne, von Schulklassen und anderen Besuchern. Der Schüler ist etwas enttäuscht, nach dem Rummel hätte er mehr erwartet als die Steinkiste, in der Blocher liegt.

Obwohl die Zukunftsaussichten düster sind: Dem Publikum gefällt die Lesung, es klatscht die Künstler mehrmals auf die Bühne zurück. Die Zugabe bleibt dennoch dürftig: ein gemeinsames «Ippai Tong Si GmbH, Shanghai, China» geben die drei zum Besten und damit hat sich's.

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