EBNAT-KAPPEL: Kräftiger Ton mit französischem Pfiff

Gleich zwei Organisten brachten am Sonntag mit ihrem Spiel die Vielfalt der restaurierten und erweiterten Orgel in der katholischen Kirche zur Geltung.

Lisa Leisi
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Im Dezember des letzten Jahres wurden die Arbeiten zur Renovation der Orgel abgeschlossen. (Bild: Sabine Schmid (Dezember 2016))

Im Dezember des letzten Jahres wurden die Arbeiten zur Renovation der Orgel abgeschlossen. (Bild: Sabine Schmid (Dezember 2016))

Lisa Leisi

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In weiser Vorausplanung hatte man schon beim Neubau die Technik und Mechanik für eine spätere Registererweiterung für Trompete und Fagott miteingeplant. Im Dezember 2016 waren die Arbeiten beendet. Am letzten Sonntagabend wurde nun die Orgel mit einem Konzert und anschliessendem Apéro feierlich eingeweiht.

Nach einem Eröffnungsstück von Louis-James-Alfred Lefébure-Wély, gespielt vom Organisten Kaspar Wagner, begrüsste der Präsident der katholischen Kirchenverwaltung, Peter Burkhard, das Publikum mit den nicht ganz ernst gemeinten Worten: «Ein Schuft, wer das Bild hier vorne so betrachtet, als sei ich hier vorne die grösste Pfeife.» Es freute ihn besonders, dass unter anderem Margrith Stadler als Administrationsrätin, aber auch Hubert Stucki, CEO der Mathis Orgelbau AG in Näfels, sowie der im Jahr 1988 Verantwortliche für den Neubau, Kirchenratspräsident Karl Kunz, der Einladung gefolgt waren.

Bezug zu Frankreich

Peter Burkhard wusste aus der Geschichte zu erzählen, dass Orgeln schon 200 vor Christus bekannt waren und erst im 19. Jahrhundert zu den heutigen Ausgestaltungen modernisiert wurden. Das erste Stück war von einem der ersten Organisten, Lefébure-Wély, welcher die modernen Orgeln effektvoll zu nutzen verstand, komponiert worden. Burkhard zeigte sich stolz über den kräftigen Ton der Orgel, welcher sich absolut vergleichen lasse mit den Orgeln des berühmten französischen Orgelbauers Cavaillé-Coll. Auch die teilweise französischen Namen der Register wie Plein Jeu, Hautbois oder Voix Celeste zeugten von der Verbindung zu Paris, der Metropole der Orgelmusik.

Mit «Livre d’Orgue» aus der Barockzeit vom französischen Komponisten Pierre du Mage spielte Michael Risch nun während 20 Minuten eine Auswahl vielfältiger Klangfarben. Dann präsentierte Kaspar Wagner einen Auszug aus der «Toccata F-Dur» von Johann Sebastian Bach und anschliessend das «Pièce Symphonique op. 17» von César Franck. Dieser Musiker gelte heute als einer der bedeutendsten französischen Komponisten, Organisten und Lehrer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bei seinen kürzeren Kompositionen habe er auch die «einfachen Organisten» im Blick gehabt, welche Sonntag für Sonntag den Gottesdienst zu gestalten hatten, berichtete Peter Burkhard. Das zur Musik gezeigte historische Bild einer lebhaft bevölkerten Strasse in Paris liess diese lebendig werden. Nun ging es mit dem «Concert Piece op. 52» in drei Sätzen, gespielt von Michael Risch, zu einer weiteren Berühmtheit: Flor Peeters, welcher nach Franck wie dieser ein begabter Musikpädagoge, begnadeter Komponist und grossartiger Organist wurde.

Moderner Hörgenuss

Zum Abschluss spielte Kaspar Wagner ein zeitgenössisches Stück mit dem Titel «Carnaval» vom 1955 geborenen Komponisten Naji Hakim. Dieser französische Organist und Pianist mit libanesischer Herkunft stehe für anspruchsvollen Pop, gehobene Unterhaltungsmusik, primitive Klassik sowie traditionsgebundene neue Musik. Hakim habe schon viele Preise bei internationalen Orgelwettbewerben erhalten. Ausserdem sei ihm 2007 von Papst Benedikt XVI. der Orden «Pro Ecclesia et Pontifice» verliehen worden. «Carnaval» war ein spielerisch neckisches Hörerlebnis und erinnerte teilweise an ein Karussell und wilden Tanz.

Nach frenetischem Applaus bat der Kirchenverwaltungspräsident Hubert Stucki von der Mathis Orgelbau AG zu sich. Dieser zeigte sich sehr zufrieden über die Zusammenarbeit. Zum Schluss legte er den Ebnat-Kapplern ans Herz, diese Musik auch zu den Kindern weiterzutragen, und ermutigte das Publikum, sich wieder vermehrt an schweizerischen Werten zu orientieren.