EBNAT-KAPPEL: «Keiner von uns kann Noten lesen»

Musiker Simon Lüthi mag die Abwechslung, Vielseitigkeit und nicht allzu laute Töne in der Musik. Er verstärkt in der zweiten Staffel des Schweizer Jodelmusicals «Stilli Zärtlichkeite» die Live-Band auf der Bühne.

Michael Hug
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Die Musicalequipe des Jodelmusicals «Stilli Zärtlichkeite». (Bild: PD)

Die Musicalequipe des Jodelmusicals «Stilli Zärtlichkeite». (Bild: PD)

Michael Hug

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Simon Lüthi, sind Sie Profimusiker?

Nein, nicht ganz. Ich bin freischaffender Teilzeitmusiker, zum anderen Teil bin ich bei der Evangelischen Kirchgemeinde Ebnat-Kappel als Seniorenarbeiter und Messmer angestellt. Ich mache Musik aus Freude und könnte mir nicht vorstellen, dies hauptberuflich zu tun, weil ich das Kommerzielle am Musikerberuf nicht anstrebe. Ich schätze zudem die Abwechslung bei meinen Tätigkeiten. Weil ich von der Musik nicht ganz leben muss, habe ich keinen Druck und kann machen, was ich gerne mache.

Dazu sind Sie ja auch noch Musiklehrer?

Ja, ich unterrichte an einer Musikschule im Thurgau und an einer in Appenzell Schwyzerörgeli und Handorgel. Den einen und anderen Bassgeigenschüler habe ich auch noch. In Ebnat-Kappel gebe ich Privatunterricht.

Sie machen selbst Musik, wie und mit wem?

Viele Jahre sind wir schon mit meiner Familie unterwegs, dem Ländlerquartett Tanzboden. Da ist seit dem Tod meines Vaters, der Heirat meiner Schwester und der Hofübernahme meines Bruders einiges im Umbruch, so dass es etwas weniger Auftritte gibt. Nach wir vor spielen wir aber immer noch gerne zusammen, wenn wir angefragt werden und es uns einrichten können. Gelegentlich spiele ich auch im Echo vom Vitznauerstock oder mit Frowin Neff. Auch helfe ich da und dort aus, wenn einer fehlt. Sehr gerne experimentiere ich auch mit anderen Musikern, da ich schon immer vielseitig orientiert war.

Welche Instrumente unterrichten Sie?

Ich spiele Schwyzerörgeli, Miniörgeli, Handorgel und Bass.

Komponieren Sie auch?

Ich komponiere auch, aber nicht mit dem Ziel, es kommerziell zu betreiben. Ich bin da viel zu streng mit mir selbst und möchte etwas, mit dem ich nicht zufrieden bin, nicht unbedingt veröffentlichen.

Dabei können Sie aber gar keine Noten lesen?

Das ist so. Ich habe mir alles selbst beigebracht, ich habe ein gutes Gehör und kann mir die Melodien gut merken. Vielleicht habe ich das Talent dazu, sicher aber die Leidenschaft. Ich mache es gerne und das Üben ist für mich keine Last. Da bin ich aber keine Ausnahme, alle von uns im Ländlerquartett sind so, keiner kann Noten lesen. Gelernt habe ich übrigens Elektromonteur.

Was ist Ihr Beitrag beim Jodelmusical?

Ich verstärke Willis Wyberkapelle mit Handorgel, Schwyzerörgeli und Miniörgeli. Unsere Aufgabe ist es, die Musik für die Handlungen auf der Bühne zu machen, live sozusagen. Dabei ist es faszinierend, was aus einer Szene mit der passenden und einfühlsamen Spielweise herauszuholen ist. Wichtig ist dabei auch, dass man ein gutes Auge hat und bei der Sache ist. Sehr gerne beobachte ich während den Szenen auch die Personen im Publikum, da ich einen super Platz dafür habe.

Wie ist man da auf Sie gekommen?

Ruedi Roth hat vor zwei Jahren für die erste Staffel Musiker gesucht und weil wir uns schon lange kennen, hat er mich angefragt. Ich denke, die Schwierigkeit für ihn war, engagierte Musiker zu finden, die Zeit haben für die Proben und dann für die Tournee. Ich habe und nahm mir diese Zeit und hatte auch Lust dazu.

Welche Musik mögen Sie nebst der Volksmusik?

Ich mag jede Form von Musik, aber besonders mag ich handgemachte Musik. Ich schätze es, wenn man das Handwerk noch hört und nicht etwas einfach aus der Büchse kommt. Schon als ganz junger Bub habe ich mich jeweils gewundert, auf was die Leute in der Musik alles hereinfallen. Stilistisch aber bin und war ich schon immer offen für alles, solange auch die Lautstärke erträglich ist.

Welche Art Musik innerhalb der Volksmusik spielen Sie am liebsten?

Da mache ich keine grossen Unterschiede, ich spiele alles gerne. Ob Konzerte oder Tanzmusik, es hat alles seine guten Seiten. Man kann die Freude zur Musik ganz verschiedenartig zeigen.

Was machen Sie, wenn Sie keine Musik machen?

Viel Sport, Biken, Wandern, Musik unter Leuten geniessen und tanzen.

Wie sieht Ihr Privatleben aus?

Ich bin 35 Jahre alt und seit einigen Jahren mit Karin Gwerder zusammen. Wir haben gerade ein Haus gebaut und bezogen. Sie kommt aus Muotathal, singt und jodelt gerne und hat früher im bekannten Theater Muotathal gespielt. Jetzt spielt sie im Jodelmusical die Rolle von Sepps Frau.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Es gibt immer viel zu tun, Neujahrskonzert Ebnat-Kappel, CD-Aufnahmen und dann das Jodelmusical. Da sind über den Winter zurzeit 24 Vorstellungen vorgesehen.