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EBNAT-KAPPEL: Keine Heirat, ohne dem Turnverein Bescheid zu sagen

Wenn ein Paar in Ebnat-Kappel den Bund fürs Leben eingehen will, ist es mit der Verlobung noch nicht getan. Danach muss es dem Turnverein Bescheid geben, so will es ein ungeschriebener Brauch. Als Gegenleistung singen die "Funkensänger" ein Ständchen für das Paar.
Michael Hug
Es ertönt «Wo der Wildbach rauscht» im Nieselregen, im Vordergrund das von den Funkensängern beglückte Paar Daniela und Christian Schmid aus Ebnat-Kappel. (Bild: Michael Hug)

Es ertönt «Wo der Wildbach rauscht» im Nieselregen, im Vordergrund das von den Funkensängern beglückte Paar Daniela und Christian Schmid aus Ebnat-Kappel. (Bild: Michael Hug)

«Viele Jahre sind vergangen, viele Jahre sind dahin…» – nicht falsch verstehen, diese Wortwahl. Es ist eine Textzeile des berühmten Volkslieds «Wo der Wildbach rauscht», und da wird es schon seine Richtigkeit haben, dass man singt: «...viele Jahre sind dahin». Denn dahin sind sie nicht. Es waren wichtige Jahre, Jahre des Kennenlernens, Jahre des Zusammenlebens, Jahre des Zuhörens und Aufeinandereingehens. Jahre des Tests auch – ob man zueinanderpasst und dass man es nun versuchen will. Das Heiraten.

Dem Turnverein melden

Doch vorher gibt es noch zwei Dinge zu erledigen: sich verloben und die anstehende Heirat dem Turnverein melden. Wenn man in Ebnat-Kappel lebt und gedenkt, sich zu vermählen, ist es ein ungeschriebener Brauch, dass man es dem Turnverein meldet. So man denn nicht schon im Verein ist wie fast alle jungen Männer in der Gemeinde. Niemand heiratet geheim, im Gegenteil, heiraten macht Freude und alle sollen es wissen. Und kosten soll es auch etwas. «Früher war es sozusagen wie Pflicht, dass wenn ein Auswärtiger eine vom Dorf heiraten wollte, musste er sie mit ordentlich viel Wein freikaufen», lacht Ruedi Aerne, der Präsident des TV Ebnat-Kappel.


Besuch der Funkensänger

Heute sei es natürlich keine Pflicht mehr, aber es sei ein schöner Brauch geblieben. Das einander versprochene Paar bekäme ja auch etwas dafür, nämlich einen Besuch der Funkensänger. Und ausserdem bringe es Glück, sagt Ruedi Aerne. Die Funkensänger vom TV haben vor Jahrzehnten eine uralte Tradition wieder aufgenommen. Sie ziehen am Tag vor dem Funkensonntag durchs Dorf und geben jedem verlobten oder verheirateten Paar ein Ständchen. Dafür erhalten sie Schinkensandwiches und St. Johanner Bier, Lachsbrötli und Weisswein, je nachdem und in unterschiedlicher Reihenfolge. Bevor die Burschen vom TV durchs Dorf ziehen, wärmen sie sich im Alters- und Pflegeheim auf, und geben dort ein paar Lieder aus ihrem Repertoire zum Besten. Auch die alten, lange verheirateten Paare und Alleinstehenden haben Freude an den Liedern der in Frack und Zylinder gekleideten Ad-hoc-Sänger.

Sechs Paare bis Mitternacht

Heuer besuchten die Turner unter der Leitung ihres Interimsdirigenten und Nichtturners sechs Paare im Dorf. Lustig hatten sie schon am Vormittag, obwohl es regnete. «Macht nichts, wir sind ja gleich wieder im Trockenen!», lachte einer. Im Trockenen werden sie sich innerlich befeuchten, grinste ein anderer. Zwei Lieder gab’s vor der Haustüre von Daniela und Christian Schmid zu hören. Da hatten auch die Nachbarn etwas davon. «Wo der Wildbauch rauscht» sangen die Turner im Nieselregen. Dann begab man sich hinein in die Wohnung des frisch vermählten und in Erwartung stehenden Paars. Es wurde eng um den Stubentisch und warm in der Wohnung, aber der «Brandlöscher» stand schon bereit. «Zwei Stunden haben wir pro Paar eingerechnet», verriet Präsident Aerne. Vormittags um elf hatte man begonnen, nachts um elf wird das letzte Paar verabschiedet und in eine möglichst glückliche Zukunft bewünscht sein. So denn keine Wirtschaft auf dem Weg Erbarmen hat mit den singenden Turnern im Regen und einen Kafi Luz spendiert. Oder zwei.

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