EBNAT-KAPPEL: Die Parmelins und der Parmesan

Charly’s Comedy Club beendete am Dienstagabend mit drei Künstlern die erste Kleinkunst-Saison im Ebnat-Kappler «Dömli». Der Dienstag wird auch in der kommenden Saison für Comedy gesetzt sein.

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Bei Charly’s Comedy Club am Dienstagabend im Dömli in Ebnat-Kappel: Lara Stoll «predigte» von der Kanzel. (Bild: Michael Hug)

Bei Charly’s Comedy Club am Dienstagabend im Dömli in Ebnat-Kappel: Lara Stoll «predigte» von der Kanzel. (Bild: Michael Hug)

Es war ein buntes Trio am Dienstagabend. Lara Stoll, Rob Spence und Chäller gestalteten den Abend, zwei Comedians und eine Poetry-Slammerin. Dazu Charles Nguela als quirliger Moderator, der sich selbst für träfe Scherze nicht zu schade war.

Sein Wunsch, den Abend zu einer Gospel-Messe werden zu lassen, ging im nur zur Hälfte gefüllten Dömli nicht ganz in Erfüllung, trotz eifrig gemeinsam skandiertem «Amen» und «Halleluja». Doch eins hat seine Moderation gezeigt: Nguela (das «g» wird beim Aussprechen nicht betont) weiss, wie man Bewegung in eine hängende Show bringt: «Keine Angst, wir reden heute nicht über Gott, ich habe gestern mit ihm gestritten und deswegen ist er heute nicht hier!»

Chällers zwischenzeitlich hängende Show

Dass die Show zwischenzeitlich «hing», dafür waren die drei Geladenen verantwortlich. Chäller fiel schon beim Betreten der Bühne der Länge nach hin. Seine Performance wusste in der Folge nicht so recht zu überzeugen. Faule Sprüche und uralte Witze werden offenbar zum Markenzeichen des Schaffhauser Moderators von FM1. Beispiel: «Warum brauchen Inder so lange bis zur Toilette? Wenn sie fragen, wo die Toilette ist, hören sie: am Ende des Ganges!»

Man mag über Chäller lachen oder eben nicht, gerade tiefschürfend ist seine Art der Stand-up-Komik nicht. Lustig sein um jeden Preis ist seine Devise, sich selbst in den Vordergrund stellen statt kluge Erkenntnisse und wendiges Um-die-Ecke-Denken für das Publikum.

Spence bewegte sich unter der Gürtellinie

In die gleiche Scharte haut seit Jahren auch Rob Spence. Er kokettiert mit sich selbst, seiner Herkunft (Australien) und teilt auch aus, oft unter die Gürtellinie. Appenzeller Männer seien die einzigen Männer mit abgeschliffenen Eiern – weil sie so kurze Beine haben. Schweizer können Small-Talk nicht und Frauen, aus Sicht der Italiener, hätten stets grosse Brüste. Natürlich hört das Publikum solche Sprüche nicht, wenn es Spence am Fernsehen sieht. Da hält sich der Komödiant mit solchen Sachen zurück, doch glaubt er wohl, ein ländliches Publikum damit behelligen zu dürfen. Doch stopp: Im Dömli war am Dienstagabend kein ländliches, gar einheimisches Publikum. Die meisten sprachen Zürcher Dialekt und auf den Parkplätzen standen Autos mit Zürcher Nummernschildern. Die einheimische Ausnahme waren ein Nationalrat und seine Freundin.

Stolls Wortgewitter als erfrischende Ausnahme

Welch erfrischende Ausnahme von der platten Komik bildete dann die Slammerin Lara Stoll. Welchen besseren Platz für ihren Vortrag – Predigt? – hätte sie sich noch aussuchen können als die Kanzel? Stoll deckte das Publikum mit einem Gewitter von Worten ein, das zu verfolgen schon hohe Aufmerksamkeit forderte. Doch die Autorin weiss, wo ihre Pointen sind, und sie liess denn auch das Publikum gehörig lachen, bevor sie weiterfuhr mit ihren Erkenntnissen: Was wohl die Parmelins machen, wenn der Parmesan knapp wird? Wenn es keinen Parmesan mehr gäbe, gibt’s halt Pantalon. «Rien ne vas plus!», und im Bundeshaus herrscht Ruhe.

Man wolle diesen Dienstagstermin mit Charly’s Comedy Club im Herbst fortsetzen, sagte Veranstaltungschef Ueli Walliser. Die erste Saison sei vielversprechend gelaufen und man sei auf dem aufsteigenden Ast. Er stelle sich aber vor, dass die Reich- weite der Veranstaltungen im «Dömli» über die Region hinauswachsen wird, nicht nach Zürich zwar, aber doch bis nach Wil. Nun ist aber Sommerpause bis September, so Walliser.

Michael Hug

redaktion@toggenburgmedien.ch